(de) FDA/IFA, Gai Dào #46 - Anarchy in the UK -- Bericht von der 3. Internationalenvon Konferenz des ASNs von Maurice Schuhmann

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Mon Oct 13 16:16:29 CEST 2014


Kurz nach dem in England die Sicherheitsstufe mal wieder erhöht wurde, fand an der 
Universität Loughborough in der Zeit vom 3. bis 5. September die 3. Internationale 
Konferenz des Anarchist Studies Network statt. Loughborough als Veranstaltungsort liegt 
hierfür ohnehin auf der Hand, da hier auch die von Ruth Kinna publizierte Fachzeitschrift 
Anarchist Studies ansässig ist, und neben ihr mit Uri Gordon und David Berry zwei bekannte 
Anarchismusforscher als Dozenten tätig ist. ---- Ca. 100 Teilnehmer*innen - darunter 
besonders viele Doktorand*innen - versammelten sich auf jenem Campus, um sich in Panels 
wie "Anarchism and religion", "Anarchism and the history of ideas" oder "Anarchism and 
critical management studies" intensiv zu diskutieren. Ein Großteil kam von der Insel, aber 
es gab auch Teilnehmer*innen aus Kanada, den USA und aus anderen europäischen Staaten. 
Besonders großer Beliebtheit erfreuten sich die Theorien Gustav Landauers, dem sich gleich 
sechs Referent*innen widmeten, sowie Kropotkin, der eine regelmäßige Referenz darstellte - 
aber auch Max Stirner, der im englischsprachigen Raum vor allem durch die Arbeiten von 
Saul Newman über Postanarchismus eine Renaissance erlebt. Sehr positiv erschien mir der 
solidarische und kritische Umgang miteinander. Das Niveau der Beiträge war durchwachsen.

Dem Gegenstand entsprechend waren viele der Teilnehmenden
gleichzeitig Aktivist*innen, so dass auch die Brücke zwischen Wis-
senschaft und Subkultur ("Diy and cultures of resistance", "Anarchism
and Nonhuman Animal Liberation") geschlagen wurde - nicht nur in
entsprechenden Panels. Ein veganer Cateringservice sorgte u.a. für
das leibliche Wohl. Allerdings war der Anteil von Genossinnen sehr
gering, was auch auf dem Abschlussplenum als ein kritischer Aspekt
selbstkritisch angesprochen wurde. Die Anarchismusforschung ist
immer noch weitgehend eine weiße, männliche Domäne. Ebenso ist
es das klassische Problem der Anarchismusforschung, dass sie weit-
gehend die Domäne von Anarchist*innen ist, so dass gelegentlich
eine kritische Distanz zum Forschungsgegenstand fehlt.

Als Rahmenprogramm wurde der Film "To Hell with Culture", eine
Dokumentation über das Denken des britischen Anarchisten und
Kunstkritikers Herbert Read, in Anwesenheit der Regisseure gezeigt,
sowie ein gemeinsamer Pubabend mit einem off enen Mikrofon für
Kleinkunst organisiert.

Auch wenn es dabei sicherlich nicht ganz nüchtern zuging, bleibt
eine Ernüchterung nach der Konferenz zurück. Anarchismusfor-
schung ist weitgehend ein Karrierehemmnis im wissenschaftlichen
Kontext und die wenigen Festangestellten, die sich intensiver jenem
Themenkomplex widmen, stehen meist auf verlorenen Posten in ih-
ren jeweiligen Fakultäten. Dementsprechend ist die Anarchismusfor-
schung häufig den unabhängig und nicht eingebundenen Forschern
überlassen. Der Versuch einer Vernetzung dieser ist bislang geschei-
tert, nachdem es auf der vorherigen Konferenz im Jahre 2012 große
Pläne hierfür gab.

Bedarf und Interesse an einer vierten internationalen Konferenz des
Anarchist Studies Network besteht auf jeden Fall - und wird vor-
aussichtlich dann auch wieder - nicht zuletzt wegen der dort bereit
stehenden Infrastruktur - in Loughborough stattfi nden. Ein Teil der
Konferenzbeiträge der 3. ist auch online auf der Seite des Anarchist
Studies Network bereitgestellt worden.


MEHR Nach INFOS
Anarchist Studies Network Web: http://anarchist-studies-network.org.uk


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