(de) FdA-IFA - Soliaktion für Initiative der Gefangenengewerkschaft
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Tue Aug 19 14:17:59 CEST 2014
Übernommmen von Indymedia Linksunten https://linksunten.indymedia.org/de/node/120610 Knapp
40 Kolleg*innen sind am 14. August dem Aufruf des Klassenkämpferischen Blocks zur
Kundgebung vor dem Gebäude des Berliner Justizsenats gefolgt und haben mit ihrer
Anwesenheit die Initiative der Gefangenengewerkschaft unterstützt. Von den
Veranstalter*innen wurden verschiedene Solidaritätserklärungen sowie ein Grußwort des
Sprechers der Gefangenen-Gewerkschaft/Bundesweite Organisation (GG/BO) verlesen. Im
Mittelpunkt stand die Forderung, dass im Knast, in dem die Pflicht zur Arbeit besteht,
auch Gewerkschaftsrechte gelten müssen. ---- Im Mai dieses Jahres hatten Gefangene der JVA
Tegel die Gefangenengewerkschaft gegründet. Mittlerweile haben sich weitere
Gewerkschaftsgruppen in den JVA Berlin-Plötzensee, Willich, Aschaffenburg und Dresden
gegründet. Auch in den teilprivatisierten Knast in Burg bei Magdeburg gibt es Kontakte.
Vor wenigen Tagen kam zudem unter dem Titel Outbreak (Ausbruch) die erste Ausgabe der
Zeitung der Gefangenengewerkschaft heraus.
Die Forderungen der Gefangenengewerkschaft, ein Mindestlohn für die Arbeit auch im
Gefängnis und die Einbeziehung in die Rentenversicherung stoßen bei den Gefangenen auf
Zustimmung. Gar nicht erfreut über die gewerkschaftliche Organisierung im Knast ist
hingegen der Berliner Justizsenator Thomas Heilmann. Sein Sprecher erklärte als Antwort
auf eine Kleine Anfrage von Abgeordneten der Linkspartei und der Grünen im Berliner
Abgeordnetenhaus: ,,Der Senat beabsichtigt nicht, Insassen der Justizvollzugsanstalten
entsprechend einem gesetzlichen Mindestlohn zu vergüten". Deren Arbeit und Entlohnung sei
nicht mit der Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt vergleichbar, so die Begründung.
Mit der Kundgebung machten die Kolleg*innen deutlich, dass für sie die Gewerkschaftsrechte
natürlich auch im Knast gelten. Anwesend waren Kolleg*innen verschiedener Gewerkschaften:
der der Freien Arbeiter*innen Union (FAU) und der Anarchosyndikalistischen Jugend (ASJ),
aber auch Kolleg*innen vom Erwerbslosenausschuss der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di
Berlin. In einer Solidaritätserklärung schrieben sie: ,, (...) wir, die Mitglieder des
Erwerbslosenausschusses in ver.di Berlin begrüßen und unterstützen die Initiative der
Gefangenen. Euer Kampf um die Beseitigung weiterer Ausnahmen im Mindestlohngesetz und für
die Abführung von Rentenversicherungsbeiträgen findet unsere Zustimmung. (...) Konkrete
Angebote zu einer vertieften Zusammenarbeit können und werden wir euch nach der Klärung
der Rahmenbedingungen bei ver.di machen...)"
Auch die Organisation Erwerbslos in Berlin erklärte sich mit der Gefangenengewerkschaft
solidarisch Sie schrieben in ihrer Erklärung: ,,Als Zusammenschluss gewerkschaftlich
organisierter Erwerbsloser ist die Solidarität mit den Gefangenen und ihren Forderungen
für uns selbstverständlich. Wir können nicht auf einen Mindestlohn ohne Ausnahmen hoffen,
wenn wir es dulden, dass der Mindestlohn anderen vorenthalten wird. Schon deswegen
unterstützen wir die Forderung der Gefangenen nach dem Mindestlohn auch für Gefangene. Wir
können auch nicht hoffen, die volle Koalitionsfreiheit außerhalb ritualisierter
Tarifauseinandersetzungen zu erreichen, wenn wir es dulden, dass anderen die Gründung
einer Gewerkschaft überhaupt verwehrt wird."
Damit machten die Kolleg*innen deutlich, dass die Solidarität mit der
Gefangenengewerkschaft auch ein Kampf für ihre eigenen Rechte ist. Dass sahen auch
Mitglieder von Behindertenorganisationen so, die betonten, dass Beschäftigten der
Behindertenwerkstätten ebenfalls ihr Status als Lohnabhängige nicht anerkannt wird. Auch
sie haben dann keine Gewerkschaftsrechte. In einer ähnlichen Situation sind auch
Beschäftigte in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Sie erkennen, dass die Entrechtung mit
besonders stigmatisierten Gruppen wie Gefangenen oder auch Flüchtlingen beginnt und dann
auf andere Teile der Gesellschaft ausgedehnt wird. Daher ist es wichtig, sich nicht von
diesen Gruppen abzugrenzen sondern mit ihnen gemeinsam für die gewerkschaftlichen Rechte
zu kämpfen. Dass war das Signal der Kundgebung am Donnerstag.
Der Sprecher der Gefangenengewerkschaft/Bundesweite Organisation Oliver Rast brachte es in
seiner Grußadresse am Donnerstag auf den Punkt: ,,Die heutige Kundgebung vor dem
Dienstsitz des Justizsenators Heilmann (CDU) stellt ein Novum dar. Erstmals wird vor einer
Berliner Einrichtung der Justizverwaltung für die vollen Gewerkschaftsrechte auch hinter
Gittern demonstriert." Selbstkritische Töne kamen vom Bundesvorstand der Roten Hilfe, die
in ihrer Erklärung auf der Kundgebung feststellte: ,,Arbeitskampfthemen beziehungsweise
gewerkschaftliche Aspekte im Knast selbst waren dabei in der bisherigen Tätigkeit jedoch
weniger präsent - im Gegensatz dazu steht die eigentlich sehr hohe Bedeutung und ganz
unmittelbare Nähe der Fragen von Lohnarbeit, Entlohnung und Organisierung für die
Gefangenen in der BRD. Umso erfreuter ist der Bundesvorstand der Roten Hilfe e.V. über die
Initiative von Inhaftierten der Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel, die im Mai dieses
Jahres nun eine Gefangenengewerkschaft gegründet haben".
Die Kundgebung am 14.8.2014 war die erste öffentliche Unterstützung aber sicher nicht die
letzte. Jetzt werden wir beobachten, ob alle Gefangenen die gerade fertiggestellte erste
Zeitung der Gefangenengewerkschaft Outbreak problemlos erhalten, oder ob es weitere
Behinderungen seitens der Behörden gibt. Mit Zuversicht sehen wir der Zeit entgegen, wo
die Gewerkschaft konkrete Schritte zur Durchsetzung ihrer Forderungen, Mindestlohn für
alle Gefangenen und Einbeziehung in die Rentenversicherung unternimmt. Es gibt viele Orte,
wo wir die Solidarität mit der Gefangenengewerkschaft ausdrücken können, der Berliner
Justizsenat war erst der Anfang.
www.klassenkampfblock.blogsport.de
www.gefangenengewerkschaft.de"
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