(de) FdA-IFA, Gai Dào #32 - Bericht zum FdA-Treffen in Radeberg 2013

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Tue Sep 10 11:15:04 CEST 2013


Vom 5. bis 7. Juli 2013 fanden sich die Gruppen der Föderation deutschsprachiger 
Anarchist*innen (FdA) zu einem der drei jährlichen Treffen zusammen. Ausgerichtet wurde 
das Treffen dieses Mal vom Libertären Netzwerk Dresden, das damit bereits zum zweiten Mal 
nach 2011 die FdA-Versammlung bei sich begrüßen konnte. Das Libertäre Netzwerk Dresden 
entstand im Jahre 2009 als Zusammenschluss verschiedener libertär-politischer Gruppen und 
Initiativen. Zu seiner Hochzeit deckte das Netzwerk in seiner Tätigkeit viele 
Themengebiete ab. So gab es eine Freiraumgruppe, eine Antifagruppe, eine 
Schüler*innenvernetzung mit der Zeitung Freidruck, ein Hausprojekt, eine Tierrechtsgruppe, 
den AK Freizeit, eine Gruppe zur gemeinsamen Freizeitgestaltung, eine psychiatriekritische 
Gruppe und nicht zuletzt das lokale Syndikat der FAU.

Die Gruppen profitierten von Austausch, Know-how-Weitergabe und geteilten Ressourcen. Im 
Jahre 2011 schloss sich das Netzwerk dem damaligen Forum deutschsprachiger Anarchist*innen 
(FdA) an und motivierte überregional Anarchist*innen sich an dem Projekt einer Föderation 
im deutschsprachigen Raum zu beteiligen. Während die FdA seit dem
in einer positiven Dynamik begriffen ist, befindet sich das Libertäre
Netzwerk in einer Krise, mit der sich im letzten Jahr bereits in der
Gaidao auseinandergesetzt wurde. Zur Zeit sind nur noch wenige
Gruppen im Netzwerk föderiert und es finden keine Plena mehr statt.

Das FdA-Treffen fand in der Kleinstadt Radeberg im Nordosten Dres-
dens statt, da dort lokale Aktivist*innen der nicht zur FdA gehörigen
Autonomen Antifa Radeberg (aARdb) über geeignete Räumlichkei-
ten verfügen. Immerhin war es die bis jetzt größte Zusammenkunft
und internationale (antinationale ;) ) Gäste wurden erwartet. Zudem
wünschte man sich eine gemeinsame Abendgestaltung, um dem
Kennlernen und Diskutieren außerhalb der Plena Raum zu bieten.

Insgesamt nahmen an dem Treffen knapp 50 Personen teil. Darunter
Aktivist*innen der FAO (Anarchistische Föderation aus Slowenien),
der CSAF (Anarchistische Föderation aus Tschechien/Slowakei), der
Organisierten Anachist*innen Finsterwalde, der Gruppe e*vibes aus
Dresden und einer anarchistischen Gruppe im Aufbau aus Cottbus.
Zusammen waren diesmal fast mehr Gäste als Mitglieder der in der
FdA föderierten Gruppen anwesend. Möglich wurden solche Treffen,
die ihren Fokus verstärkt auf Austausch und Ideenentwicklung le-
gen, durch die Entfernung der Beschlussfindung von den Treffen. Be-
schlüsse werden seit dem Frühjahr ausschließlich und jederzeit mit
festgelegten Fristen über unsere elektronischen Kommunikations-
mittel gefasst. Zudem besteht eine neue Möglichkeit der festen Zu-
sammenarbeit mit der FdA ohne formellen Beitritt und interne Mit-
arbeit: das sog. ,,assoziierte Projekt". Assoziierte Projekte sind zu den
FdA-Treffen eingeladen, teilen Ressourcen mit der FdA und berichten
von ihren Tätigkeiten. Diese Form der Partizipation eignet sich vor
allem für nicht als klassische ,,Politgruppe" aktive Initiativen, wie
Hausprojekte, Kollektivbetriebe oder Infoläden, die eine aktive Mit-
arbeit in der FdA nicht leisten können oder ideologisch gemischtere
Gruppen mit speziellem Themenbezug, die sich nicht zu stark auf An-
archismus festlegen wollen.


