(de) FdA-IFA Gai Dao #39 - AFem2014 organisieren -- Eine anarcha-feministische Konferenz in London am Sonntag, 19. Oktober 2014 -- Von: Organisator*innen des Afem2014 / Übersetzung von vielleicht (e*vibes Dresden, evibes.blogsport.de)

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Mon Mar 10 14:47:26 CET 2014


Was ist AFem2014? ---- AFem2014 wird der erste Teil einer (hoff entlich) kommenden Serie 
internationaler anarcha-feministischer Konferenzen sein. Die Notwendigkeit dafür ist 
innerhalb anarchistischer Organisierung schon lange offensichtlich. ---- Versuche, uns 
stillzustellen, unsere Ideen schlecht zu machen oder zu verniedlichen, sowie körperliche 
Übergriffe und Vergewaltigungen haben zu einer gewissen Wut auf die Maskulinisierung 
unserer Bewegung geführt. Wir sind nicht zu gleicher Zahl repräsentiert und werden oft 
nicht ernst genommen. Während wir auf dem Papier gleichberechtigt sind, stehen wir 
manchmal selbst in unseren eigenen Gruppen und Organisationen Unterdrückung gegenüber. 
---- Hindernisse für unsere volle politische Teilhabe bleiben intakt. Das bedeutet, dass 
unsere anarchistische Bewegung nicht wirklich ,anarchistisch' ist. Wir werden das nicht 
weiter tolerieren. Wir wollen unsere Bewegung verändern.

Zudem haben, betrachtet man die breite Gesellschaft, die ver-
meintlichen Errungenschaften des liberalen Feminismus keine
Gleichberechtigung gebracht. Etablierte Reformer*innen und
autoritär-linke Parteien erreichen wenig für uns. Das trifft auf
rechtlichem, ökonomischem, sozialem und politischem Gebiet
zu, sowie auf persönliche Beziehungen. Wenn wir an einer fe-
ministischen Konferenz arbeiten, in deren Zentrum klassen-
kämpferischer Anarchismus und der Kampf für ökonomische
Gleichstellung stehen werden, wissen wir, dass der Kapitalis-
mus nicht der einzige Feind ist. Wir werden klein gehalten und
voneinander getrennt durch viele Arten der Herrschaft, die sich
in komplexer Weise kreuzen und überlappen.

Rassismus, Ableism*, Trans*phobie, Ageism* sowie Unterdrü-
ckung in Zusammenhang mit Religion oder Kultur sind verbrei-
tete Formen, denen wir entgegentreten, aber es gibt viele mehr.
Dies kann sich ebenso stark auf uns auswirken wie ökonomi-
sche Ausbeutung - und manchmal noch viel unmittelbarer.

Daher verstehen wir Anarcha-Feminismus nicht als bloße Ant-
wort auf Anarchismus und Feminismus. Anarcha-Feminismus
ist eine anti-autoritäre, unterdrückungs- und herrschaftsfeind-
liche Kritik der kapitalistischen kyriarchischen (1) Form sowie
eine Waffe, die wir in unserem täglichen Leben nutzen können.
Wir wollen Überschneidungen zwischen Herrschaftsformen
untersuchen, Theorie entwickeln, von anderen lernen und bei
praktischen Schlussfolgerungen für die Praxis ankommen.

Für wen ist die Konferenz offen?

Die Konferenz ist nicht offen für cis-Männer (Männer, die sich
mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen
wurde, wohlfühlen), allerdings offen für Menschen aller an-
deren Geschlechter bzw. keinen Geschlechts. Sie bemüht sich,
ein Ort für trans*, queere und nicht-binäre(2) Menschen sowie
Menschen unklaren oder fl ießenden Geschlechts zu sein, eben-
so wie für cis-Frauen. Wir werden auf der Konferenz keine Ge-
schlechtsdarstellungen kontrollieren, allerdings werden wir
nicht zögern, trans*phobe, cis-sexistische oder binaristische
Sprache, Verhalten oder Grundhaltungen anzugehen.

