(de) FAU, Direct Action #225 - Wenn das Publikum mitreden will...

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Fri Oct 24 08:42:12 CEST 2014


Interview mit Maren Müller, Mitbegründerin und Vorsitzende des Vereins "Ständige 
Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien e.V." ---- Bundesweites Aufsehen 
erregte sie als Initiatorin der der sogenannten Lanz-Petition. ---- Moderator Markus Lanz 
hatte in seine gleichnamige Fernsehs ---- Maren Müller ---- endung u. a. Sarah Wagenknecht 
und den Stern-Journalisten Jörges eingeladen. Lanz und Jörges fielen Wagenknecht ständig 
aggressiv ins Wort, wobei sie offensichtlich weder an einer Beantwortung der Fragen noch 
an einer vernünftigen Diskussion interessiert waren. Das Nichtreagieren der 
Programmverantwortlichen des ZDF auf die medial viel beachtete Petition, sowie die 
ignorante Antwort des Intendanten Bellut auf die Beschwerde von fast einer viertel Million 
UnterzeichnerInnen, war ein Auslöser zur Gründung des Vereins. Doch inzwischen geht es um 
mehr.


Wie stark ist der Verein inzwischen?

Mittlerweile sind Mitglieder aus jedem Bundesland vertreten, über die genaue Zahl möchte 
ich keine Auskunft geben. Ziel ist es, irgendwann regionale Publikumskonferenzen zu 
etablieren. Schließlich ist ja auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk regional 
strukturiert. Mitmachen kann übrigens jeder, der bereit ist, fünf Euro Mitgliedsbeitrag im 
Monat zu zahlen. Die Satzung des Vereins bietet auf Antrag auch Härtefallregelungen an.

Kann der Verein schon Erfolge verzeichnen?

Wir haben ja gerade erst angefangen. Aber erste Erfolge sind schon zu verzeichnen.
So haben wir neben unserem Blog ein umfangreiches Diskussionsportal entwickelt, das jede 
Menge Ideen und Anregungen des Publikums birgt. Darüber hinaus ist auch ein Wiki in Arbeit.

Unter dem Link publikumskonferenz.de/blog/programmbeschwerde haben die Zuschauer die 
Möglichkeit, Vorschläge zu Programmbeschwerden direkt über ein Formular an uns zu senden. 
Nach Prüfung des Sachverhaltes, unter Zuhilfenahme der Allgemeinen Programmgrundsätze der 
Sender, der entsprechenden Paragraphen des Rundfunkstaatsvertrages und ggf. der 
Landesmediengesetze der Bundesländer, wird durch den Vorstand entschieden, ob eine 
förmliche Programmbeschwerde erhoben wird oder ob formale Gründe dafür nicht vorliegen. 
Die Rundfunkanstalten sind insbesondere der Ausgewogenheit, Unparteilichkeit, Objektivität 
und zur Einhaltung der journalistischen Sorgfalt verpflichtet. Bei Unklarheiten stehen uns 
unabhängige Medienexperten beratend zur Seite.

So wurde unter anderem zum Manipulationsskandal innerhalb der ZDF-Sendung "Deutschlands 
Beste" Programmbeschwerde eingereicht, welche mit einer deutlichen Entschuldigung des 
ZDF-Intendanten Thomas Bellut beantwortet wurde. Ein weiterer Fall beschäftigte sich mit 
einer sozialdarwinistischen Reportage der Tagesthemen, die insbesondere in Leipzig die 
Gemüter erregte. Eine andere Beschwerde hatte den Vorwurf des Antiziganismus im 
öffentlich-rechtlichen Rundfunk zum Gegenstand und ein weiterer Grund für eine Beschwerde 
war die falsche Übersetzung der wörtlichen Rede einer russischsprachigen Bewohnerin der 
Kriegsregion in der Ostukraine.Verfolgen kann man die Programmbeschwerden sowie die 
Antworten darauf unter folgendem Link: forum.publikumskonferenz.de/viewforum.php?f=30

Koordinierte Programmbeschwerden und ihre Dokumentation sind ja sicher nicht alles, was 
der Verein beabsichtigt. Welche Themen bewegen den Verein und seine Mitglieder noch?

