(de) FAU-IAA - Direct Action #222 - Leiharbeit in der Schweiz -- Equal Pay mit zwei Tagen Kündigungsfrist

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Mon Apr 14 17:53:38 CEST 2014


Auch in der Schweiz ist Leiharbeit - oder Temporärarbeit, wie sie hierzulande genannt wird 
- weit verbreitet. Die sogenannte Penetrationsrate (also der Anteil der Leiharbeiter_innen 
an allen Beschäftigten) ist sogar noch ein bisschen höher als in Deutschland. Trotzdem 
wird Temporärarbeit nicht als ein so großes Problem wie in Deutschland angesehen und ist 
kaum Thema. Das liegt einerseits an der Propaganda der Arbeitgeber, die die prekären 
Arbeitsbedingungen als Schlüssel zur Selbstbestimmung preisen und am Desinteresse der 
großen Gewerkschaften, da die Temporären (=LeiharbeiterInnen) als kaum organisierbar 
gelten. Andererseits gibt es in gewissen Belangen tatsächlich weniger Probleme als in 
Deutschland: Es gibt keine Stundenlöhne im einstelligen Bereich und es gilt das 
Equal-Pay-Prinzip.

Das heisst, dass Temporärarbeit nicht als eigene Branche zählt, sondern dass für die 
Temporären dieselben branchenüblichen Bedingungen gelten, wie für die Festangestellten - 
mit einer wichtigen Ausnahme: Der Kündigungsfrist. Wenn es also in einer Branche einen 
Gesamtarbeitsvertrag (GAV; Tarifvertrag) gibt, gelten die darin festgehaltenen Regelungen 
zu Lohn, Arbeitszeiten, Arbeitsschutz, Ferien etc. auch für die Temporären. Das 
Equal-Pay-Prinzip geht so weit, dass die Gewerkschaft vor einigen Jahren erfolgreich 
geklagt hat, dass die LKW-FahrerInnen, die primär mit Transporten von/zu/auf Baustellen 
beschäftigt sind, ebenfalls dem weit besseren GAV des Bauhauptgewerbes unterstellt werden 
müssen.

Trotzdem ist die Leiharbeit auch in der Schweiz vor allem ein Instrument für die 
ArbeitgeberInnen um Kosten zu sparen und die Solidarität in Belegschaften zu untergraben. 
Die real relevante Kündigungsfrist der Temporären beträgt zwei Arbeitstage, zwischen dem 
vierten und dem sechsten Einsatzmonat sieben Tage und erst danach das sonst gültige 
gesetzliche Minimum von einem Monat. Vor allem in saisonal stark schwankenden Branchen 
wird deswegen auf die Temporären zurückgegriffen. Im Februar wurde zum Beispiel publik, 
dass im Kanton Wallis/Valais im Winter die Arbeitslosigkeit - vor allem bei AusländerInnen 
- massiv in die Höhe schnellt, weil die Baufirmen ihre ArbeiterInnen entlassen und im 
Frühling wieder einstellen. Dies ist besonders in diesem Kanton spürbar, weil nicht gleich 
viele Stellen in Branchen zur Verfügung stehen, die im Winter Hochsaison haben (wie der 
Wintersporttourismus).


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