(de) FAU-IAA - Direct Action #224 - "Hire and Fire" international -- Völlig verplant oder mit Vorsatz: VW-Subfirma verletzt Mindeststandards

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Mon Aug 11 10:33:01 CEST 2014


Der Wahlspruch Malaysias, einer in Südostasien gelegenen parlamentarischen Monarchie, 
lautet "Einheit ist Stärke". Die wirtschaftliche Realität des Schwellenlandes sieht 
freilich anders aus: Dort gilt der Spruch "teile und herrsche", in Form eines breiten 
Netzes von Subunternehmen für internationale Markenkonzerne. ---- Erzähl' mal 'nen 
Schwank! August 2013 heuerte ein Mitglied der FAU Berlin bei einer hessischen Montagefirma 
an, Arbeitsplatz: Pekan in der Proving Pahang (Malaysia). Dort wollte der Kollege als 
Elektroingenieur in der Automobilindustrie arbeiten - die Einarbeitung vor Ort sollte 
durch einen deutschen Kollegen erfolgen. Am anderen Ende der Welt wurde unser Genosse aber 
zunächst als Lagerist, später dann als Elektriker - und nicht etwa als Elektroingenieur - 
eingesetzt und nie von besagtem Kollegen eingearbeitet. Vier Wochen später wurde ihm dann 
ein Änderungsvertrag mit einer Lohnkürzung von einem Drittel vorgelegt. Außerdem wurden 
Urlaubstage mit der "Rechtfertigung" angerechnet, dass ein durch Monsun ausgelöstes 
Hochwasser ihm schließlich ein paar freie Tage beschert hätte - faktisch stand der Betrieb 
aufgrund der Havarie still.

Das hessische Unternehmen ist eine Sub-Sub-Sub-Firma von Volkswagen (VW). Da Fertigimporte 
aufgrund staatlicher Regulierung (ja, das ist möglich!) sehr teuer sind, transportieren 
die Multis Einzelteile aus Indien und Mexiko nach Malaysia und lassen sie vor Ort viel 
günstiger montieren. Das läuft dann ungefähr so: Eine malaysische Firma kauft die 
Einzelteile von VW, schraubt die Autos zusammen und verkauft diese vor Ort wieder an VW. 
Profitabel ist das für die beteiligten Unternehmen auch, weil VW sich somit nicht mit 
arbeitsrechtlichen Mindeststandards beschäftigen muss - schließlich liegt die 
Verantwortung bei irgendwelchen Sub-Unternehmen. In Malaysia beläuft sich der gesetzliche 
Mindestlohn auf 950 MYR (rund 210 Euro), und das bei Lebenserhaltungskosten, die so hoch 
sind wie in Westeuropa. Ungelernte ArbeiterInnen werden vor allem aus Ländern wie 
Bangladesch angeworben und nach dem "hire and fire"-Prinzip komplett entrechtet - wer 
krank wird, verliert den Job. Die nächsten "billigen" Arbeitskräfte warten schon vor den 
Toren des Automobilparks Pekan. Aber auch hier zeigen sich die Auswirkungen der aktuellen 
Wirtschaftskrise: Vor allem gelernte ArbeiterInnen werden auch aus den VW-Werken in 
Lissabon (Portugal) und Pamplona (Spanien/Baskenland) nach Malaysia "verschickt".

Hier, in der kapitalistischen Peripherie, zeigt sich übrigens auch, wie verschiedenste 
Großkonzerne als "Joint Venture" an einem Strang ziehen: In Pekan stehen vier 
Automobilwerke auf einem Gelände; die gemeinsam betriebene Lackiererei in der Mitte der 
kreisförmigen Anlage verbindet alle Werke wie ein Herzstück. Der Genosse erhielt dann 
pünktlich vor Ende seiner sechsmonatigen Probezeit die Kündigung, ganz analog zum diesem 
Geschäftsmodell, das unter großer Ausbeutung seiner Angestellten das Minimum an Bezahlung 
geben möchte. Der Genosse ließ sich dies nicht gefallen, wandte sich an sein Syndikat in 
Berlin, das per Rechtsverfahren einen Vergleich vor Gericht für den Genossen mit 
aushandelte. Der Vergleich belief sich immerhin auf die sechsfache Summe der gängigen 
Kündigungsabfindung und sieht die Auszahlung von fünf unbezahlten Urlaubstagen vor - das 
ist inzwischen Realität. Strittig sind weiterhin drei Urlaubstage. Eine Fortsetzung folgt 
also in einer der nächsten DA-Ausgaben.

Guido Burkhart


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