(de) FAU-IAA - Direct Action #224 - Der große Bruder schaut dich an. Kontrolle, Überwachung, Einschüchterung
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Thu Aug 14 06:53:11 CEST 2014
DER VERFASSUNGSSCHUTZ BERICHTET ---- Zur Zeit ist der neueste Verf assungsschutzbericht in
den Medien präsent. Wie auch in den letzten Jahren wird über eine Steigerung
extremistischer Gewalttaten berichtet. Nichts Neues also. Interessant ist aber die Art der
Informationsgewinnung; Wie kürzlich bekannt wurde, kooperiert der deutsche
Verfassungsschutz eng mit den US-Behörden CIA und FBI, um an Daten zu gelangen. So hat
sich die Anzahl der Fälle mit geheimdienstlich erworbenem und an die US-Behörden
weitergegebenem Wissen in den letzten vier Jahren verfünffacht, im letzten Jahr waren es
über 1.100 Anfragen, im ersten Quartal 2014 bereits 400. Ein Ausgleich der
Informationsgewinnung wird dadurch geschaffen, dass auch die US-Geheimdienste Daten in
ähnlichem Umfang an den Verfassungsschutz weitergeben.Übrigens: Während im Jahr 2011 die
FAU noch recht ausführlich vorgestellt und im Jahr darauf nur noch am Rande erwähnt wurde,
erwähnte der aktuelle Verfassungsschutzbericht zu 2013 die anarchosyndikalistische
Gewerkschaft gar nicht mehr.
NIEDERSÄCHSISCHER VERFASSUNGSSCHUTZ MUSS DATEN LÖSCHEN
Nachdem entdeckt wurde, dass der niedersächsische Verfassungsschutz Daten von
,,publizistisch und journalistisch tätigen Personen", vor allem solchen, welche sich mit
Rechtsextremismus beschäftigen, sowie die eines Anwalts und MitarbeiterInnen der Grünen
und der Linkspartei unzulässig speicherte, wurde eine Task Force eingerichtet. Ende Juni
wurde der Abschlussbericht vorgestellt. Die Task Force überprüfte rund 9.000 Akten und kam
zu dem Ergebnis, dass 20% dieser personenbezogenen Datensätze bereits vor längerer Zeit
und weitere 20% hätten schnell gelöscht werden müssen da sie für die Aufgabenerfüllung des
Geheimdienstes gar nicht benötigt werden. Die Unabhängigkeit der Task Force ist
zweifelhaft: So war die Vorsitzende Martina Schaffer, die Vizepräsidentin des
Niedersächsischen Verfassungsschutzes, daneben bestand die Arbeitsgruppe aus einem
ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten, einem LKA-Beamten und Mitarbeitern des
Innenministeriums, während der Vertreter des Landesbeauftragten für Datenschutz eine bloß
beratende Funktion inne hatte. Atomkraftgegner beklagten seit Jahren die Beobachtung durch
den VS, waren mit ihren Datenschutzklagen aber selten erfolgreich, da so lange keine
Auskunft erteilt wird, wie die Personen unter Beobachtung stehen. Zudem wurde bekannt,
dass die Polizei persönliche Daten über VersammlungsanmelderInnen an den
Verfassungsschutz, die Landeskriminalämter und das Bundeskriminalamt weiter gab. Jede
erneute Anmeldung einer Versammlung verlängerte die Speicherfrist um weitere 5 Jahre.
BILDUNGSOFFENSIVE PER VERFASSUNGSSCHUTZ
Seit Jahren intensiviert der Verfassungsschutz seine Arbeit an Schulen, indem er sich als
Partner für zivilgesellschaftliches Engagement darstellt. Vordergründig geht es um
politische Bildung und die Aufklärung der Schülerinnen und Schüler über diverse Formen des
Extremismus, wobei er die Bildungseinrichtungen nur auf Anfrage besuche. Bei den Vorträgen
speziell für diesen Zweck ausgebildeter GeheimdienstlerInnen werden an den Schulen auf die
Zielgruppe und das Alter angepasste Materialien aber auch Süßigkeiten und Kugelschreiber
mit Verfassungsschutz-Werbung verteilt. LehrerInnen sehen diese Art der Bildungsarbeit
größtenteils unkritisch da sie von einer staatlichen Behörde ausgeht.
BND ECHTZEITSCHNÜFFELEI AUF FACEBOOK UND TWITTER
Um beim Überwachen von Revolutionen auf dem neuesten Stand zu sein, fordert der BND 300
Millionen Euro für die Echtzeitüberwachung von Streaming-Daten in sozialen Netzwerken wie
Twitter und Facebook im Ausland. Ermöglicht wird das durch die Bereitstellung bereits
vorhandener Schnittstellen, welche die Social-Media-Dienstanbieter auch Werbekunden gegen
Bezahlung zur Verfügung stellen. Durch die dann noch bessere Analyse von Plattformen, die
dem Austausch von Bildern, Mitteilungen und Daten dienen, soll auf Ereignisse wie den
,,Arabischen Frühling" schneller reagiert werden. Ein Analyseprogramm soll dann auffällige
Ausschläge bei der Nutzung der sozialen Netzwerke anzeigen und den Geheimdienst über die
Stimmung der Bevölkerung informieren. Die Daten deutscher BürgerInnen und in Deutschland
lebender AusländerInnen sollen dabei herausgefiltert werden.
AUTOMATISCHE AUSWERTUNG VON ÜBERWEISUNGEN
Laut einer EU-Vorschrift müssen Banken die Überweisungen ihrer Kunden automatisiert
überwachen und gefundene Verdachtsfälle an die Bundesbank sowie das BKA und LKA
weitergeben. Die dort gesammelten Meldungen werden, auch wenn der Verdacht nachgewiesen
unbegründet war, für 10 Jahre gespeichert. Das kann zu unangenehmen Konsequenzen
beispielsweise auf Flugreisen, bei Kreditgeschäften und Finanztransaktionen führen.Für
Aufsehen sorgte ein Scherzbold aus Bayern, der einem Freund seinen Anteil für den
gemeinsamen Urlaub mit folgendem Überweisungszweck betitelte: ,,danke für die nacht ...
kommune1 ... bin laden". Über die Speicherung informiert wurde der Kunde durch eine
besorgte Mitarbeiterin der Bank. Wenig Begeisterung von dieser Art der Überwachung zeigen
auch die Landeskriminalämter, welche stark bezweifeln, ob sich mit dieser Methode
tatsächlich in Terrorismus oder Geldwäsche involvierte Personen aufspüren lassen.
Nina Schäfer
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