(de) FAU-IAA - Direct Action #224 - Der Staat kümmert sich um dich -- Das Bildungssystem ist eine tragende Säule des Staates - oder der Emanzipation

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Sun Aug 3 14:39:20 CEST 2014


Einer der wichtigsten Eckpfeiler eines Staatssystems muss die Indoktrination der 
Gesellschaft sein, um die Menschen, die in diesem Staat leben, zu seine Existenz und 
Legitimität möglichst kritiklos hinnehmenden Menschen zu formen - so hohl der hierfür 
immer wieder bemühte Bezugspunkt "Nation" auch sein mag. Aus diesem Grund kann kein 
"Nationalstaat" der Welt Interesse an einer freiheitlichen Erziehung, Kultur und Bildung 
haben. Und um dies umzusetzen, beschließt der Staat zu unserem Wohle Gesetze, die unser 
Bildungs- und Erziehungsleben steuern bzw. regeln sollen. Im bayerischen Kinderbildungs- 
und -Betreuungsgesetz heißt es im Abschnitt 1, § 1: "Das Leitziel der pädagogischen 
Bemühungen ist im Sinn der Verfassung der beziehungsfähige, wertorientierte, hilfsbereite, 
schöpferische Mensch, der sein Leben verantwortlich gestalten und den Anforderungen in 
Familie, Staat und Gesellschaft gerecht werden kann." Das geht dann bei den 
Basiskompetenzen weiter, bis hin zur christlich-wertorientierten Erziehung, die dann im § 
4 nochmals genauer beschrieben wird. In vielen Bundesländern sind diese Ziele ähnlich 
formuliert. Nach dem Kindergarten bekommt es der/die heranwachsende StaatsbürgerIn mit der 
Schule und den ihnen eigenen Leitlinien und Gesetzen zu tun. Auch hier legt der Staat 
wieder Wert auf die Symbiose zwischen Gott und Staat. Die Lerninhalte, wie fast jedeR von 
uns selbst erlernen durfte, sind auf eine staatstragende "freiheitlich demokratische 
Grundordnung" aufgebaut. LehrerInnen, die davon abweichen, haben schon die Konsequenzen 
z.B. in Form von Berufsverboten spüren müssen.

Innerhalb der BRD kann es z.B. bei Schulpflichtverletzung dazu kommen, dass die Exekutive 
"zum Wohl des Kindes" einschreitet. Dass in bestimmten Fällen ein Einschreiten zum Schutz 
des Menschen notwendig sein kann, steht außer Frage. Aber in einer Gesellschaft, die zum 
Humanismus erzogen wurde, müsste kein Staat diese Kontrolle übernehmen, sondern übernimmt 
dies die Gemeinschaft.

Durch all diese Bestimmungen und Gesetze werden die direkt wie indirekt erziehenden 
Mitmenschen dazu genötigt, im Rahmen des Staates zu erziehen. Das führt dazu, dass die 
Propagandamaschine des Staates die Geschichte und das Leben so verzerrt, dass der Mensch 
sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass es Gesellschaften in Form von freiheitlichen 
Zusammenschlüssen gibt und sehr viele gegeben hat. Und da beginnt der Ansatz des 
Anarchosyndikalismus. Schon von Beginn an sahen die AnarchosyndikalistInnen Arbeit, Kultur 
und Bildung untrennbar miteinander vereint. Der Überwindung des kapitalistischen Systems 
wurde die gleiche Bedeutung zugemessen wie der Kultur und Bildung. Gerade 
AnarchosyndikalistInnen schufen daher eigene Zeitungs- und Buchverlage, bauten eigene 
Bildungseinrichtungen auf und waren an Bildungs- und Kulturprozessen ständig interessiert. 
Die anarchosyndikalistischen Bildungsstätten sollten hier nur einen Rahmen ermöglichen, wo 
sich die Menschen frei bilden und entwickeln konnten. Im deutschsprachigen Raum 
bewerkstelligte dies die FAUD sehr gut. Auch wenn man auf die bekannteste anarchistische 
Sozialisation, die der spanischen Revolution, zurückblickt, kommt man nicht umhin, die 
Bildungsangebote der syndikalistischen Organisationen zu betrachten. Hier wurde sehr wohl 
erkannt, dass eine Revolution, die vom Volke getragen werden soll und nicht durch die 
Agitation des Staates und seiner Handlanger kaputt gemacht werden soll, nur durch den 
Aufbau einer eigenen Bildungs- und Lernstruktur bewerkstelligt werden kann. Und dies 
dauerte in Spanien über 40 Jahre. Das bezeugt auch ein Zitat der CNT von 1936: "Den 
materiellen Reichtum und die Kultur zurückzuerstatten, das sind die wesentlichen Ziele 
unserer Revolution. Wie das geschehen soll? Dadurch, dass im materiellen Bereich der 
Kapitalismus enteignet wird und im moralischen Bereich die Kultur denen vermittelt wird, 
die sie entbehren." Erst die komplette Zerschlagung der spanischen Republik und des 
anarchosyndikalistischen Bildungssystems unter Franco konnte die kirchlichen sowie 
staatlichen Strukturen wieder herstellen. Daher ist eine der wichtigsten Säulen einer 
"sozialen Revolution" der Aufbau eines Bildungssystems, ohne die keine freiheitliche 
Gesellschaft aufgebaut werden kann.

Markus Bauer


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