(de) FdA-IFA, Zeit für Plan A - Anarchie Kampagne im Rhein-Ruhr Gebiet
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Fri Sep 13 19:40:24 CEST 2013
Am 05. Oktober startet mit einer Eröffnungsparty im Autonomen Zentrum in Mülheim an der
Ruhr, eine dreimonatige Kampagne unter dem Motto: "Zeit für Plan A". Organisiert von
verschiedenen Gruppen rund um die Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr, bieten über zwei
Dutzend Veranstaltungen einen Einblick in Geschichte, Gegenwart und Zukunft des
Anarchismus. Allgemeine Einführungen werden ebenso stattfinden, wie Veranstaltungen zu
bestimmten anarchistischen Strömungen, wie dem Anarcho-Syndikalismus, Anarcho-Kommunismus
oder dem Anarchafeminismus und anarchistischen Positionen zu Themen wie Religion, Gender,
Stadtpolitik oder Veganismus. Daneben erwarten euch Lesungen, Gedichte und
Filmvorführungen. Den Abschluss bildet ein Treffen, in dessen Rahmen bereits organisierte,
wie neu interessierte Menschen die Kampagne auswerten und gemeinsam Pläne für die Zukunft
schmieden können.
Neben dem Support durch einzelne Mitgliedsgruppen und Einzelpersonen, unterstützen wir die
Kampagne als Föderation durch Material und einer Sonderausgabe der Gai Dào. Diese wird
Beiträge zu verschiedenen, dort angerissen Themen enthalten, ebenso wie Vorstellungen der
beteiligten Gruppen und Strukturen und ein Interview der Redaktion, mit einigen Menschen
aus dem Vorbereitungskreis, das wir bereits hier veröffentlichen.
Stellt euch bitte kurz vor. Wie kam es zur Initiative AFRR? Welche Gruppen gibt es? Wie
hat sich die Initiative vom ersten Treffen auf der 2. Libertären Medienmesse bis heute
entwickelt?
Petra: Zur Initiative AFRR kam es, weil mehrere Leute unabhängig voneinander das Bedürfnis
nach anarchistischer Organisation hatten. Durch einen Zufall kamen diese Leute dann
zusammen. Durch einen Kontakt zu den Organisator*innen der 2. libertären Medienmesse wurde
es möglich ein erstes öffentliches Treffen auf eben dieser Messe zu organisieren.
Heinz: Und dieses Treffen war riesig. Über 50 Menschen hatten sich versammelt, um über die
Möglichkeit einer anarchistischen Föderation im Ruhrgebiet zu diskutieren. (lacht) Leider
konnte dieser Schwung nicht ganz rüber gerettet werden. Aber es gibt jetzt immerhin eine
Gruppe in Dortmund, eine in Bochum und eine weitere in Düsseldorf, die im weitesten Sinne
aus diesem Treffen hervorgegangen sind. Mit der anarchichstischen Gruppe östliches
Ruhrgebiet gibt es darüber hinaus auch schon eine Gruppe, die Mitglied der Föderation
deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) ist.
Petra: Grundsätzlich sind wir aber mit dem letzten Jahr sehr zufrieden. Den unser
anarchistischer Organisierungsversuch ist sicherlich der größte und ernstzunehmendste
Versuch seit langer Zeit im Rhein/Ruhr-Gebiet. Der aktuelle Stand sieht so aus, dass sich
die lokal bildenden Gruppen in erster Linie auf sich und ihre Arbeit konzentrieren. Was
für uns logisch ist, denn diese Initativen müssen sich ja auch erst einmal festigen. Wir
wünschen uns aber alle für die Zukunft eine stärkere Vernetzung und dass die föderative
Struktur der AFRR weiter aufgebaut wird.
Warum eigentlich eine Anarchie-Kampagne im Gebiet zwischen Rhein und (Auf)Ruhr?
Heinz: Nun, wir wissen, dass es im Ruhrgebiet viele Menschen gibt, die sich entweder als
Anarchist*innen verstehen oder aber der anarchistischen Idee sehr positiv gegenüberstehen.
