(de) FAU-IAA: Tarifeinheit kontra Streikrecht
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Thu Jun 19 11:53:52 CEST 2014
Abschlusserklärung der Konferenz ---Am Sonntag den 15.06.2014 trafen sich mehrere Dutzend
Aktivist*innen aus verschiedenen FAU-Syndikaten, der IWW, des Marburger Bundes, der TIE
und verschiedener DGB-angehöriger Einzelgewerkschaften im Haus des DGB in Frankfurt am
Main. Ziel war es, die Pläne der Bundesregierung zur so genannten Tarifeinheit zu
analysieren und eine gemeinsame Gegenstrategie zu entwickeln. ---- Wir dokumentieren die
Abschlusserklärung der Konferenz ---- Tarifeinheit kontra Streikrecht ---- Auf Einladung
des Aktionsbündnisses "Hände weg vom Streikrecht - für volle gewerkschaftliche
Aktionsfreiheit" trafen sich am 15. Juni 2014 im DGB-Haus Frankfurt/Main über 40
KollegInnen verschiedener Gewerkschaften (IG Metall, Ver.di, GEW, IG BCE, Marburger Bund,
FAU, IWW, NGG) aus 12 Städten.
Im Mittelpunkt stand die kritische Bewertung des Gesetzesvorhabens "Tarifeinheit", das
nach einhelliger Meinung der auf der Konferenz anwesenden KollegInnen eine schwerwiegende
Bedrohung gewerkschaftlicher Aktionsfreiheit ist.
Mit der Festlegung, dass in einem Betrieb nur die "Mehrheitsgewerkschaft" einen
Tarifvertrag abschließen kann, wären andere Gewerkschaften faktisch ihres Grundrechts auf
Koalitionsfreiheit beraubt. Denn sie wären an die Friedenspflicht gebunden und könnten
nicht für eigene Tarifverträge kämpfen. Dies gilt in Einzelfällen auch für die
DGB-Gewerkschaften.
Ein solch schwerwiegender Eingriff in die Koalitionsfreiheit der Gewerkschaften und das
Koalitionsrecht der einzelnen ArbeitnehmerInnen, eines international anerkannten
Menschenrechts (!), würde die Kräfteverhältnisse zwischen "Arbeitgebern" und abhängig
Beschäftigten dramatisch verschlechtern.
Wir sehen dies auch im Zusammenhang mit anderen Gesetzesinitiativen und Vorstößen, das
Streik-recht einzuschränken, so etwa der Gesetzesinitiative der
Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Stiftung (http://tinyurl.com/lhxkr25) oder dem Vorstoß des
Bundestagsabgeordneten und stellvertretende Frakti-onsvorsitzende der CDU Arnold Vaatz:
"Die Schäden, die ein Arbeitskampf auslöst, müssen im Verhältnis zum Anlass stehen."
(Stuttgarter Nachrichten vom 2.4.2014.)
Der DGB hat auf seinem Bundeskongress im Mai d. J. zwar gesetzliche Eingriffe in
Koalitionsfreiheit und in das Streikrecht abgelehnt, aber wirklich distanziert vom Projekt
Tarifeinheit hat er sich nicht. Der DGB-Vorsitzende formulierte in seiner Rede
ausdrücklich: "Jetzt wissen wir alle, was die Schwarz-Rote Koalition im Koalitionsvertrag
vereinbart hat. Sie will die Tarifeinheit stärken. Da kann ich sagen: Dieses politische
Ziel werden wir natürlich nachhaltig unterstützen [!]. Wir brauchen eine Stabilisierung
der Tarifeinheit [!]. Wenn die Große Koalition uns dabei helfen will, dann nehmen wir
dieses Angebot zur Hilfe natürlich an."
Deswegen stimmen wir dem Arbeitsrechtler Dr. Rolf Geffken (Hamburg) zu, wenn er auf
unserer heutigen Tagung ausführte:
"Zur Sicherung des Streikrechts gehört, dass man kampfbereiten jungen Gewerkschaften nicht
durch Statusverfahren die Existenz zerstört oder ihre Gründung dadurch verhindert. Die
Koalitionsfreiheit ist unteilbar. Wenn traditionelle Gewerkschaften aufgrund einer
falschen Politik Mitgliederverluste erleiden, sollten sie durch eigene Aktivitäten einem
solchen Trend entgegenwirken, nicht aber alterna-tive Gewerkschaften durch juristische
Mittel zu bekämpfen trachten. Solche Maßnahmen richten sich letztlich gegen die Kläger
selbst."
Wir meinen deshalb: In nächster Zeit ist eine breite Kampagne der Aufklärung und
öffentlichkeits-wirksamer Aktionen erforderlich, um den Widerstand gegen dieses
Gesetzesvorhaben zu verbreitern. Denn die Haltung der DGB-Gewerkschaften muss sich radikal
ändern: Aus stillschweigender Duldung oder gar Zustimmung muss aktiver Widerstand werden.
Die Anwesenden auf dieser Konferenz sind sich einig:
o Der Angriff auf das Grundrecht Koalitionsfreiheit ist kein Thema, das nur Gewerkschaften
angeht. Es ist eine Bedrohung, die in ihrer Konsequenz alle Lohnabhängigen betrifft.
o Eine Einschränkung des Streikrechts begreifen wir als eine elementare Herausforderung,
die eine massive Gegenwehr erfordert. Neben den Gewerkschaften braucht es ein breites
zivilgesellschaftliches Bündnis.
o Entscheidend für die Sicherung des Streikrechts ist die tatsächliche Wahrnehmung dieses
Rechts. Deshalb machen wir uns stark für die Losung: Es braucht insgesamt mehr Streiks in
diesem Land, erst recht bei einer drohenden Einschränkung des Streikrechts, dann nämlich
werden Protestresolutionen nicht mehr reichen.
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