(de) FAU-IAA Direct Action #221 - Die Stadt ist kein Konzern -- Über die Folgen der Privatisierung in Wiesbaden
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Sun Mar 2 13:59:25 CET 2014
"Eigentum verpflichtet!". Das gilt insbesondere für öffentliches Eigentum, das über
Generationen von BürgerInnen geschaffen wurde, um im Sinne der öffentlichen
Daseinsvorsorge der Allgemeinheit zu dienen. Es geht um die Energie- und Wasserversorgung,
die Abwasser- und Abfallentsorgung, um Krankenhäuser, Friedhöfe, soziale
Wohnbaugesellschaften, den öffentlichen Nahverkehr oder Sport- und Freizeitangebote. Ein
großer Teil dieser Leistungen wird über kommunale Betriebe erbracht. Durch die komplette
Durchkapitalisierung der Gesellschaft und das durch die schwarz-grüne Regierung in Hessen
erneut betonte Austeritätsdogma der Schuldenbremse geraten immer mehr Kommunen in akute
Finanznot und übertragen kommunale Dienstleistungen an Aktiengesellschaften, GmbHs und
gemeinnützige GmbHs.
Nach Angaben der Bürgerinitiative Gemeinwohl hat Vorfahrt - Privatisierung stoppen machen
in Wiesbaden städtische GmbHs und AGs mittlerweile rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz pro
Jahr. Diese formal privatisierten Unternehmen sind nicht mehr dem Gemeinwohl, sondern der
Gewinnerzielung verpflichtet, mit allen bekannten unangenehmen Folgen. Nachdem die Stadt
Wiesbaden 49% der zuvor städtischen Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken 2012 an die Rhön AG
verkaufte, wird dort nach Aussagen von Beschäftigten brutalstmöglich durchsaniert.
ÄrztInnen kündigen, Pflegekräfte beklagen die dauerhafte Unterbesetzung der Schichten und
Beschwerden über schlechtes Krankenhausessen oder die unzureichende Hygiene aufgrund des
unmöglich zu leistenden Putzpensums der Reinigungskräfte reißen nicht ab. Nach einem
Artikel des Wiesbadener Kurier vom 19.12.2013 ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft
gegen die HSK Service AG, der für Küche und Reinigung zuständigen Tochtergesellschaft,
wegen millionenschwerer Hinterziehung von Sozialabgaben. Oft über Leiharbeitsfirmen
ausgeliehene Putzkräfte und Küchenpersonal hätten nach übereinstimmenden Aussagen täglich
nach dem Ausstechen noch eine unbezahlte Überstunde leisten müssen.
Ähnlich katastrophal geht es im öffentlichen Nahverkehr der Landeshauptstadt zu. Dort gibt
es zwei Busunternehmen, deren FahrerInnen auf denselben Bussen die gleichen Strecken
fahren, dies jedoch zu unterschiedlichen Löhnen und Arbeitsbedingungen. Während die
Angestellten der städtischen ESWE Verkehrsbetriebe nach dem TVöD bezahlt werden, bekommen
die FahrerInnen der 2004 von der Wiesbadener Versorgungs- und Verkehrs Holding GmbH
gegründeten Wiesbadener Busgesellschaft mbH (WiBus) bis zu einem Drittel weniger Lohn bei
schlechteren Arbeitsbedingungen. Auch im Gartenbau wird öffentliches Lohndumping groß
geschrieben. Bei Neuausschreibungen für Pflegeaufträge der umfangreichen Grünflächen von
Wohnanlagen der gemeinnützigen Wiesbadener Wohnungsbaugesellschaft (GWW) bekamen zuletzt
Billiganbieter den Zuschlag. Gartenbauunternehmen, die noch den - sowieso zu niedrigen -
Tariflohn zahlen, können mit den Preisen der Billiganbieter nicht konkurrieren, verlieren
die Aufträge und entlassen ihre Angestellten, die sich in der Folge beim Billiganbieter zu
Dumpinglöhnen bewerben.
Leftéris Epanastátis
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