Was für die Mitglieder wichtig ist, wird auch für den Verein zum Thema. Einer Umfrage zu 
Folge wollen unsere Mitglieder folgende Themen auf der Agenda haben: Neben der ständigen 
Beobachtung der Qualität und Gestaltung der Programmangebote im Hinblick auf den 
gesetzlichen Auftrag will sich der Verein auch der demokratischen Mitbestimmung und 
Transparenz innerhalb der Gremien widmen und hat zu diesem Zweck bereits Kontakt mit den 
Landtagen der Bundesländer aufgenommen, in denen demnächst Neuwahlen anstehen.Der Umgang 
mit Ungerechtigkeiten innerhalb des Beitragserhebungssystems (soziale Härtefälle ohne 
ALGII-Bezug, Beitragserhebung für Unternehmen, Behinderte etc.) beschäftigt die Mitglieder 
und auch die teils menschenunwürdigen Produktions-, Arbeits- und Lebensbedingungen freier 
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Sendebetrieb sollen thematisiert werden.

Wichtiger als die Frage der Erhebung ist jedoch die Verwendung der Gelder. So ist es zum 
Beispiel ein Skandal, dass die Sendung "2254 Nachtgespräche" auf Deutschlandradio-Kultur 
im Zuge einer Programmreform ersatzlos gestrichen wurde. Diese Sendung hatte einen treuen 
Hörerstamm, der sich verständlicherweise komplett übergangen fühlt. Eine Mapping-Studie 
unter 4000 Teilnehmern, die der Programmreform vorangegangen war, wird der Öffentlichkeit 
vorenthalten. Wir werden nach dem Informationsfreiheitsgesetz der entsprechenden Länder 
eine Veröffentlichung der Ergebnisse fordern. Eine Petition zur Erhaltung des Nachttalks 
hat inzwischen über 3000 Mitzeichner und Mitzeichnerinnen erreicht. Wir unterstützen die 
Petenten.Die Quantitätsbestimmung anhand der Quotenmessung ist ein weiteres Problemfeld. 
Es werden nur etwa 5000 Haushalte über das AGF/GfK-Fernsehpanel erfasst. Das Verfahren 
kostet jährlich um die 20 Mio. Euro und repräsentiert 72,20 Millionen Personen in 36,71 
Millionen privaten TV-Haushalten. Mitglieder des Panels können laut Expertenmeinungen aber 
keinen repräsentativen Ausschnitt abbilden. Wo lediglich Anwesenheiten gemessen werden, 
können keine Rückschlüsse darüber gezogen werden, ob tatsächlich geschaut oder vielleicht 
die komplette Aufmerksamkeit der neusten amerikanischen TV-Serie im Internet gilt. Zudem 
steht Quote für Markt - der Rundfunkbeitrag jedoch sollte gerade die Unabhängigkeit 
sichern.Es gibt noch unzählige weitere Felder, die zu bestellen sind, aber es geht nun mal 
nicht alles auf einmal.

Wie will die ständige Publikumskonferenz Einfluss ausüben, vielleicht die Rundfunkbeiräte 
ersetzen?

Nachdem mehrere Regelungen des ZDF-Staatsvertrags im März dieses Jahres für 
verfassungswidrig erklärt wurden, haben die Länder bis Ende Juni 2015 Zeit für eine 
Neuregelung ihrer jeweiligen Gremienbesetzungen. Um den Querschnitt einer modernen 
Gesellschaft angemessen repräsentieren zu können, ist nach Einschätzung von Experten, eine 
Evaluierung der gesellschaftlich relevanten Gruppierungen nötig. Als potentiell 
gesellschaftlich relevante Gruppierung möchten wir künftig eigene Vertreter in die Gremien 
entsenden. Ich kann mir vorstellen, dass dies über ein Losverfahren geschieht, um zu 
verhindern, dass sich Karrieristen in den Gremien festsetzen.

Interview: Thomas Bloch


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