(de) FAU Solidarität mit der Putzfrauen im griechischen Finanzministerium -- Weg mit der schmutzigen Sparpolitik

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Sun Sep 28 14:13:38 CEST 2014


Am 22. September demonstrieren FAU Mitglieder vor der griechischen Botschaft in Berlin in 
Solidarität mit den 595 Putzfrauen, die seit einem Jahr gegen ihre Kündigung durch das 
Finanzministerium kämpfen. Rund 25 Leute nahmen Teil an der Demonstration, u. a. 
Mitglieder des Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall Berlin. Die Demonstration war 
Teil einer internationalen Aktionswoche für die Putzfrauen. Gestern sollte das oberstes 
Gericht das endgültige Urteil über die Wiedereinstellung der Putzfrauen fällen. Das 
Gericht vertagte allerdings die Entscheidung bis Februar. ---- Die 595 Putzfrauen des 
Finanzministeriums wurden am 17. September 2013 suspendiert. Ihre Arbeitsplätze wurden an 
private Subunternehmen vergeben, obwohl dies keine finanziellen Vorteile für den Staat 
hat. Aber die Regierung musste der Troika Entlassungen zusagen, angeblich um die 
öffentlichen Kassen zu entlasten. Also wurde zum Mittel der Suspendierung gegriffen, eine 
Vorstufe vor der vorhersehbaren endgültigen Entlassung. Auf diese Art und Weise wurden 
viele Staatsbedienstete (z.B. Hausmeister, Gemeindeangestellte, LehrerInnen und 
MitarbeiterInnen des öffentlichen Rundfunks) durch Fusionen und Privatisierung auf die 
Straße gesetzt.

Die Regierung verfolgt das Ziel, zunächst den Eindruck zu erwecken, dass die Gesellschaft 
aus zwei Gruppen von ArbeiterInnen besteht: die private Wirtschaft und der öffentlicher 
Dienst. Anschließend wird die Verantwortung für den Schuldenberg auf den öffentlichen 
Dienst geschoben, um dort zuerst die Schwächsten anzugreifen und diejenigen, die am 
wenigsten unterstützt werden - zum Beispiel die Putzfrauen. Die Regierung ging davon aus, 
dass sie diese Kategorie von Arbeiterinnen, Frauen der ,,niedrigen Klasse", die nicht 
einmal 500 Euro verdienen, schnell vernichten könnten. Die Reinigungsarbeit sollte 
privatisiert werden, um den privaten Reinigungsfirmen ein Geschenk zu machen. Sie stellen 
die Frauen für 200 Euro pro Monat wieder ein, mit einer Teilversicherung, ohne 
Arbeitsrechte: Arbeitsbedingungen die sich der Sklaverei annähern.

Diese Frauen, entlassen und geopfert von der Troika, sind zwischen 45 und 57 Jahre alt, 
oft alleinerziehend, geschieden, verwitwet, verschuldet, müssen Kinder oder arbeitslose 
Ehemänner oder Menschen mit Behinderung versorgen. Sie haben keine Möglichkeit, ihre 
Pension vorzeitig zu erhalten - und das alles nach mehr als 20 Jahren Arbeit. Ohne 
Aussicht, wieder Arbeit zu finden, haben sie sich nun dazu entschieden, Widerstand zu leisten.

Seit einem Jahr führen sie einen Überlebenskampf. Sie haben eine menschliche Mauer vor dem 
Finanzministeriums auf dem ,,Syntagma"-Platz, dem Platz vor dem griechischen Parlament 
errichtet. Sie setzen auf direkte und kollektive Aktionen, auf Gewaltlosigkeit, Humor und 
das Spektakuläre, sie haben sich und ihren Kampf radikalisiert durch Selbstorganisation 
und Widerstandsgeist. Tagtäglich leisten sie Widerstand gegen die Regierungspropaganda und 
die Polizeigewalt. Bilder von wehrlosen 50- und 60-jährigen Frauen, die von 
Eingreiftruppen der Polizei verprügelt wurden, gingen um die Welt. Viele mussten ins 
Krankenhaus nach den barbarischen und ungerechtfertigten Angriffen, aber sie gaben nicht auf.

Das oberstes Gericht hat ihnen im Mai sogar Recht gegeben, aber die Regierung weigerte 
sich, sie wieder einzustellen. Das Gericht sagte, dass sie rechtswidrig gefeuert wurden 
und dass sie bis zur endgültigen Entscheidung an ihre Arbeitsplätze zurück gehen können. 
Doch die Regierung ging in Berufung und das oberstes Gericht entschied, dass die 
Putzfrauen bis zur endgültigen Entscheidung suspendiert bleiben.

Aber viel wichtiger als jedes Gerichtsurteil ist, dass diese Frauen ihre Würde als 
Arbeiterinnen zurück gewonnen haben. Seit zwölf Monaten sind sie auf der Straße und sie 
haben nicht nachgegeben.

FAU Berlin
Weg mit der schmutzigen Sparpolitik


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