(de) FdA/IFA - Gai Dao #43 - sich fügen heißt lügen -- Gedenkdemonstration anlässlich des 80. Todestages von Erich Mühsam - 12. Juli 2014 | S-Bhf. Oranienburg (bei Berlin) Von: North-East Antifa
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Tue Jul 8 14:37:58 CEST 2014
Mühsam war Vieles: Revolutionär, Utopist, Freidenker, Anarchist, KPD- und Rote
Hilfe-Mitglied, Antikriegsaktivist/Pazifist, Knastund Staatskritiker, Antifaschist und
Syndikalist; ein Individualist mit chronischem Geldmangel, Lebemann der
schriftstellerischen Bohème, Mitbegründer der Münchner Räterepublik 1919, anerkannter
Verfasser von Gedichten, Theaterstücken und Herausgeber und Publizist von Sachbüchern,
politischen Zeitschriften und Aufsätzen sowie ein Humorist. ---- All diese Lebensbereiche
und Facetten Mühsams, die sich noch um einige erweitern ließen, zeichneten seine
vielschichtige Persönlichkeit aus. Für uns als libertäre Antifaschist*innen, erscheinen im
Hinblick auf ein politisches Gedenken drei Punkte jedoch sehr zentral für sein Wirken zu
stehen: das anarchistische, antifaschistische und freigeistliche Erbe Mühsams.
Denn alles was Erich Mühsam aus-
machte, sah er selbst als Teil eines
Weges, der zu einem besseren Le-
ben für alle führen sollte. Denn wie
Mühsam verlautbarte: Der "Zweck
meiner Kunst ist der gleiche, dem
mein Leben gilt: Kampf! Revoluti-
on! Gleichheit! Freiheit!"
Anarchist:
"Sich fügen heißt lügen" bedeu-
tete für Erich Mühsam in erster
Linie, für eine herrschaftsfreie
Gesellschaft einzutreten. In Staat,
Kapitalismus, Militarismus und
Klassengesellschaft fand er An-
griffspunkte, um gegen Unterdrü-
ckungsmechanismen vorzugehen.
Der revolutionäre Kampf sollte nie
nur für die Menschen, sondern im-
mer auf Augenhöhe mit den Men-
schen geführt werden. Befreiung verstand er immer auch als Leben
und nicht bloß als Politik. "Sich fügen heißt lügen" trifft jedoch auch
auf Mühsam als undogmatischen Anarchisten zu. So gab es zwar
viele Anarchist*innen seiner Zeit, auf die er sich bezog und die ihn
beeinflussten. Doch ließ er sich nie entgegen seiner eigenen per-
sönlichen Überzeugungen vor einen "politischen Karren" spannen.
Der Ausspruch "Sich fügen heißt lügen" trifft also Herrschaftsver-
hältnisse in Form politischer Systeme genauso, wie feste politische
Ideologien.
Antifaschist:
1932 bezeichnete Joseph Goebbels Erich Mühsam als einen "jüdi-
schen Wühler", mit dem man "kurzen Prozess" machen werde, so-
bald die NSDAP an der Macht sei. Bereits kurz nach der Machtüber-
tragung an die Nazis trat Erich Mühsam der Freien Arbeiterunion
Deutschlands (FAUD) bei. "Ich gehe zu den Arbeitern und kämpfe
mit diesen gegen Hitler" begründete Mühsam später seine Entschei-
dung für die FAUD. Der frühe Zeitpunkt seiner Festnahme und Er-
mordung zeugen davon, wie sehr Mühsam den Nazis ein Dorn im
Auge war, sowie von seinem nicht unerheblichen widerständigen
Einfluss in jener Zeit. Sein antifaschistisches Engagement als Pub-
lizist und Schriftsteller, welches sich in den Jahren vor der Macht-
übergabe an die Faschist*innen verstärkte,
weisen zudem auf seine enorme Überzeu-
gung hin. Auch nach 17 Monaten Folter im
Konzentrationslager Oranienburg gelang
es den Nazis bis zuletzt nicht, seinen Wil-
len zu brechen.
Freigeist:
Lesen wir heutzutage diese zahlreichen
Charaktereigenschaften und Betätigungs-
felder, die sich noch um Einiges fortführen
ließen, so stutzen wir zumindest für einen
Moment. Widersprüche und Ungereimt-
heiten prägten das Leben Erich Mühsams.
Doch sie waren es, welche die vielschich-
tige Persönlichkeit Mühsams ausmachten.
Entgegen jedem Trend und jeder Norm
blieb er eine Institution für sich: nirgends
einzuordnen, niemandem zugehörig,
überall dabei, aber immer er selbst. Der
berühmte Ausspruch "sich fügen heißt lü-
gen" geht also über das Ideal klassischer
Herrschaftsfreiheit hinaus und meint
zudem, scheinbar Feststehendes stets ra-
dikal zu hinterfragen, um der eigenen
Meinungs- und Willensbildung wegen.
Das praktizierte der Einzelgänger Mühsam bis zur letzten Konse-
quenz an sich selbst, mit dem Effekt, dass er zeitlebens unbequem
blieb - von Zeit zu Zeit auch seinen eigenen Leuten gegenüber. Die
Akzeptanz seiner eigenen inneren Widersprüche trieb ihn darin
an, Widersprüche auch innerhalb sozial-revolutionärer Strömun-
gen von Anarchist*innen und Kommunist*innen zu überwinden.
Sein Engagement galt keinem ideologischen Dogma, sondern dem
gemeinsamen Kampf aller gegen Faschismus und für eine bessere,
herrschaftsfreie und solidarische Gesellschaft ohne Kapitalismus
und Ausbeutung.
Und so rufen wir euch 80 Jahre nach seiner Ermordung dazu auf,
Erich Mühsam am Ort seiner Hinrichtung zu gedenken. In Orani-
enburg wollen wir gemeinsam mit euch an den ganzen Menschen
Mühsam erinnern, der gelebt hat und dem sein Leben genommen
wurde.
Antifaschistische Gedenkdemonstration:
12. Juli 2014 | 13 Uhr | S-Bhf. Oranienburg
www.erich-muehsam.tk
Erich Mühsam Fest
12. Juli 2014 | 15/16 Uhr | ZUKUNFT am Ostkreuz, Laskerstraße 5
www.erichmuehsamfest.de
Infos und Material:
www.erichmuehsam.antifa-nordost.org/material/
www.erichmuehsam.antifa-nordost.org/biographie/
Unterstützer*innen
- Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen
- Anarchistische Gruppe Neukölln
- ASJ Berlin
- ASJ Göttingen
- Antifa Bernau
- Antifa Initiative Nord-Ost
- BAIZ
- Black Mosquito
- Erich Mühsam-Fest
- Libertäre Aktion Frankfurt/Oder
- North East Antifa
- RASH Berlin/Brandenburg
- VVN-BdA Berlin
- VOSIFA
- WB13
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- Christoph Holzhöfer
- Geigerzaehler
Von: unbekannte Autor*innen
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