(de) FDA-IFA, Gai Dào #36 - Zeit für Plan A -- Ein persönlicher Eindruck Von: Frank Tenkterer

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Sat Jan 11 11:18:36 CET 2014


Im Oktober 2013 startete die noch junge "Anarchistische FöderIm Oktober 2013 startete die 
noch junge "Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr" (AFRR) mit einer ambitionierten Kampagne 
ordentlich durch. Innerhalb von drei Monaten sollten in 13 unterschiedlichen 
Veranstaltungsräumen in 11 verschiedenen Städten des Rhein-/Ruhrgebietes 21 verschiedene 
(!) Veranstaltungen stattfinden. Jetzt, nachdem gut zwei Monate vorbei sind, möchte ich 
eine kleine persönliche Zwischenbilanz ziehen. Dabei bin ich nicht an der Organisation 
beteiligt gewesen, sondern habe nur die Kampagne verfolgt und so viele Veranstaltungen
wie mir irgend möglich war besucht. ---- Der Auftakt - oder "ein schlechtes Omen" ---- Die 
Auftaktparty zur Kampagne, frei nach dem Motto "Wenn ich nicht tanzen kann, ist es nicht 
meine Revolution", das man gemeinhin Emma Goldman zuschreibt, stand unter keinem guten Stern.

Die Queer-Hip-Hop Sängerin Sookee aus Berlin muss-
te leider wegen Krankheit sehr kurzfristig absagen. Eine ganze
Reihe meiner Freund*innen nahmen das zum Anlass, sich den
Weg ins AZ Mülheim zu ersparen.

Nun - wie sich herausstellen sollte war das ein grober Fehler.
Die Organisator*innen des "Plan A" hatten ganz offensichtlich
einen "Plan B", eine hohe Flexibilität und/oder willkommene
Hilfe. Es gelang ihnen nämlich kurzfristig Ersatz zu organisie-
ren - der Rapper Gutmensch kam extra aus Mainz angereist. Er-
freulich für mich war es zu sehen, dass die Leute, die da waren,
ganz offensichtlich nicht nur wegen der Party da waren. Am
Stand der AFRR war durchgängig reger Betrieb. Und so konnte
ich getreu meinem Motto "Wenn ich nicht revoltieren kann, ist
es nicht mein Tanz" den Abend genießen.

Die Veranstaltungen, die ich in den darauf folgenden Wochen
besuchten konnte, waren durch die Bank weg gut besucht. Er-
staunlich auch, die Bereitschaft zur Diskussion und das anhal-
tende Interesse an der AFRR. So schien es mir, dass sich immer
wieder Leute mit dem Wunsch nach mehr Kontakt an die je-
weiligen lokalen Organisator*innen gewendet haben. Falls mein
Eindruck richtig ist, sollten wir in den nächsten Monaten das
vielleicht langsame, aber doch sicher beeindruckende Wachs-
tum der Bewegung in dieser Region beobachten können.

Die Veranstaltungen

Leider konnte ich bei weitem nicht alle oder auch nur all die
Veranstaltungen, die ich gerne besucht hätte, auch tatsächlich
besuchen. Ihr, die ihr nicht dabei wart, bekommt also nur einen
kleinen und sehr unvollständigen Überblick. Und denjenigen
unter euch, die die Gelegenheit gehabt hätten, die eine oder an-
dere Veranstaltung zu besuchen - euch lasst gesagt sein, dass
ihr etwas verpasst habt, das ihr in dieser Form auch nie werdet
nachholen können! Aber noch habt ihr ja die Gelegenheit im
Dezember euch durch nasskaltes Wetter zu der einen oder ande-
ren Veranstaltung zu tragen.

In Düsseldorf besuchte ich die Veranstaltung "Wer sich nicht
wehrt, der lebt verkehrt. Eine Einführung in den Anarcho-
Syndikalismus". Das Solaris scheint die lokale Basis der anar-
chistischen Bewegung der Landeshauptstadt zu sein. Das Lo-
kal ist nicht besonders groß, dafür aber verkehrstechnisch sehr
gut gelegen. Auch sonst bietet der Laden eine Atmosphäre zum
wohlfühlen. Der Vortrag selbst gab einen sehr guten Einblick,
einerseits in die Geschichte des Anarcho-Syndikalismus in
Deutschland und andererseits auch einen detaillierten Über-
blick über die Funktionsweise und die Aktivitäten der heutigen
FAU. Spannend war auch die anschließende Diskussion. So wur-
den die Fragen nach Doppelmitgliedschaften (FAU und Ver.di),
Parteizugehörigkeiten (darf ich als Linksparteimitglied in die
FAU eintreten) ebenso gestellt und beantwortet wie die Frage
nach der Beteiligung an Betriebsräten und der eigenen Streik-
fähigkeit.