Wie wird die Konferenz strukturiert und organisiert sein?

Wir schlagen eine Struktur sich überschneidender thematischer
Treffen und Themenblöcke vor - mit Ergebnissen am Ende der
Konferenz, die wir mitnehmen, nutzen und auf die wir aufbau-
en können. Wir laden Menschen dazu ein, Treffen und ganze
Themenstränge zu initiieren, mit dem Fokus auf anarcha-fe-
ministischer Analyse und Praxis. Darin sollen von people of
color*, trans*-, genderqueeren und nicht-binären Menschen,
Sexarbeiter*innen sowie körperlich und psychisch behinderten
Menschen selbstorganisierte Stränge enthalten sein. Wir sind
verpfl ichtet, unser Mögliches zu tun, eine breites Spektrum von
Menschen in unsere Organisierung einzubeziehen, weshalb sol-
che Stränge durch das ganze Projekt hindurch prioritär unter-
stützt und mit Mitteln ausgestattet werden. Um zur vollen und
freien Teilnahme der zum Kommen Aufgerufenen beizutragen,
wird es auf der Konferenz eine klare und bedeutungsvolle safer
spaces-Politik (3) geben.

Bitte bringt euch ein

Die Konferenz was eine Initiative von Anarcha-Feminist*innen
innerhalb der Anarchist Federation (AF, Anarchistische Föde-
ration Großbritannien) und die Organisationsgruppe schließt
Repräsentant*innen der International of Anarchist Federations
(IFA-IAF) und ihrer Mitglied-Föderationen ein, der Solidarity
Federation (SF-IWA) sowie einer wachsenden Zahl ungebunde-
ner und autonomer Anarcha-Feminist*innen. Es gibt viel zu tun
und wir laden euch ein, mitzumachen und uns zu helfen, dieses
aufregende Ereignis zu gestalten; mit euren Ideen, Konzepten
und in der praktischen Organisation.

Bitte nehmt Kontakt auf, wenn ihr mit dem obenstehenden An-
satz einverstanden seid und euch der Organisationsgruppe an-
schließen möchtet, als Einzelne*r oder Delegierte*r, oder wenn
ihr ein bestimmtes Treffen bzw. Themenstrang mitorganisieren
oder daran teilnehmen wollt.

Bitte streut dieses Statement breit innerhalb eurer Grup-
pen, Organisationen und Netzwerke und bewegt sie dazu, zu
Unterstützer*innen und Mitwirkenden zu werden.

Bitte helft uns, Geld für dieses Ereignis zu beschaffen. Je mehr
wir bekommen, umso inklusiver und internationaler kann die
Konferenz sein.

Es freuen sich darauf, mit euch zusammenzuarbeiten...
...die Organisator*innen des AFem2014

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Über Inklusion und die Konferenz AFem2014 -- Vom Organisationskommitee der AFem2014

In der letzten Woche haben wir einen Aufruf, sich an der Kon-
ferenz-Organisation zu beteiligen, veröffentlicht und verbreitet.
Dieses Statement wurde wegen seiner Erklärung der Entschei-
dung, Cis-Männer nicht zum Organisieren oder Teilnehmen an
der Konferenz einzuladen, breit als cis-sexistisch kritisiert (4).

Die Wut und die Verletzungen, die dieses Statement bei
trans*Personen, genderqueeren, gender-fluiden und nicht-bi-
nären Menschen verursacht hat, tun uns aufrichtig leid und
wir sind dankbar für die Kritik, die wir erhalten haben. Wir
schätzen die Energie und Zeit all derer, die uns offene Briefe und
Emails geschrieben oder die Sache in sozialen Netzwerken dis-
kutiert haben. Die AFem2014-Konferenz sollte in ihrer Organi-
sation weder Cis-Sexismus noch andere geschlechtliche Unter-
drückung reproduzieren.

Wir lesen eure Kritiken und überlegen, wie wir unsere Vor-
gehensweise verändern können.

