(de) FAU, Direct Action #225 - ¡A las barricadas! -- Lieder des Spanischen Bürgerkrieges

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Tue Nov 18 11:38:37 CET 2014


Die berühmte Hymne der CNT findet sich in einer gerade erschienenen umfangreichen 
Zusammenstellung von Liedern zum Spanienkrieg - vor allem aber Titel, die in den 
Schützengräben und der Etappe der Internationalen Brigaden gesungen wurden. ---- Auf 
sieben CDs sind 127 Einzeltitel zusammengefasst, zusätzlich gibt es eine DVD mit dem 
israelischen Dokumentarfilm "Madrid before Hanita" von 2006 über jüdische Freiwillige, 
InterbrigadistInnen, die aus dem damaligen britischen Mandatsgebiet Palästina nach Spanien 
gingen, um den Faschismus zu bekämpfen - an der Seite der spanischen Republik gegen Hitler 
und Mussolini. Als am 17. Juli 1936 unter der Führung von General Franco die spanische 
Armee gegen die Volksfrontregierung putschte, war sie mit einer in dieser Entschlossenheit 
und Militanz unerwarteten Gegenwehr konfrontiert: Bereits einen Tag nach Beginn des 
Putsches riefen die sozialistischen und anarchosyndikalistischen 
Gewerkschaftsorganisationen, UGT und CNT, zum Generalstreik auf, was auf große Resonanz in 
den Betrieben stieß. Spontan wurden von CNT, UGT und linken Parteien Volksmilizen initiiert.

Ein radikales Aufbegehren war auf den Straßen spürbar, insbesondere die große CNT und die 
kleine linkskommunistische Partei POUM setzten sich dafür ein, die Abwehr des Putsches mit 
der sozialen Revolution zu verbinden. In ihren Milizen kämpften Frauen und Männer 
gemeinsam, agitierten an den Frontabschnitten und in der Produktion für Enteignung, 
Vergesellschaftung und ArbeiterInnenkontrolle. Linke aus vielen Ländern kamen nach Spanien 
und kämpften mit.

Auf Initiative der Komintern entstanden die hauptsächlich von KP-Mitgliedern aus ganz 
Europa getragenen und dominierten Internationalen Brigaden. Überall wurde organisiert, 
kollektiviert, diskutiert, sozialisiert - oder zur Ordnung gerufen: Das breite 
Volksfrontbündnis bis hin zu liberalen, bürgerlichen Parteien sei gefährdet, wenn 
sozialrevolutionäre Forderungen umgesetzt werden würden. So argumentierte die PCE, die KP 
Spaniens. Zu Beginn des Putsches relativ klein und bei weitem nicht so einflussreich wie 
die CNT, wurde sie rasch die Partei der Ordnung, der Disziplin: Keine Experimente! Die 
Argumentation der KP wurde auch deshalb von vielen geteilt, weil die Putschisten rasch 
massive militärische Unterstützung von Deutschland und Italien erhielten. Nicht nur in 
Form von Waffenlieferungen, sondern auch mit Armeeeinheiten wie der deutschen "Legion 
Condor", deren Luftwaffe die spanische Republik kaum etwas entgegensetzen konnte. Aus 
diesem Grunde ist es passender, vom (internationalen) Spanienkrieg als von einem 
Bürgerkrieg zu sprechen - zumal die Unterstützung der putschenden Armee durch die 
faschistischen Staaten bei gleichzeitiger Nichteinmischung der europäischen Demokratien 
auf Seiten der Republik kriegsentscheidend war. Die Appeasement-Politik von Britannien und 
Frankreich gegenüber Hitler war für die spanische Republik eine Katastrophe. Nur Mexiko 
und die Sowjetunion unterstützten die Republik - die Sowjetunion unter Stalin nutzte ihre 
Monopolstellung bei den Waffenlieferungen für eine massive Einflussnahme in Spanien im 
Sinne ihrer Volksfrontstrategie und gegen die sozialrevolutionäre Linke, insbesondere 
gegen die POUM. Die PCE, KP Spaniens, diffamierte die POUM als "fünfte Kolonne" Francos, 
als "faschistische AgentInnen".