Im linken Buchladen Taranta Babu konnte ich mich bei der Ver-
anstaltung "Städte für Menschen - nicht für den Profit" über
Hintergründe der Verdrängung informieren. Diese Veranstal-
tung war natürlich höchst aktuell. Schreitet doch die Gentri-
fizierung aller Orten weiter und wird Widerstand leider immer
dringender zu einer Notwendigkeit!

Im Wuppertaler Autonomen Zentrum wurde der Organisati-
onsansatz der "Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen"
vorgestellt. Meiner Meinung nach waren erstaunlich viele Men-
schen bei diesem Vortrag mit anschließender Diskussion, ist
doch gerade die anarchistische Bewegung in Wuppertal stark
durchzogen von einer gewissen Unlust sich formal zu organi-
sieren.

Ganz aus dem Rahmen fiel die Veranstaltung "black cat blues"
in Bochum mit Hans Marchetto aus der Schweiz, und zwar im
doppelten Sinne. Zuerst einmal, weil es eine der wenigen Ver-
anstaltungen war, die weder als eine Filmvorführung noch als
klassischer, politischer Vortrag mit anschließender Diskussion
angekündigt wurde, sondern als eine literarische Lesung von
Gedichten. Zum zweiten, weil es keine klassische literarische
Lesung von Gedichten war. Vielmehr hat Hans aus seinem
Leben als Arbeiter und Kind von Arbeiter*innen, als Gewerk-
schaftsaktivist, als Anarchist und immer aktiver Klassenkämp-
fer erzählt. Dabei haben wir nicht nur so manche Anekdote aus
seinem reichhaltigem Leben zu hören bekommen, sondern auch
etwas über die Geschichte der Arbeiterbewegung und der anar-
chistischen Bewegung der Schweiz. Seine Gedichte waren dann
wie kleine Sahnehäubchen auf den Torten seiner Erzählungen.
Allerdings zeigte sich auch ein gewisser "Konflikt", der nichts
mit unterschiedlichen Generationen zu tun hat, sondern eher et-
was damit, zu welchem Teil der anarchistischen Bewegung man
sich selbst hinzurechnet. So war vielen, die sich nur sehr wenig
und/oder sehr einseitig für den Arbeiterbewegungsanarchis-
mus interessieren, nicht von Anfang an klar, wofür die "black
cat" steht, oder die "rote Karte", wer die Wobblies sind oder wer
Utha Phillips war. Aber Hans, der es vielen Gesichtern ansehen
konnte, dass die dazugehörigen Menschen mit diesen Namen
und Begriffen nichts anfangen konnten, hat alles erklärt, so das
auch diese, nicht nur einen kurzweiligen, sondern auch noch
lehrreichen Abend im Alsenwohnzimmer verbracht haben.

Ausblick auf Kommendes

Die Kampagne "Zeit für Plan A" wird im Dezember einen
hoffentlich nur vorläufigen Abschluss finden. Neben Vorträ-
gen zur anarchistischen Lokalgeschichte in Dortmund und
zur aktuellen Situation in Griechenland dürft ihr euch un-
ter anderem noch auf den Film "Lucio Urtubia - Anarchist
und Maurer" freuen. Dieser soll nicht nur angeschaut wer-
den, sondern im Anschluss auch diskutiert werden. Und so-
viel sei verraten: Der Film lohnt sich auf jeden Fall gese-
hen zu werden und Stoff zur Diskussion bietet er allemal!
Der Höhepunkt im Dezember wird aber sicher das "Anarchis-
tische Organisierungstreffen" am 14.12.2013 um 14:30 Uhr im
Bahnhof Langendreer, Wallbaumweg 108, 44894 Bochum. Dort-
hin sind alle, die sich "anarchistisch organisieren" wollen, mehr
als herzlich eingeladen. Ich bin gespannt und hoffe das mög-
lichst viele, seien sie nun vorher auf irgendeiner Veranstaltung
der Kampagne "Zeit für Plan A" gewesen oder nicht, dort sein
und die organisierte Anarchie einen Schritt weiter nach vorne
bringen werden.


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