(de) Ukraine, Erklärung linker und anarchistischer Organisationen zu der Vereinigung "Borot'ba" (en, fr, pt)

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Wed Mar 5 10:04:43 CET 2014


Wir, die Mitglieder der ukrainischen linken und anarchistischer Organisationen, erklären, 
dass die Vereinigung Borot'ba nicht zu unserer Bewegung gehört. Während der ganzen Dauer 
der Existenz dieses politischen Projektes hat sich die Zuneigung seiner Mitglieder zu den 
am meisten diskreditierten, konservativen und autoritären "linken" Regimen und Ideologien 
gezeigt, die in keiner Weise die Interessen der Arbeiterklasse vertreten. ---- "Borot'ba" 
hat sich als eine Organisation mit undurchsichtiger Finanzierung und Prinzipienlosigkeit 
in der politischen Zusammenarbeit erwiesen. Sie hat Mitarbeiter mit Gehalt, die in der 
Organisation arbeiten und nicht zu den sogenannten "freiwillige Mitglieder" gehören. Teile 
von Borot'ba haben an gemeinsamen Aktionen mit der PSPU (Progressiven Sozialistischen 
Partei der Ukraine- einer antisemitischen, rassistischen, klerikalen Partei, die in keinem 
Zusammenhang mit der sozialistischen Bewegung steht) teilgenommen sowie an Aktionen der 
Charkiver "Oplot", einer regierungsfreundlichen antisemitischen und homophoben Gruppe; 
außerdem sind Kontakte mit dem berüchtigten Journalisten O.Chalenko, der offen für die 
Positionen eines russischen Großmacht-Chauvinismus eintritt, bekannt.

Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass sie Leitung dieser Vereinigung dem Beispiel der 
"Kommunistischen" Partei der Ukraine gefolgt sind und offen die Interessen von Janukovitch 
verteidigt, den Einsatz von Waffen durch die Sicherheitskräfte gerechtfertigt und die Akte 
ungerechtfertigter Gewalt und Grausamkeit, die Anwendung von Folter und anderer Formen von 
politischem Terror geleugnet haben. Die Vertreter von "Borot'ba" nehmen auf den von ihnen 
kontrollierten Ressourcen und in ihren Medienkommentaren eine einseitige Position im 
Hinblick auf die Zusammensetzung der Protestbewegung ein. Nach ihren Angaben werden die 
Protestierenden auf dem Maidan ausschließlich von Nationalisten und radikalen Rechten 
unterstützt und zielen auf einen Staatsstreich (einen "faschistischen Putsch") ab.
Wir vertreten antifaschistische Positionen und unsere Aktivisten waren häufig Opfer von 
Angriffen radikaler Rechter. Wir unterstützen nicht alle Ideen des Maidans und sind gegen 
die bourgeoise Opposition. Wir verurteilen ebenso konservative, nationalistische und 
radikal rechte Einstellungen, die in den Kreisen der Protestbewegung toleriert werden. 
Allerdings betonen wir, dass die Etikettierung aller aktiven Bürger als "Faschisten" nicht 
nur falsch, sondern auch schädlich ist. Eine derartige Einseitigkeit schürt die 
chauvinistische Hysterie und teilt die Gesellschaft in einer Weise, die der herrschenden 
Klasse nutzt.
Am 24. Januar hat Oleksj Albu, Bezirksabgeordneter und Vertreter von "Borort'ba" am Schutz 
des regionalen Verwaltungsgebäudes in Odessa vor "Nazis" teilgenommen, gemeinsam mit 
russischen Kosaken und Nationalisten ("Slavische Einheit") sowie Mitgliedern der Partei 
der Regionen und der kommunistischen Partei. In einem späteren Interview gab er die 
Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst der Ukraine zu. Am 1. März haben 
"Borot'ba"-Aktivisten gemeinsam mit Pro-Putin-Organisationen an dem Angriff auf die 
Charkiver Bezirksverwaltung teilgenommen, die im Hissen einer russischen Flagge und 
schweren Schlägen für viele Charkiver Maidan-Aktivisten gipfelte, unter den Opfern war der 
linke Schirftsteller Serhiy Zhadan. Die Mitglieder von "Borot'ba" nennen all' das 
antifaschistische Aktionen und behaupten, dass diese gewaltsamen Übergriffe gegen radikale 
Rechte gerichtet gewesen seien.
Daraus schließen wir, dass die Anführer von "Borot'ba" nicht nur die autoritäre 
sowjetische Vergangenheit unterstützen sondern auch bewusst die öffentliche Meinung 
manipulieren und als "Taschenrevolutionäre" für die herrschende Klasse fungieren. Ihr 
aktuelles Verhalten hat nichts gemein mit linker Politik und Klassenkampf und ist 
ausgerichtet auf die Unterstützung von Pro-Putin-Kräften unter dem Deckmantel von 
"Antifaschismus" und "Kommunismus". Die Handlungen dieser Organisation diskreditieren 
sowohl ihren Namen (der von den revolutionären "Borotbisten" [Kämpfern] zu Beginn des 20. 
Jahrhunderts kommt) als auch die moderne ukrainische Linke insgesamt. Zudem scheut 
Borot'ba sich nicht, offen zu lügen und Tatsachen zu manipulieren um dadurch ausländische 
Linke und Antifaschisten zu täuschen.
Wir rufen alle bewussten Revolutionäre, die noch Mitglieder bei "Borot'ba" sind, dazu auf, 
diese tückische und pro-bourgeoise Vereinigung zu verlassen und alle politischen 
Beziehungen mit ihrer Führung einzustellen. Wir hoffen auch, dass die europäischen und 
russischen Linken ihre Haltung zu "Borot'ba" überdenken werden. Eine derartige 
Organisation muss isoliert werden.
Keine Götter, keine Herren, keine Nationen, keine Grenzen!
Arbeiter aller Länder - vereinigt euch!
Autonome Union der Arbeiter
Unabhängige Studentengewerkschaft "Direkte Aktion"
(das Dokument ist offen für die Unterzeichnung duch andere Organisationen und einzelne 
Aktivisten)


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