(de) FDA-IFA, Gai Dào #36 - Ein Brief von Sophia Kropotkin Von: Sophia Kropotkin / Übersetzung aus dem Jiddischen: Marcel Heinrich

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Wed Jan 15 10:02:32 CET 2014


Der vorliegende Brief erschien am 20. Juli 1923 auf der Titelseite der jiddischen 
Wochenzeitung "Fraye arbeter shtime". Sie war von 1890 bis 1977, mit nur kurzen 
Unterbrechungen, die wichtigste jüdischanarchistische Zeitschrift in jiddischer Sprache 
und wurde auf der ganzen Welt aufmerksam rezipiert. Die Autorin ist Sophia Kropotkin, die 
Frau des zu dieser Zeit bereits verstorbenen anarchistisch-kommunistischen Theoretikers 
Peter Kropotkin. ---- Erst diese Woche habe ich vom Genossen Rocker erfahren, dass das 
Geld, welches er mir vor einiger Zeit schickte, von euch stammt. Das Komitee sendet allen 
einen herzlichen Dank für eure Freundschaft. Seid euch meiner persönlichen und herzlichen 
Anerkennung gewiss. Das von euch gespendete Geld und eine kleine Summe, die wir selbst 
zusammengebracht haben, hat uns die Möglichkeit gegeben, das Haus von außen neu zu 
bepflastern sowie das Dach zu erneuern.

Das Museum sieht jetzt wunderbar schön aus. Wir werden euch ein Bild davon zusen-
den. Als nächstes steht eine Renovierung des ganzen Hauses an,
doch uns fehlen die Mittel dazu. Von den 10 Zimmern in der
ersten Etage, aus denen einmal das Museum bestehen soll, ist
vorläufig nur eines fertig, nämlich der große Saal in dem wir zu-
sammenkommen. Alle übrigen Zimmer sind in dem Zustand, in
dem wir das Haus übergeben bekommen haben, nachdem sich
der militärische Stab daraus zurückgezogen hat.

Die momentanen Lebensbedingungen gestalten sich derart,
dass gesellschaftliche Institutionen nur mit Hilfe von Regie-
rungszuschüssen existieren können. Da wir uns solcher Gelder
jedoch nicht bedienen, entwickeln wir uns nur sehr langsam.
Man hat uns vorgeschlagen zu einer Anstalt der Regierung zu
werden, damit wir die Kosten von der Regierung übernommen
bekommen, doch wir haben das Angebot ausgeschlagen. Durch
die Spende von 300 Dollar aus Amerika konnten wir mit Hilfe
der Kameraden vor Ort diese Frage erledigen. Die nächste Frage
betrifft die Heizung im Museum, damit wir im Winter heizen
können. Die Kosten dafür betragen 200 Dollar.

Ich wende mich an euch, teure Kameraden, damit ihr uns helft
nach dem Sommer in das Haus einziehen zu können und wir
eine neue Heizung einbauen können. Später machen wir eine
Ausstellung über all das, was Peter Alexejewitsch geschaffen
hat. Wir bitten euch uns alles zu zuschicken, was ihr über ihn
veröffentlicht habt, seine Bücher, Broschüren, Vorträge und an-
deres.

Ihr könnt euch nicht vorstellen wie schwer die Arbeit hier ist,
besonders für uns, die wir keine Hilfe von der Regierung erhal-
ten.

Mit genossenschaftlichem Gruß,
Sophia Kropotkin


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