(de) FAU Bielefeld: Lohn erfolgreich eingeklagt -- Kollege bekommt ausstehendes Geld

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Sat Jan 11 11:09:10 CET 2014


Leider, muss man sagen, eine gängige Praxis in der deutschen Arbeitswelt, gerade 
migrantischen Arbeitskräften, die sich nur vorübergehend in Deutschland aufhalten, um 
ihren Lohn (oder Teile davon) zu betrügen, in dem Vertrauen, dass diese nicht die Mittel 
und Möglichkeiten haben, sich gegen diese Lohnprellerei effektiv zur Wehr zu setzen.
Dieses Vorgehen wird durch die Arbeitsgerichte teilweise nach Kräften begünstigt, durch 
umständliche und langwierige juristische Prozeduren, die nicht nur die Nerven 
strapazieren, sondern es fast unmöglich machen, ohne Rechtsbeistand auszukommen. Gänzlich 
kompliziert wird es, wenn noch die Übersetzungsproblematik hinzukommt, weil die 
Betroffenen wenig oder gar kein Deutsch sprechen.

In unserem Fall war es ein polnischer Kollege, der für eine Leihfirma im westfälischen 
Sendenhorst arbeitete und dem der Lohn für seinen letzten Arbeitsmonat vorenthalten wurde. 
Offenbar vertraute man darauf, dass er von Polen aus und mit geringen deutschen 
Sprachkenntnissen kaum dagegen vorgehen würde. Dass er einen engagierten deutschen Freund 
besaß, der zuverlässig dolmetschte, und die FAU Bielefeld sich ,,vor Ort" um die Sache 
kümmerte, darf man wohl eher als glückliche Ausnahme ansehen.
Und selbst dann: viel im Grunde überflüssiger Schriftverkehr war nötig, die Einreichung 
einer Zahlungsklage, bevor nach einem knappen Jahr und mehreren geplatzten Terminen die 
beklagte Firma schließlich vor dem Arbeitsgericht zur Zahlung des ausstehenden Geldes 
verurteilt wurde. Und damit nicht genug: erst nach der ultimativen Drohung mit dem 
Gerichtsvollzieher ließ sich die Firma dazu herab, auch wirklich zu zahlen.
Die Freude ist gleichwohl gedämpft, denn eigentlich ist es traurig, dass man es schon als 
großen Erfolg werten muss, einen ausstehenden Lohn eingeklagt zu haben. Welch ein Aufwand 
für ein vergleichsweise bescheidenes Resultat - von der moralischen Dimension einmal 
abgesehen. Und wie hoch ist die Dunkelziffer der Fälle, in denen die Lohnpreller mit ihren 
Praktiken durchkommen?


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