Unser Ziel ist es, einen sicheren und empowernden, herrschafts-
kritischen Raum zu schaff en für alle, die Unterdrückung in Zu-
sammenhang mit Geschlecht erfahren. Wir gestehen ein, dass
wir das bisher in unseren Planungen nicht geleistet haben. Wir
als Organisierende sind bereits eine gemischtgeschlechtliche
Gruppe, würden uns aber freuen, von mehr trans*-, genderquee-
ren, gender-fluiden und nicht-binären Menschen etwas zum
Thema zu hören. Lange hat es Spannungen dahingehend gege-
ben, wie ein sichererer Raum für aufgrund von Geschlecht un-
terdrückte Menschen geschaff en werden kann und wir wollen,
dass dieses Gespräch zu einer besseren Praxis beiträgt.

Bitte kontaktiert uns per Email unter afem [at] afed [dot] org
[dot] uk, wenn ihr Punkte habt, derer wir uns annehmen sollten.
Unser nächstes Organisationstreffen findet am 8. Februar in
London statt. Sagt uns Bescheid, wenn ihr vorbeikommen und
Teil dieser Diskussion sein wollt.

Anmerkung zur Übersetzung:

Wenn ihr den Text diskutiert, kommentiert oder kritisiert,
bedenkt bitte, dass Übersetzungen es immer schwer haben,
alle Implikationen oder auch den Tonfall adäquat wiederzu-
geben. Begriff e aus den gender und queer studies ins Deut-
sche zu übersetzen, ist schwierig. In deutscher Sprache an
englischssprach ig schon lange geführte Diskurse anzuknüp-
fen, ist schwierig. Erst recht, wenn man darin, wie ich , nicht
geübt ist. Man hätte noch viel mehr Erklärungs- und Anmer-
kungs-Fußnoten einbauen können. Aber: Zu viele Fußnoten
und zu langer Text sind auch schwierig. Verbesserungsvor-
schläge: gern! Die Übersetzerin.


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1) Kyriarchie: miteinander verbundene, interagierende, multiplikative Systeme von 
Herrschaft und Unterwerfung, in denen dieselbe Person in einem Kontext Unter-
drückte und in einem anderen Kontext privilegiert sein kann. Wird z.B. im Feminismus zur 
Erweiterung des Begriffs des Patriarchats genutzt. (Anm. d. Übers.)
2) binär: zweiteilig, bezieht sich hier auf oft unhinterfragtes, ausschließliches Modell 
der Zweigeschlechtlichkeit (Anm. d. Übers.)
3) safer space: ,sichererer', geschützterer Raum; bezieht sich hier auf 
diskriminierungskritische Praxis. Beispielsweise kann ein Raum geschützt, bzw. geschützter als
andere, vor rassistischer Diskriminierung sein, wenn er privilegierte weiße Menschen 
ausschließt (Anm. d. Übers.).
4) Es gab und gibt eine breite, teils hoch emotionale Diskussion, die zu verfolgen
interessant ist. Um mal ein Diskussionsfeld zu umreißen: Sind trans*Männer
keine ,richtigen' Männer, auch wenn sie dies sein wollen? Wie lässt sich die
gemeinte Unterdrückung treffend benennen? Werden trans*Männer ,als Frauen'
unterdrückt? Oder ,aufgrund ihres Geschlechts' - das aber in diesem Fall gar
nicht ,ihres' ist? Wie ist das bei trans*Frauen? In diesem Text lautet die Formu-
lierung nun ,gender oppressed people'. Dies mit ,geschlechtlich unterdrückt' zu
übersetzen, kennzeichnet Geschlecht nicht als konstruiert. Deshalb wähle ich
lieber Formulierungen wie ,im Zusammenhang mit' / ,in Bezug auf' / ,aufgrund
von Geschlecht" - also: weil so etwas wie Geschlecht existiert... Vielleicht wäre
,sexistisch unterdrückt' noch besser? (Anm. d. Übers.)


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Weitere Infos
http://afem2014.tumblr.com/
Email: afem [at] afed.org.uk


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