(de) News - 05.10.14 von FAU -- Über 650 TeilnehmerInnen auf der Konferenz "Erneuerung durch Streik II" in Hannover -- Gewerkschaftliche Kämpfe ausweiten
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Mon Oct 6 17:07:58 CEST 2014
Tosenden Applaus gab es auf dem Abschlusspodium für die kämpfenden GenossInnen bei amazon
und WEA. Unter dem Motto "Gemeinsam Strategien entwickeln. Konflikte führen. Beteiligung
organisieren" hatten die Rosa Luxemburg Stiftung und ver.di zur Streikkonferenz in
Hannover eingeladen. Drei Tage lang diskutierten und vernetzten sich über 650 Basis- und
LinksgewerkschafterInnen aus dem gesamten Bundesgebiet und internationale Gäste in
zahlreichen Workshops, Seminaren und Branchentreffen. Am Ende konnte eine Resolution gegen
die Tarifeinheit verabschiedet werden. ---- Die Veranstaltung in Hannover war die zweite
Auflage der Konferenz, die 2013 bereits in Stuttgart stattgefunden hatte. Nicht alle
Teilnehmenden zeigten sich mit dem Titel zufrieden, ging es doch in den Seminaren häufig
um alternative Arbeitskampfmethoden anstatt des klassischen Streiks. Den Auftakt am 2.
Oktober bestritt ein international besetztes Podium zum Thema "Streiken unter prekären
Bedingungen". Auch am Samstag ließen sich die Anwesenden nicht von den parallel
stattfindenden Einheitsfeierlichkeiten stören, sondern beteiligten sich zahlreich in den
Seminaren. Angeboten wurden sowohl praxisorientierte Workshops zu Organizing und
Öffentlichkeitsarbeit als auch branchenspezifische Vorträge. Erfreulicherweise kamen dabei
häufig die Aktiven aus den Betrieben zu Wort.
Diskutiert wurde unter anderem über Solidaritätsaktionen für gewerkschaftliche Kämpfe,
aktivierende Strategien gegen den Personalmangel in Krankenhäusern, aggressive
Arbeitgeberstrategien oder gewerkschaftliche Gegenwehr gegen Leiharbeit und Werkverträge.
Mut machten die Beispiele erfolgreich geführter Kämpfe an der Berliner Charité und die
noch andauernden Auseinandersetzungen um einen Tarifvertrag beim Versandhändler amazon. In
Zeiten zunehmender Prekarisierung, Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen und
neoliberaler Vereinzelung wurde auch die Rolle der DGB-Gewerkschaften hinterfragt.
Durchaus kritisch beurteilten viele Anwesende die Top-Down-Maßnahmen ihrer Organisationen.
So war die Forderung nach mehr Beteiligung und Basisdemokratie in den Diskussionen häufig
zu hören.
Auf dem abschließenden Podium sprach unter anderem Juliane Fuchs, ver.di-Sekretärin im
Fachbereich Handel, zur Unterstützung der Kämpfe im Einzelhandel und der Rechtsanwalt
Henner Wolter. In seinem Kurzvortrag gegen die Verrechtlichung des Streiks forderte er:
"Rechtsfortschritt wird nur durch Rechtsbruch erstritten!" Außerdem konnte eine zuvor
erarbeitete Resolution gegen die vom Gesetzgeber forcierte Tarifeinheit verabschiedet
werden. Darin wird sich nicht nur für die Tarifpluralität ausgesprochen, auch hier heißt
es weiterhin: "Hände weg vom Streikrecht!" Diese Forderungen sind im Kern für
Basisgewerkschaften wie die FAU tragbar. Allerdings sprach man sich in der Resolution
grundsätzlich gegen den gewerkschaftlichen Pluralismus aus. Viele GewerkschafterInnen
halten weiterhin an dem Grundsatz "ein Betrieb, eine Gewerkschaft" fest. Eine Alternative
wäre, mehrere Gewerkschaften im Betrieb zuzulassen und die radikalsten
Verhandlungs-Ergebnisse tariflich geltend zu machen. So waren auf der Konferenz auch kaum
Spartengewerkschaften vertreten. Am Ende versäumte man es, eine Solidaritätsadresse an die
ab Montag streikenden LokführerInnen zu senden.
Dennoch gingen von der Konferenz viele positive Impulse aus, die nun auf praktischer Ebene
verbreitet, erprobt und weiterentwickelt werden müssen. Zur Nachbereitung wird es wie im
letzten Jahr zahlreiche Materialien geben. Zudem sind für 2015 eintägige Konferenzen zur
Vernetzung im Bereich Gesundheit sowie Erziehung und Soziales geplant. Um
gewerkschaftliche Kämpfe wieder verstärkt in die sozialen Bewegungen hineinzutragen,
forderten KollegInnen aus Frankfurt außerdem zur Teilnahme an den Blockupy-Protesten im
November auf.
Silke Bremer
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