Am 3. Mai 1937 begannen in Barcelona mehrtägige Kämpfe der von der KP kontrollierten 
Polizei gegen von POUM- und CNT-Milizen verwaltete Einrichtungen. Über 500 Menschen 
starben. Die PCE behauptete, es sei ein "faschistischer Putsch der trotzkistischen POUM" 
gewesen. In Razzien wurden viele Mitglieder der POUM verhaftet, unter Mittäterschaft des 
sowjetischen Geheimdienstes gefoltert, erschossen oder inhaftiert - etwa der Vorsitzende 
der POUM, Andreu Nin, von dem die KP nach dessen heimlicher Ermordung behauptete, er sei 
entweder "nach Salamanca" (zu Franco) oder "nach Berlin" (zu Hitler) geflohen. An der 
Ermordung von Andreu Nin waren mehreren Berichten und Notizen im KGB-Archiv zufolge zehn 
deutsche InterbrigadistInnen beteiligt. Auch dies gehört zur Geschichte der Interbrigaden 
- ebenso wie die Existenz eines "Spezialdienstes" innerhalb der Interbrigaden, der unter 
dem Kommando des sowjetischen Geheimdienstes stand. JedeR zehnte deutsche InterbrigadistIn 
hatte in seiner / ihrer Kaderakte einen Disziplinierungsvermerk - wegen Disziplinlosigkeit 
oder wegen politischer Abweichung: Wer die Kriminalisierung und Diffamierung der CNT und 
der POUM kritisierte, musste mit Sanktionen rechnen. Auch dies gehört, neben dem Einsatz 
gegen den franquistischen Putsch, zur Geschichte der Interbrigaden. Und sollte nicht 
verschwiegen werden. Die Auseinandersetzung zwischen einer sozialrevolutionären, radikalen 
und einer antifaschistischen, reformistischen Linken zieht bis heute Linke, die sich in 
diesen beiden Traditionslinien sehen, in den Bann - die einen, weil sozialrevolut

ionäre und linkskommunistische Ansätze hier von einer großen Bewegung getragen wurden und 
im Alltag umgesetzt werden konnten, die anderen, weil das von der Komintern 1935 
beschlossene Volksfrontkonzept von einem großen Regierungsbündnis mitgetragen und die KP 
für ihren nichtrevolutionären Antifaschismus breit akzeptiert wurde. Das spiegelte sich 
auch in der Propaganda der spanischen Republik. Wie der Musikhistoriker Marco Antonio de 
la Ossa Martínez in seinem Buch "La música en la Guerra Civil Española" von 2009 
anschaulich darstellt, erlebte die Musikproduktion in den drei Jahren des Spanienkrieges 
einen Aufschwung: Nahezu alle zuvor bekannten und populären Komponierenden wie 
Auftretenden aller damaligen Stilrichtungen beteiligen sich an der musikalischen 
Agitation. Und nahezu alle Einheiten der rasch aufgebauten Volksarmee verfügten über eine 
Musikgruppe. Wo in den selbstorganisierten, nichthierarchischen Volksmilizen eher die 
Lieder der ArbeiterInnenbewegung gesungen wurden, wurde für die sie verdrängenden, weil 
scheinbar effektiveren Volksarmeeeinheiten eine nahezu unüberschaubare Vielfalt von 
Militärmärschen, Hymnen und Kampfliedern produziert. Neben denen es aber immer auch 
melancholische Lieder des Trauerns, der Entsagung, der Niederlagen gab.

Der Berliner Musik- und Literaturhistoriker Dr. Jürgen Schebara hat für die Box "Spanien 
im Herzen - Lieder des Spanischen Bürgerkrieges" eine Auswahl aus dem ganzen Spektrum 
getroffen, das während der drei Jahre gesungen und gespielt wurde. Er hatte für das 
gleiche Label - Bear Family - 2010 bereits die noch umfangreichere Sammlung "Dass nichts 
bleibt, wie es war! 150 Jahre Arbeiter- und Freiheitslieder" herausgegeben. So hat er 
ebenso wie das Label Erfahrung mit dem Auffinden und dem Aufbereiten historischer 
Aufnahmen durch digitales Remastering. Das macht sich beim Hören angenehm bemerkbar - es 
rauscht nicht, die Stimmen klingen lebendig, selbst unmittelbar im Spanienkrieg 
entstandene Schellackaufnahmen wirken nicht blechern.

