(de) FAU-IAA - Direct Action #224 - Prost, Mahlzeit! -- Weltkulturerbe mit Ausbeutung: Die Schattenseiten der Regensburger Gastronomie
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Mon Aug 4 10:59:25 CEST 2014
Das italienische Flair Regensburgs ist das Sahnehäubchen auf der historischen Altstadt.
Unzählige RegensburgerInnen und TouristInnen genießen es, in der "nördlichsten Stadt
Italiens" in einem der unzähligen Cafés zu sitzen. Diese Lebensqualität sucht man in
anderen Städten oft vergebens. Auch bei der Wahl des Studienortes ist nicht zuletzt die
hohe Kneipendichte ein "Zuckerl", das den Ausschlag bei der Entscheidung für Regensburg
gibt. Die Gastronomie sorgt dafür, dass die Stadt ihren speziellen Charme erhält. ----
Hinter den Kulissen ist das Bild wesentlich düsterer. Denn die Menschen, die dazu
beitragen eben genau dieses eigene Flair zu schaffen, werden ausgenutzt und ihre Rechte
mit Füßen getreten. Gemeint sind ausnahmsweise nicht die WirtInnen, sondern die
BarkeeperInnen, TellerwäscherInnen, Bedienungen, Küchenhilfen, KöchInnen und BeiköchInnen.
Bei einer Umfrage der FAU Regensburg in über 25 Kneipen, Cafés, Restaurants und Bistros
der Innenstadt sind erschreckende Zustände ans Licht gekommen.Niedriglöhne und
Rechtsverstöße sind die Regel: Die überwiegende Mehrheit der Befragten arbeitet in einem
Minijob, doch nur in vier Fällen wird den MinijobberInnen ein Stundenlohn von 8,50 Euro
oder mehr gezahlt. Aber auch bei den Festangestellten konnte die magische Grenze des von
der Regierung propagierten Mindestlohns oft nicht erreicht werden.
Meistens lag der Lohn zwischen 6 Euro und 7,50 Euro und damit weit davon entfernt.Die
Umfrage der FAU Regensburg ergab, dass fast in jedem Betrieb grundlegende Arbeitsrechte
ignoriert werden. So gibt es oft keinen bezahlten Urlaub oder Lohnfortzahlung im
Krankheitsfall, obwohl selbstverständlich auch im Minijob ein Anspruch besteht.Um in
unserer Stadt leben und an dem Flair teilhaben zu können, müssen Beschäftigte in der
Gastronomie sehr lange und hart arbeiten. Betrachtet man die steigenden Mieten auch in den
Randbezirken, kommt man zu dem Ergebnis, dass GastrojobberInnen über eine Stunde arbeiten
müssen, um einen Quadratmeter Wohnraum zu finanzieren. Das "Zuckerl" wird für diejenigen
bitter, deren gesetzlich verankerte Arbeitsrechte missachtet werden. Die persönlichen
Berichte der Beschäftigten zeigen, dass noch dazu ungesunde Arbeitsplätze, Schwarzarbeit,
sexuelle Belästigung und unbezahlte Mehrarbeit in der Gastronomie weit verbreitet sind.Wer
das nächste Mal die unvergleichliche Atmosphäre oder das Nachtleben genießt, sollte daran
denken, dass es mit einem dicken Trinkgeld allein nicht getan ist. Ein Lohnspiegel, der
auf der Umfrage basiert, ist auf der Website der FAU Regensburg einsehbar:
fauregensburg.wordpress.com
Erwin Mühsal und Cindy Mecate
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