(de) FDA-IFA, Gai Dào #36 - Skizzen für die Aktion -- Ein Organisationsvorschlag von GLAD Von: Grupo Libertario Acción Directa (GLAD, Madrid) / Übersetzung: jt (afb)

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Tue Jan 7 15:49:43 CET 2014


A) Einführung. ---- GLAD ist eine anarchistische Affinitätsgruppe. Wer an ihr teilnehmen 
möchte, muss sich daher zunächst einmal als Anarchist*in begreifen. Darüber hinaus gilt 
es, mit den anderen Gruppenmitgliedern eine persönliche und ideologische Affinität zu 
teilen. ---- B) Affinität. ---- 1. Unter Affinität verstehen wir nicht ideologische 
Uniformität, sondern eine ähnliche Haltung, was anarchistische Ideen und Praxen angeht. Es 
geht nicht darum, dass alle gleich denken oder in allem übereinstimmen, sondern darum, die 
Teilnahme an der Gruppe und der gesamten anarchistischen Bewegung in verantwortlicher, 
engagierter und entschiedener Weise ebenso wie in offener und direkter Weise anzugehen. 
Ohne Dogmatismen oder Passivität.

2. Für die Affinität bedarf es allerdings einiger gemeinsamer
Mindestanforderungen. Zunächst einmal ist es von besonde-
rer Wichtigkeit, dass alle der Meinung sind, dass es besser ist,
sich in einer Affinitätsgruppe zu organisieren denn alleine! Auf
diese Weise können nicht enden wollende Debatten über Basic-
Themen sowie spätere Missverständnisse vermieden werden.

3. Bei GLAD haben wir keine gemeinsamen Mindestgrundsätze.
Allerdings bieten die im Folgenden ausgeführten Punkte einen
generellen Bezugsrahmen für die Gruppe und für die angestreb-
te Haltung der Aktiven.

C) Mitgliedschaft.

1. Um die Affinität sicherzustellen, ist eine Mitgliedschaft bei
GLAD nur nach Einladung möglich. Üblicherweise erfolgt die-
se, wenn bereits eine Beziehung der Kooperation und des Ver-
trauens besteht.

2. Wer die Einladung annimmt, ist vom ersten Moment an den
anderen Mitgliedern der Gruppe gleichgestellt.

3. Es ist völlig normal, dass das Ausmaß des Engagements bzw.
der Beteiligung von persönlichen und politischen Umständen
der Einzelnen abhängt.

4. Es wird aber von allen Mitgliedern erwartet, dass die Akti-
vität sich an den Konzepten der Gruppe ausrichtet. Jede anar-
chistische Organisierung, die auf jede Art von Zwang verzich-
ten möchte, muss notwendigerweise auf einem Mindestmaß an
freier, individueller und kollektiver Verantwortung basieren.

5. Diese individuelle Haltung der Mitglieder soll ein Spiegel-
bild dafür sein, was GLAD als Gruppe, der libertären Bewe-
gung gegenüber, als Konzept vorschlägt.

D) Anarchismus.

1. GLAD tritt für keine spezifische Strömung des Anarchismus
konkret ein, was sie automatisch zu einer synthetistischen
Gruppe macht. Was wir allerdings teilen, ist die Idee eines or-
ganisierten Anarchismus, der sozial und revolutionär ausge-
richtet ist und der eine Aktivität und Haltung im Einklang mit
den Zielen von Freiheit und Solidarität entwickelt.

E) Organisierung.

1. Zuallererst sind wir der Meinung, dass politische Aktivität
sehr viel effizienter vonstatten geht, wenn wir sie im Rahmen
einer Gruppe ausüben, weil die Kombination individueller An-
strengungen sich dadurch potenziert.

2. Darüber hinaus denken wir aber auch, dass das Fehlen kla-
rer und aller bekannter Strukturen die Funktionsweise der
Gruppe verschleiert und die Entwicklung informeller Hierar-
chien befördert. Daher sehen wir es als unabdinglich an, dass
die Entscheidungsfindung transparent und allen in gleicher
Weise zugänglich ist.

3. Weiterhin kann das Fehlen einer regelmäßigen Koordina-
tion zwischen den verschiedenen libertären Gruppen die ge-
meinsame Wirkung schmälern, was, unserer Meinung nach,
das Voranschreiten in Richtung unserer gemeinsamen Ziele
verhindert.

4. Es ist allerdings in keinem Fall annehmbar, dass unter dem
Vorwand einer größeren sozialen Wirkung, parteienförmige,
bürokratische oder anderweitig hierarchische Organisations-
formen entwickelt oder eingeführt werden.

