(de) FAU-IAA - Direct Action #222 - Die Sabaté-Brüder -- Eine libertäre Stadtguerilla im Spanien der Franco-Ära
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Mon Apr 7 14:29:44 CEST 2014
Nach dem Sieg der Faschisten im Spanischen Bürgerkrieg, flohen 1939 Hunderttausende
ArbeiterInnen nach Frankreich. Nicht wenige dieser Flüchtlinge beteiligten sich während
des Zweiten Weltkriegs am französischen Widerstand gegen die Nazis. Als die Nazi-Barbarei
niedergerungen war, konzentrierte sich die libertäre Bewegung wieder auf den militanten
Kampf gegen das Franco-Regime. Einen der für das Proletariat wohl klangvollsten Namen
trugen dabei die Sabaté-Brüder. ---- Francisco Sabaté Llopart, allgemein nur El Quico
genannt, wurde am 30. März 1915 in Hospitalet, einer südlich von Barcelona gelegenen
Stadt, geboren. Im Alter von kaum 16 Jahren begann er eine Lehre als Klempner und trat der
CNT1 bei, der er sein ganzes Leben lang verbunden blieb.
Bereits 1932 überfiel Francisco Sabaté mit einem anarchistischen Genossen erstmals einen
Grundbesitzer, um während eines Bauernstreiks das erbeutete Geld dem Streikkomitee von
Hospitalet zu übergeben. Daraufhin schloss sich Sabaté mit seinem älteren Bruder José
einer Aktionsgruppe der FAI2 an, die sofort mit bewaffneten Aktionen in Erscheinung trat.
Die bei den Überfällen enteigneten Geldmittel kamen Streikkomitees, Zeitungen und
Unterstützungsgruppen für politische Gefangene zugute. Nach Ausbruch des Bürgerkriegs
kämpften José und Francisco in einer CNT-Miliz an der Aragonfront. In Barcelona beteiligte
sich El Quico 1937 an mehreren Gefangenenbefreiungen, bis er selbst von der
republikanischen Geheimpolizei festgenommen wurde. Es gelang ihm jedoch mit drei Genossen
aus dem Gefängnis auszubrechen und bis zur Niederlage der republikanischen Truppen 1939 in
anarchistischen Einheiten an der Front weiterzukämpfen.
Wie alle anderen spanischen Flüchtlinge wurden auch die Sabaté-Brüder nach ihrer Flucht in
einem Konzentrationslager in Südfrankreich interniert. Bei Beginn des deutschen Überfalls
auf Frankreich aus dem Lager entlassen, zog Francisco mit seiner Frau und Tochter in die
Nähe von Perpignan, um nach außen unverdächtig als Klempner zu arbeiten. 1945 schickte die
Exil-CNT Sabaté immer wieder nach Katalonien, um Bedingungen für den Kampf gegen das
Franco-Regime vorzubereiten und Kontakte zur Inlands-CNT zu halten. Dabei überfiel die
Sabaté-Gruppe zunächst reiche Geschäftsleute, um an Geld- und Sachmittel für den Aufbau
eines illegalen Propagandaapparats zu gelangen. Die Sabaté-Guerilla baute sowohl auf
spanischer wie französischer Seite der Pyrenäen Verstecke und Waffenlager auf, die als
Operationsbasen und Schmuggelwege dienten. Es gab noch weitere, von den Sabaté-Brüdern
unabhängige libertäre Stadtguerillagruppen im franquistischen Spanien.
Manuel Sabaté - die letzte Aufnahme vor seiner Ermordung
1949 dezimierten eine Repressionswelle und mehrere Feuergefechte mit der Guardia Civil die
Reihen der libertären Aktionsgruppen. Unter den getöteten Militanten befand sich auch José
Sabaté. Die Repressionskräfte gingen nämlich bisweilen dazu über, die libertären
KämpferInnen nicht mehr festzunehmen, sondern gleich auf offener Straße zu erschießen.
Festgenommene anarchistische Guerillas, darunter Manuel, der jüngste der Sabaté-Brüder,
wurden gefoltert und hingerichtet. Nach der harten Repressionswelle 1949/50 drifteten die
verschiedenen Teile der Spanischen Befreiungsbewegung (MLE3-CNT) immer schneller
auseinander. In Frankreich gründete Francisco Sabaté die Grupos Anarco-Syndicalistas, die
den bewaffneten Kampf fortsetzten und von der Führung der Exil-CNT nicht anerkannt wurden.
Die unvermindert nach Spanien einsickernden KämpferInnen standen jedoch mit lokalen
Föderationen der Inlands-CNT in engem Kontakt. Mitte der 1950er Jahre war Sabaté in
Spanien längst zur Legende geworden. Bei den illegalen Aufenthalten in Barcelona betrieb
der Staatsfeind Nr. 1 ungebrochen verbotene Propaganda, indem er massenhaft Flugblätter
verteilte oder auf öffentlichen Plätzen subversive Reden von Tonbändern abspielen ließ.
Doch immer nachdrücklicher sprach die Exil-CNT davon, dass die Sabaté-Gruppe außerhalb der
Organisation stehen und gegen ihre Beschlüsse handeln würde. Nachdem sich auch die FAI im
französischen Exil von den autonomen Aktionsgruppen distanziert hatte, lösten sich die
Grupos Anarco-Syndicalistas wieder auf. Francisco Sabaté gehörte jedoch weiterhin zu
denjenigen anarchistischen EmigrantInnen, die den Kampf gegen das Franco-Regime sehr aktiv
und damit auch bewaffnet fortführen wollten. Das letzte Kommando - Sabaté und weitere vier
Genossen - wurde schließlich am 4. und 5. Januar 1960 von der Guardia Civil in Katalonien
gestellt und in zwei Feuergefechten vollständig ausgelöscht. Damit war die Sabaté-Guerilla
Geschichte und erst die linksradikale MIL4 setzte den bewaffneten Kampf gegen das
Franco-Regime Anfang der 1970er Jahre fort. Der Umgang mit dem Tod Sabatés durch die
CNT-Presse war - gelinde gesagt - peinlich und unwürdig.
Redaktion Zeitlupe
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