(de) FdA-IFA - Gai Dao #40 - Das Café Libertad Kollektiv kündigt seinen Gründern.-- Kritik an den aktuellen Entwicklungen -- Anarchosyndikalistische Gruppe Hamburg-Altona

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Mon Apr 21 17:21:47 CEST 2014


Nach einer 4:3-Machtübernahme im Café Libertad Kollektiv (CLK) in Hamburg durch teilweise 
recht frische Kollektivmitglieder und unter eindeutigem Bruch der vereinbarten internen 
Kollektivvereinbarung (diese sieht einen Konsens bei gravierenden geschäftspolitischen 
Veränderungen und Entlassungen vor) Ende Dezember 2013 - wurden die drei Mitglieder mit 
anderen politisch-ökonomischen Ansichten arbeitsrechtlich gekündigt. Zwei Genossen sind 
Gründungsmitglieder des Importkollektivs für zapatistischen Kaffee (Import & Handel) in 
Europa. Sie sind seit 1999 an dem Betrieb nicht bloß maßgeblich finanziell beteiligt, sie 
haben ihn gegründet, finanziert - also in erheblichem Maße aufgebaut. ---- Ihnen wurde nun 
der Stuhl durch eine plötzliche neue Mehrheit im Betrieb vor die Tür gesetzt. Ohne 
vorherige interne Diskussion. Einem dritten Genossen wurde die Kündigung schriftlich
mehrfach zu unterschiedlichen Terminen angekündigt. Alle drei Ge-
nossen, die weiterhin Mitglied der Genossenschaft und damit Mit-
eigentümer der Cafe Libertad Kollektiv eG sind, wurden umgehend
von der Arbeit "freigestellt" - und durch Neueinstellungen, die poli-
tisch passender sind, ersetzt.

Wir protestieren gegen diesen Coup einer ganz bestimmten
Personengruppe im CLK - es handelt sich schlicht und einfach um
die Machtübernahme in einem wirtschaftlich seit nunmehr knapp 15
Jahren erfolgreichen Kollektivbetrieb.

Hintergrund ist wohl der Blick auf die Ressourcen des
Betriebes, der mit einer satten Eigenkapitalquote ausgestattet ist.
- Plötzlich wird dem Gründer des Kollektivs hintenherum vorge-
worfen, falsch kalkuliert und eine fehlerhafte Finanzplanung aufge-
stellt zu haben... Und das, nachdem sich die jetzige Mehrheit der
Genoss*innen in den kaum zwei Jahren ihrer Mitgliedschaft im Kol-
lektiv so gut wie nie um die Finanzen gekümmert haben. Jedes Jahr
wurden geringe Gewinne erwirtschaftet, jedes Jahr wurden die Löh-
ne (aktuell 18 EUR/Std.) und der Urlaub auf sechs Wochen erhöht undweils Urlaubs- und 
Weihnachtsgeld in Höhe von 75% gezahlt. Und bei
allen Prüfungen durch den genossenschaftlichen Prüfungsverband
wurde konstatiert: Die Lage des CLK ist stabil!

Aus einem erklärtermaßen "anarchosyndikalistischem Ar-
beiterselbstverwaltungskollektiv", das als Antrieb weder Gewinne
erwirtschaften noch diese privatisieren wollte, soll nun ein "bewe-
gungsnahes Projekt"1 werden: Die neue Kollektiv-Mehrheit entließ
die beiden anderen Genossen mit der Begründung, "ihr Blick seisehr auf den Betrieb 
gerichtet", stellte umgehend Szenefreunde ein
und - erhöhte am 1. März 2014 die Bio-Kaffeepreise, ohne die neuen
zapatistischen Importe erst einmal abzuwarten, die erst im Juni-Au-
gust eintreffen.2

Nun möchte man plötzlich doch Gewinne erwirtschaften.

Vordergründig wird natürlich erklärt, "die Liquidität der Genossen-
schaft" abzusichern und um Rücklagen zu bilden. Genau das hat das
CLK seit Jahren nachhaltig umgesetzt, nur verstand man sich bis
dahin als "Non-Profit-Unternehmen". Jetzt wird so getan, als wenn
das "Projekt CLK" - ein Kollektivbetrieb mit einem Jahresumsatz von
über 1,5 Mio. EUR! -, wieder "politischer" gemacht werden müsse,
durch "Bewegungsnähe". Welche "Bewegung" das sein soll, ist zu-
mindest fraglich, denn das CLK hat in den letzten zehn Jahren über
250.000 EUR an Fördergeldern zu über 90% an zapatistische Struk-
turen in Chiapas überwiesen... Was war daran "unpolitisch" oder
"bewegungsfremd"?

Das CLK hat mittlerweile mehrfach mitgeteilt, "in den
nächsten Tagen eine ausführliche Stellungnahme zur Entwicklung
bei Cafe Libertad" verfassen zu wollen, um ihre Sicht des "Umbruchs
Ende letzten Jahres" zu erklären. Bisher ist das nicht erfolgt. Wie so
oft - vermuten wir ein Aussitzen von Situationen durch den neuen
Vorstand. Darauf nehmen wir nun keine Rücksicht mehr und ma-
chen diese illegitime Machtübernahme im Cafe Libertad Kollektiv
bekannt.

Wir fordern die linksradikal-anarchistische Öffentlichkeit
auf, gegen diese Machtanmaßung zu protestieren. Hier gebärden
sich so genannte Genoss*innen wie stinknormale kapitalistische
Unternehmer*innen, die ohne Rücksicht auf Alter und Betriebszuge-
hörigkeit unliebsame Kollektivmitglieder entsorgen. Das soll deren
"Szene" nun ruhig mitbekommen.

Die ersten beiden Gütetermine vor dem Arbeitsgericht Hamburg ha-
ben bereits erfolglos stattgefunden. Das Gericht klärt jetzt die völlig
neue Frage, inwiefern eine arbeitsrechtliche Kündigung eines am
haftenden Kapital einer Genossenschaft beteiligten Mitgesellschaf-
ters überhaupt rechtens ist, denn keiner der drei gekündigten Mit-
glieder des CLK hatte einen Arbeitsvertrag, sondern sie wurden alle
nach den bis dato ausgehandelten Konditionen der internen Kollek-
tivvereinbarung beschäftigt.

Protest E-Mails an CLK: cafe-libertad [at] gmx.de

Kopien Eurer Protestschreiben bitte an: ask-hamburg [at] gmx.org

[1] Siehe Erklärung "Zapatistischer Kaffeehandel" vom 17.2.2014 an einen umfangreichen 
Mailverteiler aus Infoläden, Weltläden und Kunden des CLK

[2.] https://www.cafe-libertad.de/shop/index.php/blog/preise-und-autonomie-der--kooperativen


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