5. Im Gegenteil sind wir der Meinung, dass anarchistische
Organisierung nur auf Grundlage der freien Beteiligung der
untereinander koordinierten Einzelpersonen oder Gruppen,
die auf Grundlage gemeinsamer Ziele zusammenarbeiten, um
diese zu erreichen. Die gemeinsamen Anstrengungen sollen
potenziert werden, ohne dass dadurch die Initiative jeder ein-
zelnen Person eingeschränkt wird.

F) Soziale Ausrichtung.

1. Wir gehen davon aus, dass damit der Anarchismus zu einem
effizienten Mittel für eine echte und kollektive Transformation
der Gesellschaft sein kann, dieser nicht abseits seiner eigenen
Umgebung stehenbleiben kann. Aus dieser Perspektive ergibt
sich, dass es notwendig wird, eine soziale Ausrichtung einzu-
nehmen, woraus sich wiederum eine Reihe von Konsequenzen
ergeben.


2. Ebenso wie wir es ablehnen, uns selbstzufrieden im eigenen
Ghetto einzurichten, möchten wir auch nicht im Elfenbein-
turm verweilen . Es geht um den Aufbau einer kollektiv und
allgemein ausgerichteten revolutionären Bewegung.

3. Diese soziale Ausrichtung erhält der Anarchismus dann,
wenn:

o selbst-referentielle Vorschläge vermieden werden

o Dynamiken angestrebt werden, die eine brei-
  te und allgemeine Beteiligung fördern

o die konkreten Problemstellungen der aktuel-
  len historischen und sozialen Situation ange-
  sprochen und sich zu eigen gemacht werden

o intellektuelle Modeerscheinungen, unüberlegte Aktionen,
  die Eins-zu-Eins-Kopie bereits erprobter Modelle, die Wie-
  derholung von Klischees oder die Militanz als Automatis-
  mus vermieden werden

G) Revolutionäre Ausrichtung.

  1. Auch wenn dies unnötig erscheinen mag, möchten wir beto-
  nen, dass unser Anarchismus revolutionär ausgerichtet ist. Der
soziale Wandel, den GLAD anstrebt, kann nur mittels einer
  sozialen und kollektiven Revolution erreicht werden. Obwohl
  dieses Ziel in einer fernen Zukunft liegen mag, verzichten wir
keinesfalls auf diese Ausrichtung, die als Grundlage der kurz-,
  mittel- und langfristigen Aktionen der Gruppe dient.

  2. Wir verstehen diese revolutionäre Veränderung als notwen-
  digerweise letzten Schritt eines Prozesses zum Aufbau einer
  revolutionären Bewegung. Unnötig zu sagen, dass dies etwas
  völlig anderes ist als die Eroberung der Macht - auf welcher
  Weise auch immer - oder der Einrichtung einer Diktatur.

3. Im Gegenteil sehen wir den Aufbau einer revolutionären
Bewegung als eine kollektiven und schrittweisen Prozess der
dezentralen Schaffung von praktischen und theoretischen In-
itiativen. Diese sollen dann nach und nach Skizzen zum anzu-
strebenden Gesellschaftsmodell entwickeln, mitsamt aller An-
passungen, die zu seiner Realisierung notwendig sein werden.

4. Das heißt: Die Schaffung von sozialen Organisationen,
Stadtteilversammlungen, selbstverwalteten Betrieben für Pro-
duktion und Konsumption, libertären Zentren, Gruppen für
Theorie, Bildung und Planung, die auf Grundlage der freien
Vereinbarung mit einander vernetzt sind und an einem anti-
kapitalistischen und antihierarchischen Ziel ausgerichtet sind,
stellt die revolutionäre Bewegung an sich dar.

5. Sinnvoll wäre es, wenn all diese Initiativen mit dem Be-
wusstsein geschaffen werden, anfängliche Formen der schließ-
lich anzustrebenden Organisationsformen zu sein, die Staat
und Kapital auf allen Ebenen ersetzen sollen.

