(de) FdA/IFA - Gai Dao #43 - Libertäre Medienmesse - Ein Gespräch Von: Redaktion der Gai Dào

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Fri Jul 11 09:31:56 CEST 2014


Die Redaktion der Gai Dào hat mit den Organisator*innen der 3. Libertären Medienmesse ein 
kurzes Gespräch am Telefon geführt. Doch zuerst etwas zum Hintergrund: ---- Die erste 
Libertäre Medienmesse fand 2010 in Oberhausen in den Räumen des "Druckluft" statt. Seit 
dem versteht sich die LiMesse als Teil einer widerständigen Kultur gegen die 
Industriegesponserte Kommerz und Schönwetterkultur, die ihren Ausdruck unter anderem im 
Kulturhauptstadtprojekt "Ruhr 2010" fand. Aufgrund der guten Resonanz beschlossen die 
Organisator*innen auch 2012 eine LiMesse zu organisieren. Diesmal fand sie in den Räumen 
"Bahnhof Langendreer" in Bochum, einem der ältesten und agilsten soziokulturellen Zentren 
im Ruhrgebiet statt. Auf dieser Messe traf sich auch die Initiative zur Gründung einer 
anarchistischen Föderation Rhein/Ruhr (AFRR / afrheinruhr.blogsport.de).

Die Gai Dào, die es ja erst seit dem Januar 2011 gibt, nahm 2012 ebenfalls mit einem 
eigenen Stand teil. Neben der "Direkten Aktion" und der "Graswurzel" waren
damit die drei wichtigsten deutschsprachigen A-Zeitungen auf der
LiMesse vertreten. Heute, 2014, ist aus der Initiative AFRR schon eine
im Aufbau befindliche Föderation geworden, die mit der Kampagne
"Zeit für Plan A" für einiges Aufsehen sorgte. Die nun 3. Libertäre
Medienmesse findet in Essen in der "Zeche Carl" statt. Erwähnens-
wert ist, dass 2002 auf Initiative der FAU-IAA in eben jenen Räumen
die "International Solidarity Conference" (i2002) stattgefunden hat.

Gai Dao:

Hallo. Dieses Jahr habt ihr der LiMesse ja ein Motto gegeben. Wie
kam es dazu und warum "Frauen.Arbeit.Migration"

LiMesse:

Dieses mal hat sich das einfach so ergeben. In den Medien waren
Themen wie Sexarbeit und Armutsmigration sehr präsent. Gleichzei-
tig wurden in den letzten Jahren große Betriebe wie zum Beispiel
das Nokia Werk in Bochum geschlossen oder, wie Opel Bochum, ge-
rade abgewickelt. Für das Ruhrgebiet, und hier fanden alle unsere
LiMessen statt, sind die Themen "Frauen.Arbeit.Migration." schon
immer sehr prägend. Seit nun schon mehr als 200 Jahren kommen
Arbeiter*innen aus der ganzen Welt auf der Suche nach einer einträg-
lichen Arbeit ins Ruhrgebiet. Heute leben hier Menschen aus mehr
als 170 Ländern zusammen. Frauen bekommen aber auch hier nicht
den gleichen Lohn wie ihre Kollegen, sondern bis zu 30% weniger.
Sie sind auch mehr von Altersarmut bedroht als die Männer. Und
seit einigen Jahren gibt es auch eine Migrationswelle raus aus dem
Ruhrgebiet! Die Ursachen sind nicht nur ökonomisch, sondern oft
auch rassistisch und sexistisch (wobei sich die letztgenannten Punk-
te natürlich immer ökonomisch auswirken). Also, wir fanden, dass
es nahe lag, diesmal der Messe einen Schwerpunkt zu verpassen. Der
Themenkomplex "Frauen.Arbeit.Migration" ist ja sehr vielschichtig
und bietet die verschiedensten Möglichkeiten sich einem, zweier oder
gar aller drei Themenbereiche zu nähern.

Gai Dao:

Mit der dritten LiMesse seid ihr nun schon das dritte Mal in einer
anderen Stadt des Ruhrgebiets. Welchen Plan verfolgt ihr damit? Und
wird die Messe zukünftig auch mal in einer anderen Region stattfin-
den?

