(de) FAU-IAA - Direct Action #222 - Der große Bruder schaut dich an -- ...und plant die Massenüberwachung.
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Tue Apr 15 09:35:10 CEST 2014
Das sieht jedenfalls ein Forderungskatalog des Ex-Bundesinnenministers vor, der für die
Koalitionsverhandlungen erstellt worden ist. Neben "mehr Videoüberwachung an öffentlichen
Plätzen" und einem erneuten Vorstoß zur "Vorratsspeicherung von Daten" geht es um den
Ausbau der Telekommunikationsüberwachung an deutschen Internetknotenpunkten. ---- Einer
der weltweit größten Netzknoten, der DE-CIX (German Commercial Internet Exchange),
befindet sich in Frankfurt am Main. Praktisch alle großen Internet Service Provider sind
daran angebunden. Bis jetzt kann der BND solche Knoten für Auslandsüberwachungen nach
bestimmten Wörtern durchsuchen, wobei diese Möglichkeit eng begrenzt ist. Würden wie
geplant komplette Netzknoten überwacht, könnte die Internetkommunikation von Personen
lückenlos nachvollzogen werden, egal ob über WLAN, Smartphone oder Internetcafé gesurft
wird. Technisch wäre dies inzwischen machbar, weshalb Sicherheitsbehörden entsprechenden
Druck ausüben. "Das wäre NSA pur", so Ulrich Maurer, Mitglied der G10-Komission, einem
4-köpfigem Gremium, das die Überwachungsmaßnahmen der Geheimdienste prüft - was bei
Umsetzung der Pläne in Anbetracht der Menge der Daten nicht mehr möglich wäre. 70% der
Deutschen interessiert die mögliche Überwachung ihrer privaten Internetkommunikation
nicht. Man habe ja nichts zu verbergen. Ex-Bundesinnenminister Friedrich zum Thema:
"Datenschutz wird ein wichtiger Punkt sein."
...und vernetzt Kontrollzentren.
Das neue Überwachungssystem der EU, EUROSUR (European Border Surveillance System), ist
Anfang Dezember gestartet. Hiermit soll Ausspähen der EU-Außengrenzen, vor allem des
Luftraums und des Mittelmeeres, noch effektiver gestaltet werden. Dafür werden die
"nationalen Kontrollzentren" der EU-Staaten miteinander vernetzt. Die Kommandozentrale des
Netzwerks befindet sich am Hauptsitz der EU-Grenzschutzagentur FRONTEX in Warschau. Diese
kann nun die Daten, die sie beispielsweise durch Satellitenaufklärung der nationalen
Grenzüberwachungssysteme nahezu in Echtzeit erhält, nach eigenem Ermessen an die
Kontrollzentren andere Staaten schicken. Hierbei kann jeder Staat selber beschließen,
welche der Daten für polizeiliche oder militärische Mitteilungen verwendet werden und
beispielsweise Kooperationen mit anderen Staaten zum gegenseitigen Datenaustausch
beschließen. An EUROSUR angeschlossen sind zunächst 19 EU-Mitgliedsstaaten. In einem Jahr
sollen sämtliche weiteren EU-Staaten, darunter die BRD, sowie Island, die Schweiz und
Liechtenstein hinzukommen.
Aus den ausgetauschten Informationen soll FRONTEX außerdem Statistiken erstellen, auf
deren Grundlage Prognosen und Risikoanalysen vernommen werden. Nach eigener Angabe diene
EUROSUR zur Verfolgung internationaler Kriminalität und zur Rettung von Schiffbrüchigen.
Allerdings ist FRONTEX zunächst mit der Prognose von Flüchtlingsströmen befasst - und
meldete Anfang Dezember, dass aufgrund des neu aufgerüsteten Mittelmeeres neue Routen
entstanden sind, unter anderem über die spanischen Enklaven Ceuta und Melilla.
...und kontrolliert automatisiert.
Die automatische Abfertigung von Passagieren bei der Ein- und Ausreise an deutschen
Flughäfen soll Ende 2014 starten. Für das sogenannte ABC-System (Automated Border Control
System), das die Grenzkontrollen effektiver gestalten soll, werden zunächst 90
elektronische Durchgangsschleusen in den Flughäfen in Frankfurt, München, Düsseldorf und
Hamburg installiert. Beauftragt mit der Umsetzung sind die Berliner Bundesdruckerei und
die Essener Secunet, die sich bei der entsprechenden europaweiten Ausschreibung gegen die
Konkurrenz durchgesetzt haben.
Die ABC-Gateways besitzen ein Lesegerät, in das der Passagier einen elektronischen
Reisepass der ICAO-Norm, einen neuen Personalausweis (nPa) oder einen elektronischen
Aufenthaltstitel (eAt) schiebt, bevor er oder sie durch einen Gang geht, an dessen Ende
sich eine Kamera befindet. Diese vergleicht das Gesicht des Passagiers mit dem
biometrischen Foto des jeweiligen Ausweisdokuments. Den Grad der Übereinstimmung sehen
Grenzbeamte hinter der Schleuse auf einem Balken. Parallel werden die auf dem
Ausweisdokument gespeicherten Informationen ausgelesen und es läuft ein Datenbank-Check
ab, um festzustellen, ob der Passagier besonders geprüft werden muss. Dann öffnet sich die
Tür der Schleuse und der oder die Reisende wird entweder zur weiteren Prüfung zu
Grenzbeamten gelotst oder kann weitergehen. So sollen GrenzbeamtInnen vier Schleusen
gleichzeitig überwachen können.
Geplant ist außerdem, für Vielreisende ein Fingerabdrucksystem in die automatische
Grenzkontrolle zu integrieren. Auch Iris-Kontrollen stehen zur Debatte. Der Dachverband
der Fluggesellschaften IATA träumt sogar von Sensoren, die sich in den Wänden der Schleuse
befinden und zum Beispiel Metallspuren und Flüssigkeiten erkennen oder die Pheromone des
Reisenden messen, um festzustellen, ob er oder sie besonders nervös ist.
Zusammenstellung: Laura Fischer
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