(de) FAU-IAA - Direct Action #224 - Bildung und Kultur: Ein ewiges und wichtiges Thema -- Interview mit einem Mitglied der Anarchosyndikalistischen Jugend (ASJ) Berlin
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Tue Aug 12 07:32:27 CEST 2014
Mit diesem Interview möchten wir (die FAU Nürnberg) versuchen, eine Diskussion über die
Bedeutung von Bildungs- und Kulturarbeit in Gang zu setzen. ---- Was versteht ihr unter
Bildung und Kultur? ---- Viele haben sich bereits an einer Definition dieser Begriffe
versucht. Uns ist es besonders wichtig zu betonen, dass Bildung nichts ist, was als festes
Wissen von oben eingetrichtert wird, sondern immer ein eigenes - eigentlich natürliches -
Interesse voraussetzt und im Dialog passieren sollte. Wir finden daher etwa Ansätze von
Schule interessant, die sich am Interesse und dem Forschergeist der Lernenden orientieren.
Selektieren durch Notengebung lehnen wir ab. Bildung sollte immer auch Selbstermächtigung
sein. Aufgabe einer anarchosyndikalistischen Bildung ist es dann auch, sich Dinge
beizubringen, die in institutionalisierten Bildungsorganisationen auf der Stecke bleiben
beziehungsweise Raum für kritisches Hinterfragen zu geben. Kultur bedeutet für uns nicht nur
Kein Befehlen, kein Gehorchen
Kunst, sondern gestalterischer Prozess allgemein. Die Form, die Zusammenleben heute
annimmt, unsere Werte und Normen, die Nutzung von Technik - auch das ist Kultur. Der
Begriff kann aus unserer Sicht aber nie wertfrei betrachtet werden, sondern
Timeline Photos - Rede de Informações Anarquistas
Resistência Popular - Alagoas: NOTA DE SOLIDARIEDADE DA RESISTÊNCIA POPULAR DE ALAGOAS AOS
MORADORES DA VILA DE PESCADORES DO BAIRRO DE JARAGUÁ
Kaique Pimentel - if you could help us to spread this news:...
Coletivo Mineiro Popular Anarquista - COMPA
TM, ® + © 2013 Ask.com | Settings | Disable Search from New TabsKulturentwicklung muss
immer eine gewisse Zielvorstellung beinhalten - also Werte wie Verantwortlichkeit,
Solidarität, Gleichheit und Freiheit anstreben. Nur dann kann überhaupt von einem
kulturellen Prozess gesprochen werden.
Wie sieht ihr den Einfluss des Staates auf die Bewohnerinnen in diesen Machtbereichen?
Puh, das ist eine ziemlich große Frage. Wenn wir es mal auf das Thema des Interviews -
nämlich Bildung und Kultur - herunter brechen, erscheint es vor allem wichtig,
verstaatlichtes Denken anzugehen. Sicherlich gibt es eine sehr reale Staatsgewalt, die
Repression verübt, die abschiebt, die die Verhältnisse sichert. Es gibt aber auch eine
Presse, die ganz freiwillig nationale Deutungen übernimmt und Menschen, die sie
rezipieren, weil sie glauben, die nationale Sache sei gut für sie. Zum verstaatlichten
Denken gehört es aber etwa auch, wenn Strafen und Knast für grundsätzlich notwendig
angesehen werden, um den sozialen Frieden zu sichern, wenn parlamentarische Demokratie als
die beste aller Entscheidungsformen anerkannt und der Kapitalismus im Angesicht
autoritärer Alternativen als letztlich alternativlos betrachtet werden. Wenn die Zwänge
stumm durchgesetzt werden, erscheint alles fälschlich frei. Daher ist es uns wichtig, an
diesen Legitimationen zu kratzen. Außerdem gibt es nicht nur den Gegenpol Staat -
Gesellschaft bzw. Arbeiter*innenklasse, denn das würde Ausgrenzungsmechanismen wie
Rassismus und Sexismus ausblenden und vom eignen Leben wegschieben. Diese sind für uns
kein Nebenwiderspruch. Wir haben daher etwa den selbstverwalteten Refugee-Protest auf dem
Oranienplatz unterstützt und aktuell gerade eine Feminismus-AG gegründet. Auch im
schulischem Unterricht werden so gut wie nie staatskritische Gedanken oder Ideen
thematisiert, geschweige denn auf staatslose Gesellschaftskonzepte aufmerksam gemacht -
nicht einmal in Politikwissenschaft oder Geschichte. Wer sich also nicht selbstständig, in
seiner*ihrer Freizeit damit beschäftigt, kommt mit derartigen Ideen also unter Umständen
nie in Berührung, obwohl potentielles Interesse existieren könnte. Durch Vorgaben des
Bildungssenats ist auch Lehrer*innen, die derartiges thematisieren würden, wenig Raum für
Unterrichtsstoff gegeben, der nicht vorgeschrieben ist. Ein weiterer Aspekt des
staatlichen Schulsystems in Deutschland ist, dass durch reguläre schulische Arbeit
(Prüfungen, Noten, Abschlüsse als Notwendigkeit für gesellschaftliche Anerkennung und
Teilhabe) enormer Leistungsdruck erzeugt wird, Disziplin als ein unter allen Umständen zu
lebender Wert in den Köpfen der Schüler verankert und gleichzeitig Abneigung gegenüber
selbstständigem außerschulischem Lernen erzeugt wird.