6. Unter diesem Prozess verstehen wir:
Die politischen und produktiven Strukturen aufzubauen, die
schließlich diejenigen des Kapitalismus und des Staats erset-
zen sollen.

o Die Fähigkeit zu haben, diese schrittweise anzupassen,
  um auf auftauchende Probleme reagieren zu können.

o Die Selbstverwaltung auf allen Ebenen in prak-
  tischer und unmittelbarer Weise umzusetzen.

o Bereits im Vorhinein zu definieren und zu planen,
  wie die Einführung und Weiterentwicklung selbst-
  verwalteter Strukturen nach dem Verschwinden
  von Kapitalismus und Staat funktionieren können.

o Ein praktisches Modell vorzuschla-
  gen, das eine alternative Lösung zur staatli-
  chen und kapitalistischen Dynamik bereithält.

o Strukturelle Dynamiken zu entwickeln, die es anderen,
  interessierten Personen ermöglichen hinzuzukommen.

o Die Subsistenz jenseits der Strukturen des kapitalisti-
  schen Systems in immer größerem Maße zu fördern.

o Neue Formen der Beziehung und Zusammenar-
  beit zwischen den Menschen zu entwickeln und eine
  selbstverwaltete und solidarischen Kultur entfalten.

o Das Feld der Theorie zu überwinden und gleichzeitig aus
der Praxis neue Elemente für die theoretische Analyse zu
gewinnen.
7. So verstanden, ist der Aufbau der revolutionären Bewegung
ununterscheidbar von der Revolution selbst, weil der Prozess
der Generierung solcher Strukturen bereits den sozialen Wan-
del darstellt, und zwar ganz konkret und praktisch, den wir
anstreben.

8. Die soziale Revolution ausschließlich mit einem bewaffneten
und gewaltsamen Sieg über den Staat oder die Institutionen
des kapitalistischen Systems gleichzusetzen, ist für uns eine
allzu simplistische Analyse.

9. Wir hegen keinen Zweifel, dass ein solcher Moment kommen
wird, da die Privilegierten der sozialen Hierarchie und ihre
Handlanger*innen sicher Widerstand leisten werden, aber da-
bei wird es sich lediglich um die letzte und relativ kurze Etappe
auf dem langen Weg des Aufbaus eines revolutionären Prozes-
ses handeln. Das konstruktive Element geht dem destruktiven
voraus und ist gleichzeitig mit diesem vorhanden.

H) Ziele.

1. Dieses Konzept eines revolutionären Prozesses definiert be-
reits das von GLAD vorgeschlagene Engagement, da beides
sich zu jeder Zeit an den gesetzten Zielen auszurichten hat.

2. Aufgrund der aktuellen Situation der Gesellschaft im Allge-
  meinen und der libertären Bewegung im Besonderen, ist der
  Aufbau der revolutionären Bewegung die wichtigste Aufgabe
  für unsere Affinitätsgruppe.

  3. Aus dieser Perspektive heraus sollten sich das individuelle
und kollektive Engagement bewusst auf dieses Ziel ausrichten.
Zu diesem Zweck bemühen wir uns:

o Die gemeinsame und koordinierte Arbeit zwischen li-
bertären Gruppen, aber auch mit anderen revolutionä-
ren Strukturen, wie den zuvor erwähnten, zu fördern.

o Eine konstruktive, verantwortliche und solida-
rische Grundhaltung unter den Leuten in der li-
bertären Bewegung zu fördern, auf deren Grund-
lage die Schaffung der revolutionären Bewegung
in aufrichtiger Weise angegangen werden kann.

o In kollektiver Weise eine langfristige Strategie dafür
zu entwickeln, wie wir bei diesem Prozess voranschrei-
ten können. Dabei möchten wir es vermeiden, in reflex-
hafte Muster symbolischer Proteste zu verfallen, die
hauptsächlich von der Agenda der institutionellen wirt-
schaftlichen und politischen Macht bestimmt werden.

o Auf den Rückzug in das Ghetto zu verzichten sowie auf
selbstreferentielle Aktivitäten, die losgelöst sind von der
aktuellen sozialen Situation des Alltags.

o Dynamiken zu generieren oder dazu beizutragen, die es
ermöglichen, dass eine möglichst große Anzahl an Per-
sonen mit relativer Leichtigkeit sich den libertären und
revolutionären Bewegungen anschließen kann.

o Die libertäre Präsenz in die verschiedenen sozialen Felder
zu tragen und dabei die am besten geeigneten Formen zu
entwickeln: in die Stadtviertel, Arbeitsplätze, Orte des
Konsums, der Freizeit, politisch, kulturell usw.

o In diesem Sinne legt GLAD seinen Fokus auf die Propa-
ganda und die anarchistische Organisierungstätigkeit in
den Stadtvierteln, um die Schaffung neuer (lokaler) Affi-
nitätsgruppen.

I) Politisches Engagement.

