(de) FAU, Direct Action #225 - Gastro-Lohnspiegel zu Leipzig, Hamburg und Jena
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Wed Oct 29 16:08:12 CET 2014
Nachdem die FAU Dresden und die FAU Regensburg Lohnspiegel für Gastrobetriebe in ihren
Städten veröffentlicht haben, folgten nun Gastro-Lohnspiegel der ASJ Leipzig und der FAU
Hamburg. Dabei wurden wieder Daten über Lohnhöhe, bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung im
Krankheitsfall und Trinkgeldregelungen erhoben. In Leipzig wurde eine erste Version am 27.
August 2014 veröffentlicht, allerdings liegen erst über 10 gastronomische Einrichtungen
vollständige Daten vor - über 8 weitere unvollständige -, weshalb statt "Lohnspiegel" das
Wort "Stichproben" wohl zutreffender wäre. Eine Schwierigkeit bei der
Informationsbeschaffung besteht darin, dass gerade Angestellte mit besseren
Arbeitsbedingungen ungern über selbige reden, um keinen Neid zu erwecken. Aus der
vorgelegten Untersuchung ergibt sich folgendes Bild: Der Grundlohn liegt zwischen 5 und 8
Euro, das Trinkgeld verbleibt überwiegend beim Personal. In einigen Fällen gibt es auch
eine Umsatzbeteiligung. Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sind selten, wobei
diese Grundrechte vor allem MinijobberInnen vorenthalten werden. Hinzu kommt das Phänomen,
dass Scheinselbständige hinter dem Tresen stehen. In einem Fall liegt dort die Vergütung
bei 10,00 Euro, im anderen bei 6,50 Euro pro Stunde. Dabei muss aber berücksichtigt
werden, dass die Rentenversicherung davon 18,9 % Beitrag fordern kann. Die angemessene
Gegenmaßnahme könnte dann sein, auf Feststellung der Arbeitnehmereigenschaften zu klagen.
In Hamburg wurde der Lohnspiegel am 16. September 2014 offiziell präsentiert. Die dortige
FAU hat (in Zusammenarbeit mit der IWW) immerhin schon - neben 4 unvollständigen - 20
vollständige Datensätze zusammengetragen. Die Lohnhöhe liegt mit 7,00 bis 10,00 Euro etwas
höher. Bezahlter Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall fehlen auch in Hamburg auf
vielen Getränkekarten. Während manchen Hamburger GastronomiemitarbeiterInnen diverse
Zuschläge und in einem Fall auch Weihnachtsgeld bezahlt werden, klagen andere über
unbezahlte Putzdienste, Überstunden und Bereitschaftsdienste.
Seitdem die lokale FAU-Gruppe am 19. Juni eine Tabelle zu Minijobs in Jena veröffentlicht
hat, wuchs die Anzahl von Betrieben auf mittlerweile über 30. Hier wurden auch Unternehmen
aus anderen Branchen aufgenommen wie etwa dem Einzelhandel. "Mit wenig Aufwand kann
mittels Lohnspiegel effektiv Druck auf ArbeitgeberInnen ausgeübt werden, da eine
Vergleichbarkeit mit anderen Betrieben hergestellt wird und bei der Erhebung zugleich die
Angestellten über ihre Rechte aufgeklärt werden können. Spätestens bei der Frage, wie es
mit bezahlten Urlaub aussieht, werden die Beschäftigten hellhörig.", so Thomas von der FAU
Erfurt/Jena.Bisher kann bundesweit festgestellt werden, dass nicht nur die
arbeitsrechtlichen Grundkenntnisse bei Angestellten und Inhabern vieler gastronomischer
Einrichtungen fehlen, sondern auch die Bereitschaft dies zu ändern.
TB
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