Was macht ihr für Kultur und Bildungsarbeit?
Wir veranstalten einmal im Monat einen Tresen, welcher in der Regel mit einer inhaltlichen
Veranstaltung verknüpft ist - dass kann ein Vortrag zu einem interessanten Thema sein,
eine Diskussion oder auch einfach nur ein Konzert. Außerdem halten wir in unregelmäßigen
Abständen Infoveranstaltungen ab - sowohl extern als auch intern für die eigene Bildung.
Wir produzieren ein regelmäßig erscheinendes Magazin, das "Schwarze Kleeblatt". Zur
Redaktion sind alle eingeladen, auch wenn sie sonst nicht regelmäßig bei der ASJ aktiv
sind. Auch zu bestimmten Anlässen wie der "Young Union Movement" -Kampagne produzieren wir
Broschüren und/oder veranstalten zum Austausch eine Podiumsdiskussion. Nicht zuletzt zur
Finanzierung stehen dann auch immer wieder mal Partys und Konzerte an. Letztlich
orientieren wir uns immer daran, was den Mitgliedern gerade wichtig ist. Wir hatten lange
Zeit eine AG, die sich explizit mit Schule und libertärer Bildung beschäftigt. Wenn sich
hierzu wieder Interessierte finden, sind wir offen, sie wieder mit Leben zu füllen.
Wo sieht ihr Ansatzpunkte, um anarchosyndikalistische Kultur und Bildung zu verbreitern?
Sicher haben wir eine andere Situation als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als eine
eigene Arbeiter*innenkultur insbesondere deshalb wichtig war, weil kulturelle, sportliche
und Bildungsangebote (etwa Bibliotheken) sehr viel exklusiver waren. Heute mag ein von uns
gezeigter Film nur ein Angebot unter vielen sein. Dennoch ist wichtig, die Gewerkschaft
nicht nur zu etwas zu machen, wo man hingeht, wenn man Probleme mit bestimmten
Arbeitsbedingungen hat - sondern sie auch eine Art Gegenkultur zu etablieren. Zumindest
wenn das Ziel ist, die Keimzelle einer nachkapitalistischen Gesellschaft zu bilden. Damit
meinen wir keine exklusive Jugend- und Subkultur im Sinne einer "linken Szene", sondern
offen zu sein für die kulturellen und Bildungsbedürfnisse der tatsächlichen Mitglieder.
Welche Ansätze müssen wir für uns verwirklichen, um unser Gedankengut in der Bevölkerung
zu verbreiten?
Wir müssen vor allem an der Lebenswirklichkeit der Menschen anknüpfen und ihnen Angebote
machen, wie sie selbst aktiv werden können. Dafür ist der eigene Arbeitsplatz ein guter
Ort, weil hier ein Großteil der Zeit verbracht wird, aber auch, weil Arbeitskraft benötigt
wird und Streiks somit einen mächtigen Hebel darstellen können. Deshalb fördern wir
gewerkschaftliches Engagement. Ein anderer Ort wäre die eigene Wohnung - Mieterkämpfe wie
im Rahmen von "Zwangsräumungen verhindern" sind ebenfalls direkte Aktionen in unserem
Sinne. Theorie ist wichtig, aber noch wichtiger ist es, Menschen dazu zu ermutigen,
selbstverwaltet und solidarisch Widerstand zu leisten. Und klar zu machen, dass Politik
nichts ist, was irgendwie abstrakt "da oben" verhandelt wird (bzw. werden sollte), sondern
jede*n ganz konkret im eigen Alltag angeht.
Wir bedanken uns für das Interview und wünschen euch noch eine erfolgreiche Bildungs- und
Kulturarbeit.
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