(de) FdA-IFA Gai Dao #39 - Erfahrungsbericht: Die armen Kinder...Von: Einer Einzelperson der FAU Karlsruhe, Approved: NestoNestode

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Sat Mar 15 17:50:02 CET 2014


... sind hier. Diese vorweihnachtliche Erkenntnis habe ich heute morgen auf der 
Familienkasse Karlsruhe erfahren. Das Bedauern gilt wieder einmal mehr den öffentlichen 
Verwaltungseinrichtungen des Bundes. ---- Das Kundencenter der Familienkasse an sich, 
vornehmlich zuständig für Kindergeld und Kinderzuschlag, versteckt sich hier in Karlsruhe 
nahezu, in einem ausgedienten Bürokomplex der Postbank: Eine DIN-A3-Schwarzweißkopie im 
guten alten Arbeitsamtstil verkündet den Eingang im Obergeschoss, sofern man die gut 
gesicherte Pforte unten als Hürde genommen hat. Zwei alte Bürotische, eine lange Schlange 
an Wartenden, die Nummern nicht elektronisch, sondern von der Rolle. Ich bin dieser 
Sparsamkeit in der öffentlichen Verwaltung äußerst positiv gegenüber eingestellt. Wäre da 
nicht ein gewisses Unbehagen von Seiten der geforderten zwei Kundenberater*innen ausgegangen.

Antragsformulare für Kinderzuschlag lägen absicht-
lich nicht aus, "sonst würde ja jeder einen Antrag stellen, der gar
keinen Anspruch hat". Verwundert reihe ich mich mit meinem Nach-
wuchs in die Wartenden ein. Ist es nicht Aufgabe der Behörde und
Sinn eines Antrags, Anspruchsvoraussetzungen zu klären? Nun ja,
dies geschehe hier eben persönlich. Im Internet seien die Formulare
übrigens aus diesem Grund ebenfalls nicht zu erhalten. Da könnte ja
jede*r kommen! Warten wir also in der Spielecke. Oh, Spielecke? Die
sieht hier so aus:

Mein Nachwuchs? Noch zu klein und gut gelaunt, um darüber ent-
täuscht zu sein. Zweifel beschleichen mich erneut: War ich doch
falsch in der Annahme, eine Familie bestünde auch aus Kindern?
Oder ist mein Erlebnis hier bezeichnend für etwas, was das Verhält-
nis von Staat und Gesellschaft seit Langem hier ausmacht? Die Innen-
stadt wird zunehmend herausgeputzt, mir scheint allgemein nicht,
dass auf den Entscheidungsebenen selbst zu wenig Geld da wäre. DIE
wenig haben, sind weiterhin faul, und WIR verdienen auf jeden Fall
noch etwas mehr als DIE (und wenn ich für Jobcenter und sonstige
Ämter am Schalter sitze gehöre ich auf jeden Fall zu WIR). Zu WIR
Deutschen womöglich oder WIR Mittelklasse. Auf jeden Fall scheinen
DIE irgendwas zu wollen. Dabei wünsche ich mir folgende Einsicht
unter meinen Mitmenschen: Sozialleistungen sind nicht verwerflich
und nicht peinlich, sie sind DAS MINDESTE, was dieser Staat seiner
Haupteinnahmequelle, den ihn bewohnenden Menschen, im Gegen-
zug schuldig ist. Und zwar allen, nicht nur den formal-bürokratisch
ansässigen sog. Bürger*innen.

(Der Text repräsentiert die persönliche Meinung der Autorin nach
ihren gestrigen (16.12.2013) Erlebnissen auf dem Amt und nicht zwin-
gend der FAU Karlsruhe. Die Autorin, Mitglied der FAU Karlsruhe,
nimmt sachdienliche Hinweise, warum die Familienkasse an die
Agentur für Arbeit angegliedert ist, gerne entgegen!)


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