(de) FAU-IAA - Direct Action #224 - Struggle -- Nachrichten von der Klassenfront

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Wed Aug 13 06:28:57 CEST 2014


FRANKREICH: HARTNÄCKIGKEIT ZAHLT SICH AUS --- Und wieder ein Betrieb in Selbstverwaltung! 
Im südfranzösischen Aubagne (Nähe Marseille) hielten 76 Beschäftigte einer 
Unilever-Teebeutelfabrik seit September 2011 ihren Arbeitsplatz besetzt. Vorausgegangen 
war eine Ankündigung des Konzernriesen von August 2010, die dortigen Lipton-Tee-Werke zu 
schließen und nach Polen zu verlagern. Gut ein Jahr später folgte die Kündigung der einst 
182 Personen zählenden Belegschaft (bzw. das unrealistische Angebot, den Job in Polen 
fortzusetzen) - der letztliche Auslöser für die Besetzung. Doch die jahrelange 
Hartnäckigkeit sowie zusätzliche Gerichtsklagen seitens der Beschäftigten haben sich 
gelohnt: Seit Ende Mai ist klar, dass nicht nur alle Beschäftigten je 100.000 Euro 
Abfindung erhalten, sondern Unilever auch 19,26 Mio. Euro für die Gründung einer 
Genossenschaft bereitstellt. Gewerkschaften begrüßen den Schritt als Mutmacher für andere 
ArbeiterInnen im Kampf um gute Arbeitsbedingungen, sogar Frankreichs Arbeitsminister 
Rebsamen wünscht der Genossenschaft "viel Erfolg und ein langes Leben".

Auch gibt es schon Pläne, wie ein Teil des Geldes angelegt werden soll: 300.000 Euro für 
die Instandsetzung der Produktion, 250.000 Euro für neue Technologien, 200.000 Euro für 
die Rekrutierung von Führungspersonal, 50.000 Euro für Marketing und die Entwicklung einer 
neuen Marke und 500.000 Euro für die Fortbildung des Personals. 1,52 Mio. Euro werden als 
Betriebskapital der Genossenschaft aufgewandt. Neben solidem Wirtschaften will die 
Genossenschaft auch soziale Verantwortung in den Vordergrund stellen, etwa durch 
Abschlüsse von Fair-Trade-Verträgen mit Teelieferanten. Die Belegschaft verkündete, noch 
vor Ende dieses Jahres die Produktion wiederaufnehmen zu wollen.

TÜRKEI: SOMA - UND DER KLASSENKAMPF VON OBEN

Es ging Mitte Mai durch alle Medien, dennoch sollte dieser Vorfall hier nicht unter den 
Tisch fallen: Mindestens 301 tote Bergleute, 85 Verletzte - das größte Grubenunglück in 
der Geschichte der Türkei. Auslöser war eine Trafoexplosion am 13. Mai in 400 Metern 
Tiefe, die viele der 787 ArbeiterInnen einschloss; vier Tage lang wurde nach Überlebenden 
gesucht. Dabei hatte die oppositionelle CHP zwei Wochen zuvor eine Inspektion des 
Braunkohlewerks gefordert, die regierende islamisch-konservative AKP lehnte jedoch ab. Die 
Privatisierungspolitik von Ministerpräsident Erdogan, der in diesem Zusammenhang Unglücke 
solcher Art öffentlich als "ganz normale Ereignisse" bezeichnete, war in den letzten 
Jahren mehrfach verantwortlich für ähnliche Vorfälle. In der zwölfjährigen Regierungszeit 
Erdogans kamen bisher 14.000 ArbeiterInnen bei Arbeitsunfällen ums Leben. Auch die Mine in 
Soma war unter ihm privatisiert worden. Noch kurz vor dem tragischen Ereignis gaben 
Führungskräfte der innehabenden Soma Holding AG an, die laufenden Kosten um 60 Prozent 
senken zu wollen. Für Einsparungen wurden erfahrene ArbeiterInnen entlassen und 
unerfahrene LeiharbeiterInnen eingestellt, der jüngste Tote war gerade einmal 15 Jahre 
alt. Im Zuge des Unglücks kam es zu landesweiten Protesten, allein in Ankara war die Rede 
von bis zu 4000 DemonstrantInnen. Die Polizei reagierte teils brutal mit Wasserwerfern und 
Tränengas. Die Region Soma ist stark vom Bergbau geprägt, der für viele BewohnerInnen 
häufig die einzige Einkommensquelle darstellt. So wird auch plausibler, dass sie hier für 
350 Euro monatlich einen lebensgefährlichen Knochenjob verrichten.

BRASILIEN: VERKEHRSDIENSTLEISTERINNEN STREIKEN

Während die einen mit Wurst und Bier ihren Vaterländern zujubeln, leidet ein Großteil der 
EinwohnerInnen Brasiliens unvermindert unter der rigorosen Sparpolitik der Regierung. Dies 
rief auch das Metropersonal São Paolos auf den Plan: Anfang Juni verrichteten sie einen 
fünftägigen Streik, nachdem ihnen eine Lohnerhöhung von lediglich 8,7 Erhöhung angeboten 
wurde. Dabei hatte die Belegschaft ihre Forderung bereits auf 12,2 Prozent Erhöhung nach 
unten korrigiert, zuvor waren es 16,5 Prozent. Auch wenn die Forderung zunächst sehr hoch 
scheinen mag, wird sie durch eine Inflationsrate von rund sechs Prozent jährlich umso 
erklärbarer. Auch die Wiedereinstellung entlassener MitarbeiterInnen wurde gefordert. Die 
Polizei attackierte die Streikenden mit Tränengas. Eine Wiederaufnahme des Ausstands zu 
WM-Beginn wurde abgelehnt, unter anderem auch deswegen, weil gerichtliche Strafzahlungen 
zu befürchten waren. Allerdings kündigte die Belegschaft an, ihren Kampf fortzusetzen, 
zunächst in Form von Protesten. Im Zuge des Streiks entstanden teils 250 Kilometer lange 
Staus. Rund 4,5 Millionen Menschen sind täglich auf die städtische Metro angewiesen.Auch 
an den drei Flughäfen Rio de Janeiros kam es am 12. Juni (WM-Beginn) zu einem Ausstand des 
Bodenpersonals, er dauerte 24 Stunden. Auch hier fordern die Beschäftigten bis zu zwölf 
Prozent mehr Gehalt sowie Bonuszahlungen für die WM und bessere Arbeitsbedingungen. Nach 
einem Gerichtsurteil durften allerdings nur 20 Prozent der Belegschaft streiken.

SÜDAFRIKA: LÄNGSTER ARBEITSKAMPF DES LANDES BALD ZU ENDE?

Nach fünf Monaten Streik zeichnet sich für die Platin-Kumpels der Anglo American Platinum 
bei Rustenburg eventuell ein Erfolg ab: Die Forderung, den Lohn von durchschnittlich 
umgerechnet 350 Euro auf 850 Euro monatlich anzuheben, ist - seit dem Konflikt 2012 - 
unverändert geblieben und steht kurz vor der Umsetzung. 2012 gipfelte die 
Auseinandersetzung im "Massaker von Marikana", bei dem 34 Bergleute von der Polizei 
erschossen wurden. Die nun erzielte Einigung beider Konfliktparteien muss jedoch noch von 
der Basis der Gewerkschaft AMCU gebilligt werden. Befürchtet wird, dass eine Lohnerhöhung 
den Arbeitsprozess straffen und zu Entlassungen führen könnte.

Zusammengestellt von der Redaktion Globales


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