Wie bereits ausgeführt, sollte das politische Engagement sich
konsequent an den gesetzten Zielen ausrichten, weshalb sich
dieses für uns folgendermaßen definiert:

1. Es sollte selbstorganisiertin sein, sowohl ökonomisch als auch
in allen anderen Aspekten.


o Dabei sollte vermieden werden, Struktu-
  ren zu unterstützen, aktiv daran teilzuneh-
  men oder anderweitig zu fördern, die der Schaf-
  fung der revolutionären Bewegung entgegenstehen.

o Die Mitglieder sollten sich aktiv, im Rahmen ihrer
Möglichkeiten, am Aufbau und der Organisierung der
Strukturen der revolutionären Bewegung beteiligen.

o Aus unserer Sicht ist die Teilnahme von Mitgliedern von
GLAD an sozialen Zentren, Produktions- oder Konsumko-
operativen usw. Teil des politischen Engagements.

2. Die Mitglieder von GLAD identifizieren sich, auf individu-
eller Ebene, mit dieser Vorstellung eines umfassenden Engage-
ments. D.h., sie bemühen sich darum, die anarchistischen Ide-
en in allen Bereichen ihres Lebens einzubringen: im sozialen,
kollektiven und persönlichen Bereich.

3. Aus dieser umfassenden Perspektive heraus sind die Wei-
terbildung, das physische Training, die Beteiligung und Vor-
bereitung auf allen Gebieten, das kollektive Lernen usw. alles
Bestandteile des politischen Engagements, die auf eine Vorbe-
reitung im Hinblick auf den Aufbau der revolutionären Bewe-
gung abzielen.

4. Natürlich unterliegt diese umfassende Idee eines politischen
Engagements den üblichen Widersprüchen, die uns das kapita-
listische und hierarchische System auferlegt, in dem wir leben.
Diese Widersprüche sollten wir für jeden einzelnen Fall per-
sönlich und individuell aushandeln.

5. Daher gibt es keine Mindestanforderungen an das politische
  Engagement, oder an der Beteiligung am Kollektiv, da dieses
  unweigerlich je nach den persönlichen Umständen, aktueller
  zeitlicher Verfügbarkeit, die bestimmte Aufgabe usw. variie-
ren wird. Allerdings erwarten wir von allen, dass die freiwil-
  lig und selbständig eingegangenen Verpflichtungen als Teil der
  kollektiven und individuellen Verantwortung auch entspre-
  chend realisiert werden.

  6. Die Aktivität von GLAD als Gruppe basiert auf den indivi-
  duellen Beiträgen ihrer Mitglieder. In diesem Sinne fungiert
  sie nach dem Konzept der Unterstützung. Jede Person kann
sich persönlich einbringen, falls sie das möchte, oder be-
  stimmte Tätigkeiten auf dem Treffen als Gruppenaktivitäten
  vorschlagen.

  J) Direkte Aktion.

1. Alle bisherigen Punkte laufen nach dem Verständnis von
GLAD im Prinzip der direkten Aktion zusammen.

2. Unter direkter Aktion verstehen wir jene Interventionen,
die von den betroffenen Personen oder jeglichen Beteiligten an
sozialen, wirtschaftlichen, politischen Situationen oder Bezie-
hungen genutzt werden, um diese auf direkte Weise zu lösen,
ohne Zuhilfenahme von Mittler*innen jeglicher Art.

3. So verstanden, ist die direkte Aktion ein Prinzip und eine
Methode, nicht eine Anreihung konkreter Ereignisse. Ihre
Anwendung kann in jedem einzelnen Fall zu einer Reihe von
Aktionen führen, die so unterschiedlich ausfallen können, wie
die Antworten der betroffenen Personen sein können.

4. Daher gibt es keine Aktionsform, die an sich bereits direkt
sei. Das ist stets von den Umständen der Anwendung und von
den Akteur*innen abhängig, von denen sie ausgeht.

  5. Im Gegenteil: Jede Aktion, die durch Mittler*innen,
  Repräsentant*innen, Avantgarde-Akteur*innen oder externen
  Gruppen umgesetzt wird, ist delegiert und nicht direkt.

  6. Unnötig zu sagen, dass die aktuellen Modelle demokrati-
  scher und gewerkschaftlicher Repräsentanz der direkten Ak-
  tion entgegenstehen. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass
  GLAD sich gegen die parlamentarische Demokratie stellt und
die Kooperation mit jeglichen ihrer Teilnehmer*innen ablehnt.
  GLAD - Grupo Libertario Acción Directa
  Madrid, Sommer 2013

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  Kontakt: glad at riseup.net
  Web: grupolibertarioacciondirecta.wordpress.com
  Quelle: http://estudioslibertarios.wordpress.com/2013/06/26/esbo-
  zos-para-la-accion-nuestra-propuesta-organizativa/


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