Aber oft sehen sie in der anarchistischen Bewegung (noch) keine organisatorische
Alternative. Deshalb sind sie oft in Gruppen aktiv, wo sie politisch eine Minderheit
darstellen. Wir wollen unter anderem zeigen, dass die anarchistische Bewegung in unserer
Gegend schon jetzt in der Lage ist, ambitionierte Projekte durchzuziehen.
Petra: Nicht zu vergessen all die anderen Menschen, die bei Anarchie nur all zu gerne an
,,Chaos und Gewalt" denken. Ihnen wollen wir die Idee der Anarchie vor allem inhaltlich
näher bringen. Denn wir wissen aus vielen Gesprächen, dass die meisten Menschen Ausbeutung
und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen für keine gute Idee halten. Die Frage
ist halt, wie kommt man zu einer Gesellschaft, wo das realisiert ist? Das versuchen wir
mit unserer Kampagne zu beantworten.
Bernd: Oder besser: wir versuchen mit dieser Kampagne mit den Menschen über genau diese
Fragen ins Gespräch zu kommen. Antworten haben wir ja oft selbst nicht, sondern sind oft
noch Suchende. Denn unser Weg ist ein Prozess und wir maßen uns nicht an, Antworten auf
alle dringenden Fragen geben zu können, den wie könnten wir uns anmaßen, als relativ
kleiner Zusammenhang Antworten für alle Menschen zu finden? Das würde unseren Ideen und
Idealen widersprechen.
Und warum gerade jetzt ?
Bernd: Ich verstehe die Frage nicht ganz. Aber ich glaube, dass wir keinen besonderen
Grund hatten, es jetzt zu machen. Ich meine, es gibt keinen anarchsistischen Jahrestag
oder irgendein anderes Ereignis, dass wir als Anlass genommen haben.
Petra: Es war so, das einfach irgendjemand die Idee eingebracht hat, und es dann sofort
Leute gab, die gesagt haben: "Ja, das machen wir". Wir hielten und halten es einfach für
einen guten Einfall, die Idee der Anarchie mal ganz gezielt und konzentriert in der Region
zwischen Rhein und Auf-Ruhr vorzustellen.
Wen wollt ihr mit der Kampagne ansprechen?
Bernd: Es gibt eigentlich gleich drei Zielgruppen. Die erste sind wir selbst. Denn wie
Bernd schon gesagt hat, sind wir selbst noch ,,Suchende". D. h. auch wir lernen viel in
und durch diese Kampagne. Eine zweite Zielgruppe sind all die Anarchist*innen, die noch in
anderen, nicht-anarchistischen Gruppen aktiv sind. Ihnen wollen wir zeigen, dass die
Bewegung, bei allen Schwächen, schon eine Alternative als Selbstorganisierung darstellt.
Natürlich erwarten wir nicht, dass sie deshalb alle bei uns eintreten - aber wir hoffen
auf mehr Kontakte, Kooperationen und ehrlich gesagt auch auf weitere, neue, explizit
anarchistische Gruppen im Rhein/Ruhrgebiet. Die dritte Zielgruppe sind Menschen, die sich
nicht in anarchistischen und linksradikalen Kreisen bewegen, welche wir versuchen wollen
mit unseren Ideen zu begeistern. Da wollen wir auch ganz klar aufzeigen: Dieses System ist
nicht alternativlos, wie es allzu oft dargestellt wird!
Und wie wird die Kampagne genau ablaufen?
Petra: Am Anfang hatten wir sehr viele und sehr kreative Ideen was die Formen, aber auch
was die Orte und so anging. Leider konnten wir vieles davon dieses Mal noch nicht
umsetzen. Noch sind wir einfach zu wenige und manchmal fehlen uns auch einfach die nötigen
Kontakte. So ist am Ende ein Programm übrig geblieben, das sich meist des klassischen
Vortrags mit anschließender Diskussion bedient. Wir haben aber auch versucht, einige
kulturelle Veranstaltungen zu organisieren, genauso dürft ihr auf die eine oder andere
Aktion gespannt sein.