LiMesse:

Das ist Zufall. Nachdem wir die erste LiMesse hinter uns gebracht
hatten, wollten wir die zweite, aufgrund der vielen guten Erfahrun-
gen, die wir mit dem Druckluft gemacht hatten, eigentlich auch dort
machen. Leider wollte uns der Vorstand des Druckluft nicht wieder
haben. Auf der Suche nach einer Alternative landeten wir schließlich
mit der zweiten LiMesse im Bahnhof Langendreer. Kaum zu glauben,
aber hier wurden wir noch freundlicher aufgenommen als bei der
ersten LiMesse in Oberhausen. Als wir dann für die dritte LiMesse
in Bochum angefragt haben, mussten wir leider feststellen, das schon
alle in Frage kommenden Termine belegt waren. Also suchten wir
weiter und landeten schließlich in Essen. Dieses Jahr ist die LiMes-
se auch für Rollstuhlfahrer*innen frei zugänglich. Beim letzten mal
musste eine Treppe überwunden werden. Dank der Hilfsbereitschaft
zahlreicher Gäste, wurde dieses Problem aber immer schnell gelöst.
Ob die LiMesse mal in anderen Regionen stattfinden wird, können
wir kaum beantworten. Wir kommen alle aus der Region, darum
machen wir sie auch hier. Für all diejenigen, die Lust haben in ih-
rer Region eine solche Messe zu organisieren, stehen wir natürlich
gerne mit unseren Erfahrungen zu Verfügung. Und: Mit der anar-
chistischen Büchermesse in Mannheim gibt es ja noch eine zweite
explizit anarchistische Messe in der BRD. Auch in der deutschspra-
chigen Schweiz gab es in den letzten Jahren anarchistische Bücher-
messen. Und in Biel/Bienne versuchten die Organisator*innen auch
schon mehrmals zweisprachige Messen durch zu führen (deutsch/
französisch).Im Norden und Osten der Republik und in Österreich
sieht es da schon etwas düsterer aus. Aber wer weiß, vielleicht kommt
das ja bald;)

Gai Dao:

Wie finanziert ihr eigentlich so ein großes Projekt?

LiMesse:

Ja, das leidige Geld. Vorneweg: Die LiMesse ist ein absolutes Non-Pro-
fit-Projekt. Unser Ziel ist immer, am Ende eine schwarze "0" stehen zu
haben, Wir kalkulieren sehr gewissenhaft und knapp. Bisher hat das
auch immer gut geklappt. Für viele Dinge gehen wir privat in Vorkas-
se. Und dieses Jahr haben wir auch zwei Soliparties organisiert. Wir
machen alles ehrenamtlich und für uns nicht unwichtig: Die LiMesse
kostet für Besucher*innen keinen Eintritt. Allerdings müssen wir von
den Austeller*innen einen kleinen Unkostenbeitrag nehmen.

Gai Dao:

Bei den letzten LiMessen gab es auch immer eine vegane "Küche für
alle" (Küfa). Bietet ihr dieses Jahr auch wieder neben intellektueller
Nahrung Café, Kuchen und mehr für den Leib an?

LiMesse:

Im Gegensatz zu den ersten beiden libertären Medienmessen kön-
nen wir euch dieses Mal keinen Kaffee und Kuchen oder Getränke
gegen Spenden anbieten. Aber die Gastronomie der Zeche Carl wird
an allen Tagen geöffnet haben. Neben Deftigem wie Schnitzel und
Pommes hat dieser auch ein ansehnliches Angebot vegetarischer und
veganer Speisen. Außerdem stecken wir noch in Verhandlungen mit
dem Gastrom und versuchen noch so etwas wie ein "LiMesse"-Spezial
zu organ.Aber das steht leider noch nichts fest.

Gai Dao:

Könnt ihr noch etwas zu den Veranstaltungen erzählen?


LiMesse:

Wir sind noch mitten in der Organisation. Darum können wir jetzt
leider noch nichts Genaues sagen. Nur soviel: es wird mit Sicherheit
spannend und interessant! Ihr könnt euch aber auf unserer Home-
page und über unseren Twitter-Account auf dem Laufenden halten.
Natürlich könnt ihr auch unseren Newsletter abonnieren.

Gai Dao:

Vielen Dank für das Gespräch


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