(de) FAU, Direct Action #225 - Ausbeutung auf Schwedisch -- Klassenkampf in der Schwedischen Schule
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Thu Oct 23 11:36:41 CEST 2014
In der beschaulichen Landhausstraße im Berliner Bezirk Wilmersdorf gab es in den letzten
Wochen gleich zweimal mehrstündige Kundgebungen unter rot-schwarzen Fahnen. Die FAU Berlin
protestierte damit gegen die Kündigung von acht Beschäftigten der Schwedischen Schule
Berlin (SSB), die dort ihr Domizil hat. Die gesamte Belegschaft der Schule war am 28. Mai
entlassen worden. Zuvor hatten sie in einem Offenen Brief gegen von der Schulleitung
geplante Lohnkürzungen bei der Hortbetreuung protestiert. Es war nicht ihr erster
Arbeitskampf. Bereits vor vier Jahren kämpfte die Belegschaft der Schule erfolgreich gegen
schlechte Arbeitsbedingungen und hatte schnell Erfolg. Damals entstand auch die FAU-Gruppe
an der Schule. Mehrere der schwedischen Beschäftigten waren zuvor schon in der
Schwesterngewerkschaft SAC organisiert, die allerdings wesentlich größer als die FAU ist.
Die SAC hat mittlerweile in Schweden eine Solidaritätskampagne mit den Berliner
KollegInnen gestartet.
"Es gab weder Arbeitsverträge noch LehrerInnenzimmer oder Arbeitsräume. Eine Stunde pro
Woche arbeiteten wir unentgeltlich in der Schule und mussten uns auch darauf einstellen,
bei Klassenfahrten und an vereinzelten Wochenenden unsere Arbeitskraft unbezahlt zur
Verfügung zu stellen", berichtete einer der langjährigen SAC-Aktiven, der wesentlich zum
damaligen Erfolg der KollegInnen beigetragen hat. Die Kündigung scheint fast wie eine
Revanche der Schulleitung. Die protestantische Kirche Schwedens, der die Berliner Schule
untersteht, ist für die FAU sicher ein Wunschgegner. Doch die Kampagne in Berlin ist sehr
bürgerInnenfreundlich angelegt. Während der Kundgebungen waren aus den Lautsprechern
schwedische Kinderlieder zu hören, und auf Luftballons stand: "Komi gen, Lena", was
übersetzt "Komm schon, Lena" bedeutet. Dieser freundliche Appell an die
SSB-Geschäftsführerin Lena Brolin, die Kündigung wieder zurückzunehmen, zeigte bisher
allerdings keine Wirkung. Alle Gesprächsangebote der FAU wurden bisher ignoriert, erklärt
ein betroffener Erzieher gegenüber Jungle World. Auch gegenüber der Presse reagiert die
Schulleitung ignorant und lässt alle Nachfragen unbeantwortet. Mittlerweile haben sich
schon 13 Eltern mit den Beschäftigten solidarisiert und fordern deren Wiedereinstellung
und eine Schlichtung in dem Konflikt. Wenn auch sie nicht gehört werden, dürfte es noch
öfter Kundgebungen unter schwarz-roten Fahnen in Wilmersdorf geben, und die Appelle an
Lena dürften nicht mehr so freundlich ausfallen.
Peter Nowak
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