(de) FAU-IAA - Direct Action #223 - Ver(un)sicherung für Hebammen -- Ein Kommentar von Silke Bremer

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Tue Jun 10 19:42:00 CEST 2014


Im Juli 2015 wollte die letzte Versicherung aus den verbleibenden Versicherungskonsortien 
der Hebammen aussteigen. Für freiberufliche Geburtshelferinnen würde es in Deutschland 
dann keine Haftpflichtversicherung mehr geben. Hausgeburten, Geburten in Geburtshäusern 
und häusliche Vor- und Nachsorge wären nicht mehr möglich. Dagegen regte sich zuletzt 
vielfältiger Protest, der von Elterninitiativen und Hebammenvereinigungen getragen wird. 
Der Druck auf die Bundesregierung war immerhin so groß, dass diese sich verpflichtet 
fühlte, die Versicherungen zu einer Lösung zu drängen. Nun hat sich eine Gruppe von 
Versicherungen bereit erklärt, die Hebammen bis Mitte 2016 zu versichern. Die ohnehin 
schon unbezahlbaren Haftpflicht-Prämien sollen aber um weitere 20 Prozent auf über 6000 
Euro pro Jahr steigen. Was als kurzfristige Lösung verkauft wird, bedeutet für die 
freiberufliche Geburtshilfe doch nur den langsamen Tod. Denn wenn die Prämien so hoch 
sind, dass der Lohn nicht mehr zum Leben reicht, müssen viele Hebammen schon vor 2016 ihre 
freiberufliche Tätigkeit aufgeben. Langfristig würde sich das Problem so von selbst erledigen.

Durch die in den letzten Jahren um ein Vielfaches gestiegenen Prämien sind die 
Arbeitsbedingungen der freiberuflichen Hebammen ohnehin schon prekär. Die Zentralisierung 
der Geburtshilfe in Krankenhäusern bedeutet aber nicht etwa eine Verbesserung. Die meisten 
Kreißsäle funktionieren nur noch mit unterbezahlten Beleghebammen oder schließen in 
ländlichen Gebieten gleich ganz. Frauen wird so die Selbstbestimmung verwehrt, wo und wie 
sie ihr Kind zur Welt bringen möchten. Denjenigen, die gerne in vertrauter Umgebung 
entbinden wollen, wird indirekt noch unterstellt, sie gefährdeten sich und das Kindeswohl. 
Denn die Versicherungen begründen die gestiegenen Beiträge mit höheren Schadenssummen nach 
Komplikationen bei der Geburt. Der Hebammenverband stellt jedoch klar, dass die höheren 
Kosten auf qualifiziertere medizinische Versorgung bei eventuellen Geburtsschäden 
zurückzuführen sind. Die Kalkulation der Versicherungen und Krankenkassen in der 
kapitalistischen Marktwirtschaft lautet aber: Wie viel Kosten verursacht ein Mensch im 
Laufe seines Lebens? Obwohl die Krankenkassen in den letzten Jahren hohe Gewinne verbuchen 
konnten, wird die gesundheitliche Unterversorgung in der BRD weiter ausgebaut. Das 
betrifft eben nicht nur die freiberuflichen Hebammen, sondern auch die Beschäftigten in 
den Krankenhäusern.


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