Könnt ihr etwas mehr über das Veranstaltungsprogramm der Kampagne verraten?
Bernd: Das wird sehr bunt sein! Es gibt Veranstaltungen zu Gentrifizierung, Knast,
Genderfragen, zum Anarcho-Syndikalismus, poetische Abende, etwas zur Situation in
Griechenland und vieles, vieles mehr. So wie es aussieht werden wir nicht alle
Veranstaltungen in unseren gedruckten Materialien stehen. Achtet deshalb bitte auf unseren
blog afrheinruhr.blogsport.de, wo wir eine Sonderseite einrichten werden.
Und wie organisiert ihr das alles?
Heinz: Die Antwort ist einfach: Selbst. Wir machen das alles in unserer ,,Freizeit", also
neben Beruf, Studium, Schule oder Arbeitslosigkeit. Wir bekommen von niemandem Geld dafür
und sind auch sonst von niemandem abhängig.
Petra: An dieser Stelle müssen wir aber dringens die Föderation deutschsprachiger
Anarchist*innen erwähnen, die uns nicht nur mit einer Sonderausgabe der Gai Dao, sondern
auch mit Flyern, und Plakaten und jeder Menge Arbeitskraft dabei unterstützt. Ohne diese
direkte Form von Hilfe wäre die Kampage in dieser Form nicht möglich gewesen.
Kann man sich noch aktiv an der Planung/Durchführung beteiligen?
Heinz: Die Kampagne als solches steht nun schon. Aber wer weiß, vielleicht bleibt das ja
keine Eintagsfliege und wir wiederholen das noch mal. Ihr könnt euch schon jetzt mit euren
Ideen an uns wenden. Denn es muss ja nicht sein, dass wir die nächste Kampagne
organsieren. Vielleicht macht ihr das ja dann? Und wir stellen nur den Kontakt zu euch her ;)
Bernd: Und für die ganz Ungeduldigen: Wenn ihr unbedingt noch in dieser Kampagne eine
Veranstaltung unterbringen wollt, dann meldet euch ruhig bei uns. In das gedruckte
Programm können wir sie dann zwar nicht mehr aufnehmen, aber wir aktualisieren gerne die
Sonderseite auf unserem Blog.
Gibt es etwas, was man tun kann, um euch zu unterstützen?
Bernd: Ja klar: Es gibt immer etwas zu tun. Am besten nehmt ihr dazu Kontakt zu den an der
Kampagne beteiligten Gruppen auf und fragt was ihr konkret tun könnt, oder bietet selbst
konkrete Hilfe an. Und was ihr natürlich alle immer gerne tun könnt, ist Geldscheine in
die Spendenboxen zu werfen, die bei jeder Veranstaltung da sein werden. Denn noch leben
wir im Kapitalismus und wir haben nicht wenige Kosten.
Letzte Worte?
Petra: Es gäbe sicherlich noch sehr viel zu erzählen. Aber an dieser Stelle möchte ich nur
noch auf das Organisierungstreffen am Ende der Kampagne hinweisen. Wir hoffen, im Rahmen
der Kampagne Menschen oder gar schon bestehende Gruppen für die Anarchistische Föderation
Rhein/Ruhr (AFRR) begeistern zu können. Das Organisierungstreffen soll für verschiedene
Aspekte offen sein. So könnten wir uns einerseits vorstellen, Hilfestellunge für sich
gerade gründende Gruppen zu bieten, und andererseits würden wir uns auch darüber freuen,
den Prozess der Föderierung in unserer Region weiter nach vorne zu bringen.
Mehr Informationen, sowie alle Termine findet ihr auf der Kampagnenhomepage, sowie auf dem
Blog der Anarchistischen Föderation Rhein/Ruhr. http://afrheinruhr.blogsport.de/
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