(de) FDA-IFA, Gai Dào #37 - Zapatismus-Debatte - Teil 1 -- Auszug aus dem Bericht von Subcomandante Marcos: Von: Subcomandante Marcos / übersetzt von Christine und RedmycZ (Chiapas98) sowie jt (afb)

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Sat Jan 18 09:41:31 CET 2014


Vorwort der Redaktion: Die Tageszeitung La Jornada (aus Mexiko DF), hat in ihrer Ausgabe 
vom 3. November 2013 einen Bericht zur ersten Runde der "Escuelita" veröffentlicht, die 
die EZLN in Chiapas im vergangenen August organisierte [die Gaidao berichtete]. In diesem 
Bericht des Subcomandante Marcos mit dem Titel "Schlechte und nicht ganz so schlechte 
Nachrichten", ist einen ganzer Abschnitt den Anarchist*innen und der aktuellen 
antianarchistischen Hysterie gewidmet, die Staat und Kapital in dieser Gegend verbreiten. 
---- Auszug aus dem Bericht von Subcomandante Marcos: ---- "BESONDERE ANGELEGENHEITEN: Die 
Anarchist*innen. ---- Angesichts der Anti-Anarchismus-Kampagne, die die gewissenhaften und 
gut erzogenen Linken begannen, vereint im heiligen Kreuzzug mit der angestammten Rechten, 
um junge und alte Anarchist*innen zu beschuldigen, das System herauszufordern (als ob der 
Anarchismus eine andere Wahl hätte), außerdem, ihre
Inszenierung zu zerstören (dient das Ausmachen des Lichts dazu,
die Anarchist*innen nicht zu sehen?) und bis zum Delirium gestei-
gert mit Bezeichnungen wie ,Anarcho-Falken', ,Anarcho-Provoka-
teure', ,Anarcho-Kiffer', ,Anarcho-etc' (irgendwo habe ich die Be-
zeichnung ,Anarcho-Anarchist' gelesen, himmlisch nicht wahr?),
können wir Zapatistinnen und Zapatisten das Klima der Hysterie
nicht ignorieren, welches beharrlich verlangt und fordert, dass die
Auslagenscheiben respektiert werden (die nicht zeigen, sondern
verbergen, was hinter dem Ladentisch vorgeht: sklavenmäßige Ar-
beitsbedingungen, fehlende Hygiene, schlechte Qualität, schlechte
Lebensmittelqualität, Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Kapital-
flucht).

Denn jetzt stellt sich heraus, dass diese schlecht verborgenen Dieb-
stähle unter dem Namen ,Strukturreformen', die arbeitsrechtliche Ent-
eignung des Lehrpersonals, der Verkauf als outlet des Eigentums der
Nation, der Raub, den die Regierung an den Untertanen mittels Steuern
begeht, der steuerliche Würgegriff, der nur die großen Monopole aus-
nimmt - dass all das jetzt die Schuld der Anarchist*innen ist.

Dass die guten Leute nicht mehr auf die Straße gehen um zu protestie-
ren (na hören Sie mal, dort sind ja die Demos, die Sitzstreiks, die Blo-
ckaden, die Wandbemalungen, die Flugzettel. Ja schon, aber das sind
die Lehrer*innen-Transport-Arbeiter*innen-Straßenhändler*innen
Schüler*innen-oder-besser-gesagt-die-Provinzler*innen, - ich mein-
te ja die anständigen Leute aus dem Hauptstadtdistrikt Mexiko DF.

Ach so, die berühmte Mittelklasse, so verwöhnt und gleichzeitig so
verhöhnt und verraten vom gesamten mediatischen und politischen
Spektrum), dass die institutionalisierte Linke uns auch der Plätze
zum Demonstrieren beraubt, dass die ,einzige Opposition gegen das
Regime' immer und immer wieder von den Namenlosen überstimmt
wurde, dass man jetzt die willkürliche Verhängung als ,Dialog und
Verhandlung' bezeichnet, dass der Mord an Migrant*innen, Frauen,
Jugendlichen, Arbeiter*innen, Kindern geschieht, an all dem sind die
Anarchist*innen schuld.


