(de) FdA-IFA Gai Dao #39 - Aufruf zur Solidarität mit den ukrainischen Anarchist*innen/ Syndikalist*innen Von Alexandr Wolodarskij (Autonome Union der Arbeiter)

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Thu Mar 13 13:40:26 CET 2014


Anm. der Redaktion: Der folgende Bericht und Aufruf zur Solidarität mit den 
"anarchistischen und linken Kräften in der Ukraine" wurde von dem Anarchosyndikalisten 
Alexandr Wolodarskij, einem Mitglied der "Autonomen Aktion der Arbeiter" verfasst und auf 
Indymedia Deutschland gepostet. Wir haben auf eine "Glättung"des Textes verzichtet, um 
keine wichtigen Informationen bzw. Aussagen zu verzerren. Der Text spricht in jedem Fall 
für sich und ist die erste uns bekannte Stellungnahme anarchistischer/syndikalistischer 
Kräfte in der Ukraine nach den Morden vom 22. Januar. ---- Viele unsere nicht-ukrainische 
Kameraden verstehen in die letzte Zeit nicht, dass die Situation in Kiew sich stark 
geändert hat. Das, was gerade passiert, ist kein "Euromaidan" mehr, es geht nicht mehr um 
die EU-Assoziation, das sind keine oppositioemernelle Aktionen gegen Janukowitsch und 
keine Geld- und Machtspiele der Oligarchie.

Am 16. Januar wurde Rubikon überschritten, als die repressiven Ext-
remistengesetze wurden verabschieden. Entweder wird jetzt bei uns
der Polizeistaat wie in Russland oder Belarus oder noch schlimmer
gebaut, oder wird die Regime niedergeschlagen. Am 22. Januar hat
die Regierung bestätigt, dass ihre Absichten ernst sind. Sieben Tote.
Vier davon erschossen. Zwei bis zum Tode gefoltert. Igor Lutsenko,
der bekannte liberale Aktivist, der vor kurzer Zeit entführt wurde,
wurde lebendig freigelassen (im Wald, ohne der warmen Kleidung),
aber sein Mitmensch im Unglück Jurij Werbitskij (der Mathematiker,
der nur vor kurzer Zeit politisch und sozial aktiv wurde), wurde tot
gefunden. Angeblich waren die Exekutors vom Foltern zu begeis-
tert. Die zufällig ausgewählte Aktivist*innen sind regelmäßig per
Telefon angedroht. Diese Leute haben nichts mit der Gewalt gegen
Polizei zu tun, und sind auch keine Anführer*innen oder bekannte
Mediapersonen, es sieht so aus, dass die Macht eine Art von "De-
zimierung" verwendet, die Opfer der Repressionen werden aus den
Demonstrant*innen willkürlich ausgewählt, um Angst zu verbreiten.
Deswegen nehmen jetzt die linke und anarchistische Aktivist*innen
an den Protesten teil. Das ist nicht nur die Gewissensfrage, es geht
auch um die politische Zweckmäßigkeit. In einem Staat, der nach
Extremistengesetzen von Kolesnitschenko [ultra-rechter Politiker,
homophob und russischer Nationalist aus der Partei der Regionen]
lebt, haben wir auch kein Platz, der Kampf für die Basisrechte ist
auch ein wichtiger Teil des Klassenkampfes. Der Faschismus von der
Partei der Regionen ist heute viel realistischer, als der angeblische
Faschismus von Swoboda Partei [ukrainische parlamentarische Ul-
tra-rechte, nehmen an den Protesten teil], oder von den Deppen aus
dem Rechten Sektor [außerparteiliche Nazis, die bei den Protesten
aktiv sind und einen großen Anteil von Riot Porn produzieren, aber
keine Massenunterstützung haben]. Die Polizist*innen versuchen
jetzt die verletzten Leuten gleich im Krankenhaus wegen "Teilnahme
an den Massenunruhen" zu verhaften. Deswegen wachen jetzt viele
Aktivist*innen (darunter Linke und Anarchist*innen) dort, um die
Kranken zu beschützen.

Die linke und anarchistische Kräfte in der Ukraine brauchen die So-
lidarität von unseren Kamerad*innen weltweit, nehmt mit uns Kon-
takt, macht die solidare Aktionen bei den ukrainischen Konsulaten
und Botschaften, hilft uns die ukrainische Machthabern, wenn sie in
Ausland sind, auf allen Niveauen zu boykottieren.

Gegen Faschismus und gegen den Staat!
Hoch die Antinationale Solidarität!

Alexandr Wolodarskij, Mitglied der Anarcho-Syndikalistischen Organisa-
tion Autonome Union der Arbeiter, Kiew/Erlangen.
http://avtonomia.net

Quelle des Textes: http://de.indymedia.org/2014/01/351834.shtml


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