Zusätzlich zu den Aufnahmen enthält die Box ein 315-seitiges Begleitbuch im LP-Format. 
Sämtliche Liedertexte sind abgedruckt, mit zusätzlichen Informationen zur Aufnahme und den 
InterpretInnen. Daneben stehen Fotos oder Faksimiles von Plakaten aus der Zeit, öfter auch 
ein Text zum politischen Hintergrund oder der Geschichte des Liedes. Eine CD hören, dabei 
die Texte mitlesen - bis auf Ausnahmen sind alle auf Spanisch, Englisch und Deutsch 
abgedruckt - und sich hineinversetzen in die Lieder, eintauchen. Nicht für nebenbei, 
sondern für konzentriertes Lauschen - zumal die historischen Arrangements teilweise doch 
sehr ungewöhnlich für heutige Hörgewohnheiten sind. Jeder CD ist darüber hinaus ein Auszug 
aus einem zeitgenössischen Roman, einer Reportage beigestellt: Von Ernest Hemingway, Willi 
Bredel, Ilja Ehrenburg, Arthur Koestler, Erich Weinert, Ludwig Renn und Alfred 
Kantorowicz. Außerdem gibt es eine Chronik, um sich in den Ereignissen zu orientieren. 
Dabei kreisen sowohl die Liederauswahl als auch die Texte zur Geschichte vor allem um die 
Interbrigaden, deren Lieder drei der sieben CDs füllen. Viele der Aufnahmen hat Ernst 
Busch eingesungen, der bei den Interbrigaden selbst gesungen hat - und später in der DDR 
mit seinen Schallplatten und Konzerten die Töne zum Spanienkrieg geliefert hat. Ernst 
Busch hat die Erinnerung stark geprägt, und obgleich er leise und traurig singen kann - 
wenn es um gefallene Kämpfer und Niederlagen geht - so sind doch seine Aufnahmen gerade 
aus der DDR von einem Pathos getragen, das surreal wirkt, geschichtsklitternd: Die 
Niederlage ist bei ihm - ein Durchhalten. Geschmetterte Heroisierung, hohl, wenn er "Halt 
stand. Rotes Madrid!" schmettert. Wie anders singt Busch die "Moorsoldaten", das von zwei 
kommunistischen Häftlingen im ostfriesischen KZ Börgermoor geschriebene Lied. 
Zuversichtlich, aber verhalten. Ernst Busch ist mit zu vielen Liedern vertreten - schade, 
weil im deutschen Sprachraum CDs von ihm schon vorher zugänglich waren. Und weil viele 
wichtige Lieder aus den letzten Jahrzehnten aus Spanien, in denen es um den Spanienkrieg 
geht, auf den CDs fehlen: Seien es etwa die "Lekeitioak" von Mikel Laboa, in denen der 
Liedermacher die traumatischen Erfahrungen der von ihm erlebten Bombardierung im 
Baskenland durch die deutsche "Legion Condor" eindrücklich besingt. Oder "Campanades a 
morts", eines der bekanntesten (und schwer erträglichen) Lieder von Lluís Llach, in dem es 
um ein Massaker der Polizei an Streikenden am 3. März 1976 geht, in der Endphase der auf 
die Niederlage im Spanienkrieg folgenden Diktatur von Generalissimo Franco. Die 
Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen linken Strömungen kommt nur partiell vor - 
etwa bei dem von Ernst Busch gesungenen, schwer heroisierenden Stück "Hans Beimler". 
Beimler war Kommissar einer Interbrigade, im Lied heißt es, er sei im Kampf "durch ein 
deutsches Schießgewehr" gefallen. Im Begleittext heißt es nun aber, Beimler sei vermutlich 
vom damals in Spanien sehr aktiven sowjetischen Geheimdienst GPU ermordet worden - wegen 
seiner Kritik an der Verfolgung und Kriminalisierung der linkskommunistischen POUM seitens 
der AnhängerInnen Stalins in Spanien. Einmal mehr lohnt es sich hier, das Hören der Lieder 
mit der aufmerksamen Lektüre des Begleitbuches zu verbinden. Dann fällt auch der 
inflationäre Gebrauch von Begriffen wie Nation, Volk und Heimat auf. Während es in den 
wenigen (drei) Liedern der CNT um Klassenkampf geht, wird in anderen Liedern ein 
klassenübergreifendes gemeinsames Interesse als Volk beschworen, und die ArbeiterInnen 
werden zu mehr Einsatz in der Produktion aufgefordert: Schneller arbeiten gegen Franco. 
Dass in den nichtkollektivierten Fabriken auch mit der Produktion für die Republik Profit 
gemacht wurde, erscheint so in der Volksfrontpropaganda zweitrangig. Leider gar nicht 
kritisch kommentiert ist ein Plakat, auf dem es heißt: Ein Vago, Langsamarbeiter oder 
Rumtreiber, ist ein Faschist. Antifaschismus zur Disziplinierung der Arbeitenden.

Gaston Kirsche

Various Artists:España en el corazón - Spain in my heart - Spanien in meinem Herzen. 
7-CD/1-DVDBox (LP-Format) mit dreisprachigem Buch (316 Seiten, gebunden), 127 Einzeltitel. 
Gesamtspieldauer ca. 326 Minuten. Erhältlich für 173,09 Euro zuzüglich Versandkosten beim 
Label Bear Family.


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