(de) FAU, Direct Action #225 - Struggle -- Nachrichten von der Klassenfront

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Sun Nov 16 09:33:46 CET 2014


SÜDAFRIKA: METALLARBEITERINNEN BEENDEN ARBEITSKAMPF ---- Nachdem die Platin-Kumpels Ende 
Juni den längsten Arbeitskampf in der Geschichte des Landes erfolgreich beendet hatten 
(wir berichteten in der letzten Ausgabe), folgten ihnen fast unmittelbar darauf die 
BranchenkollegInnen der Metallindustrie: Von Anfang Juli an streikten rund 220.000 
Mitglieder der MetallarbeiterInnengewerkschaft NAMSU einen knappen Monat lang - und 
beendeten den Ausstand am 27. Juli mit einem zufriedenstellenden Ergebnis: Bis 2017 sollen 
die niedrigeren Lohngruppen eine jährliche Gehaltserhöhung von 10 % erhalten, die höheren 
Lohngruppen etwas weniger. Eine festgeschriebene "Friedenspflicht", die auf Wunsch des 
UnternehmerInnenverbandes noch in letzter Verhandlungsminute ins Abkommen aufgenommen 
werden sollte, wurde nicht umgesetzt.

BRASILIEN: LANDARBEITERINNENGEWERKSCHAFT WENDET SICH AN REGIERUNG NACH MORDSERIE

23 Mitglieder der LandarbeiterInnengewerkschaft Contag wurden seit Jahresbeginn 2014 
ermordet, und dies stets im Zusammenhang mit aktuellen Konflikten. Einen neuerlichen 
traurigen Höhepunkt erreichte die Mordserie im August, als innerhalb von zehn Tagen gleich 
vier Menschen das Leben genommen wurde. Nun hat sich die Gewerkschaft ab dem 27. August in 
einem offenen Brief an die brasilianische Regierung gewandt. In dem Schreiben prangert die 
Organisation vor allem die Missstände im Bundesstaat Mato Grosso an. Zu den Forderungen 
zählen Agrarreformen und Maßnahmen zur Unterbindung und Aufklärung etwaiger Morde. In 
Brasilien kam es bereits vor diesem Jahr immer wieder zu Mordserien gegen 
UmweltaktivistInnen und aktive LandarbeiterInnen.

BANGLADESH: LOHNAUSFÄLLE, BESETZUNG, HUNGERSTREIK UND POLIZEIGEWALT

Drei Monate ohne Lohn: Das ist der Grund, weshalb rund 1500 TextilarbeiterInnen der 
berüchtigten Tuba-Gruppe protestieren. Die Lohnausfälle mindern die Lebensqualität der 
Beschäftigten gravierend; einige von ihnen wurden sogar obdachlos. So kam es dazu, dass am 
28. Juli rund 500 ArbeiterInnen eine der 13 Fabriken des Textilproduzenten besetzten, 200 
von ihnen hielten anschließend die Stellung und traten zusätzlich in einen Hungerstreik - 
mindestens sechs von ihnen mussten in der Folge ins Krankenhaus eingeliefert werden 
(Stand: 31. Juli). Am 7. August schließlich stürmte ein Polizeitrupp die besetzte Fabrik 
mit Schlagstöcken und Tränengas. Das Resultat: 50 Beschäftigte wurden verletzt, 15 
verhaftet - inzwischen jedoch wieder freigelassen. Nach der polizeilichen Räumung bekamen 
die ArbeiterInnen ihre ausstehenden Löhne und Überstunden zwar ausgezahlt, allerdings 
nicht den Eid-Zuschlag (grob vergleichbar mit dem hiesigen Weihnachtsgeld) - auch wurden 
mittlerweile fünf Fabriken der Unternehmensgruppe geschlossen, sodass große Teile der 
Belegschaft nun um ihre Jobs bangen. Die besondere Brisanz bei dem Konflikt: Der Besitzer 
der Tuba-Gruppe Delwar Hossain hatte versucht, mit der Vorenthaltung von Löhnen seine 
Freilassung aus dem Gefängnis zu erpressen, wo er seit Februar 2014 aufgrund öffentlichen 
Drucks einsitzt, da er offensichtlich die Verantwortung für den Brand in der 
Tazreen-Fabrik trägt, bei dem am 24. November 2012 125 Menschen ums Leben gekommen waren. 
Auch noch im Jahr 2013 - dem Jahr, als Hossain noch auf freiem Fuß war - kam es zu einem 
größeren Skandal: Die Auszahlung bereits damals vorenthaltener Eid-Zuschläge konnte erst 
nach einer Festsetzung des Chefs in seiner eigenen Fabrik durch 900 seiner 
MitarbeiterInnen erwirkt werden. Das Textilunternehmen produziert unter anderem für den 
Discount-Riesen Lidl.

USA: UPS-ARBEITERINNEN GEGEN LIEFERUNGEN AN POLIZEI

Nach der skandalösen Tötung des unbewaffneten 18-jährigen Afroamerikaners Michael Brown 
durch die Polizei am 9. August im US-Bundesstaat Missouri und den darauffolgenden, teils 
gewaltsamen Protesten sorgten auch UPS-Beschäftigte in Minneapolis Ende August mit einer 
ganz eigenen Solidaritätswelle für Aufsehen. Der Hintergrund: UPS ist ein wichtiger 
Zulieferer von Polizeiausrüstung - insbesondere für die Polizei im Großraum Ferguson - 
hier hatte sich Anfang August der tragische Vorfall ereignet. So kam es, dass einige 
ArbeiterInnen entsprechende Sendungen von Zulieferfahrzeugen entfernten; andere weigerten 
sich, geplante Lieferungen auszufahren, zusätzlich bekundete ein Großteil der Belegschaft 
online unter #handsupdontship ihre Anteilnahme - in Anlehnung an den populär gewordenen 
Ausruf "Hands up, don't shoot", der im Zuge der Proteste entstanden war.


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