Für jene, die für das ,A' kämpfen und sich dazu bekennen, Fah-
ne ohne Nation und ohne Grenzen, und der SEXTA angehö-
ren, aber die wirklich kämpfen und für die es sich nicht um ei-
nen Modetrend oder einen Trend der Zeit handelt, haben wir
außer eine Umarmung unter Compañerxs eine spezielle Bitte:

Anarchistische Compas: wir die Zapatisten, wir die Zapatistinnen wer-
den Euch nicht unsere Unzulänglichkeiten zuschreiben, (einschließ-
lich einer fehlenden Phantasie), noch werden wir Euch für unsere Feh-
ler verantwortlich machen und noch viel weniger werden wir Euch
verfolgen, weil Ihr seid, wer Ihr seid. Noch mehr, ich kann Euch erzäh-
len, dass einige Eingeladene im August ihre Teilnahme absagten, weil
sie der Meinung waren, dass sie das Klassenzimmer nicht mit ,jungen,
abgerissenen und in Fetzen gehüllten Anarchisten oder mit überall mit
Piercings versehenen Punks voller Tätowierungen' teilen könnten und
sie erwarteten (jene, die nicht jung, keine Anarchist*innen, nicht fetzig
gekleidet, keine Punks, nicht gepierct und nicht voller Tätowierungen
sind) eine Entschuldigung und dass die Teilnehmerliste gereinigt wer-
den möge. Sie warten immer noch vergebens.

Worum wir Euch bitten wollen, ist Folgendes: Dass Ihr bei der Ein-
schreibung einen Text abgebt, höchstens eine Seite lang, wo Ihr auf
die Kritiken und Vorwürfe Stellung nehmt, die gegen Euch in den be-
zahlten Medien erhoben wurden. Diese Texte werden in einer Spezial-
ausgabe unserer Website (enlacezapatista.ezln.org.mx) publiziert und
in einer Zeitschrift oder Fanzine oder wie-auch-immer, die in Kürze
auf der weltweiten Welt weltweit erscheinen wird, von zapatistischen
Indigenen herausgegeben und geschrieben. Es wäre für uns eine große
Ehre, wenn auf unserer ersten Ausgabe Euer Wort neben dem unseren
erscheinen würde.

Wie bitte?!

Ja, es wird eine Seite akzeptiert mit einem einzigen Wort, die den
ganzen Platz einnimmt, etwas wie: ,SIE LÜGEN!' oder ein wenig aus-
führlicher: ,Ich würde Ihnen erklären, was Anarchismus ist, wenn ich
dächte, dass Sie es verstehen' oder ,Anarchismus ist unverständlich
für geistige Zwerge' oder ,Die wirklichen Veränderungen erschei-
nen anfangs immer in den Sensationsnachrichten' oder ,Ich pfeife
auf die Gedankenpolizei' oder folgender Ausschnitt aus dem Buch
,Schläge und Gegenschläge' von Miguel Amorós: ,Alle Welt müsste
wissen, dass der Black Bloc keine Organisation ist, sondern eine
Straßenkampftaktik, ähnlich dem ,kale borroka', den eine Gruppe
von Libertären, ,Autonomen' oder Alternativen praktizierte und zwar
seit den Besetzer*innen-Kämpfen der 80er Jahre in diversen deutschen
Städten' und dann so was Ähnliches beifügen wie: ,Wenn Sie was
kritisieren wollen, dann machen Sie vorerst eine gute Recherche. Die
gut formulierte Unwissenheit ist wie die gut ausgedrückte Dumm-
heit: Ebenso unnötig'.

Wie dem auch sei: Ich bin sicher, dass es Euch nicht an Ideen
mangeln wird."


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