Freitag
Die meisten Teilnehmenden reisten bereits Freitagnachmittag an und
die Küfa-Gruppe Casabunta, die uns das ganze Wochenende aufs Le-
ckerste verpflegte, hatte bereits alles zum veganen Grillen vorberei-
tet. So verbrachten wir den ersten Abend, wie auch den folgenden an
einem großen Lagerfeuer. Überhaupt war das Wetter so sonnig und
warm, dass sich viele Arbeitsgruppen draußen zusammenfanden
und sich viele der Teilnehmenden entschieden zu zelten.

Samstag

Am Samstagmorgen teilten wir uns nach Begrüßung durch die loka-
len Organisator*innen und Vorstellungsrunde in zwei Gruppen auf.
Zum einen wurde die Tätigkeit der Referate seit dem letzten Tref-
fen besprochen, zum Anderen gab es eine Einführungsgruppe zur
internen Struktur der FdA, die besonders
für Gäste und neue Mitglieder gedacht
war. Dabei handelte es sich wohl um den
trockensten Teil des Treffens, den wir aber
frisch und mehr oder weniger ausgeschla-
fen gut überstanden. Mit der Tätigkeit der
Referate waren wir alle weitestgehend zu-
frieden und es wurden im wesentlichen
Kleinigkeiten diskutiert oder Aktionen der
FdA der vergangenen Monate noch einmal
Revue passiert. Erwähnenswert ist viel-
leicht, dass die nächste CRIFA (das halb-
jährliche Vernetzungstreffen der Interna-
tionale der Anarchistischen Föderationen)
im Herbst in Berlin stattfinden wird. Da-
nach wollten wir über die Tätigkeiten der
einzelnen Gruppen sprechen, aber es stell-
te sich heraus, dass sich dieser Themen-
komplex bereits ans Lagerfeuer verlagert
hatte und es im formellen Rahmen hierzu
keinen Gesprächsbedarf mehr gab.

Marcos Denegro, ein Mensch aus der Gaidao-Redaktion und Teil der
Anarchistischen Föderation Berlin, hat ein Anarchistisches Wör-
terbuch (http://www.edition-assemblage.de/anarchistisches-worter-
buch/) geschrieben, dass in Kürze bei edition assemblage erscheinen
wird. Das Buch soll als Nachschlagewerk durch den zum Teil abge-
hobenen Begriffsdschungel innerhalb anarchistischer und emanzipa-
torischer Zusammenhänge dienen. Es leistet also einen Beitrag zum
Abbau von Wissenshierarchien innerhalb der Bewegung. Marcos bat
uns aus der Ferne darüber zu diskutieren, ob es nicht Sinn machte,
das Buch im Namen der FdA herauszubringen. Alle begrüßten den
Vorschlag grundsätzlich, jedoch wurde auch die durch die Heraus-
gabe von Definitionen entstehende Machtstellung über Sprache und
Bewusstsein diskutiert. Schlussendlich wird eine Einleitung der FdA
entstehen, die auf derartige Sachverhalte hinweist und die FdA als
Mitherausgeberin eines Sachbuchs verortet und nicht als Definitions-
macht in Sachen Anarchismus und soziale Bewegung.

Anschließend verlagerten wir uns auf aktionsorientierte Themen
und teilten uns in vier Arbeitsgruppen auf, um verschiedene Kam-
pagnen zu planen. Eine beschäftigte sich mit der Solidarität mit den
arabischen und anderen Aufständen, insbesondere in Hinblick auf
die Verflechtung deutscher Konzerne mit den repressiven, autoritä-
ren Regimes der Region. Auf der Agenda stehen hier in naher Zu-
kunft unter anderem Recherche und eine Informationskampagne
von Beschäftigten und Öffentlichkeit. Eine weitere befasste sich mit
den anstehenden Wahlen und einer möglichen Anti-Wahlkampag-
ne, zu der sich bereits einige Gruppen zusammengefunden haben.
Anarchist*innen kritisieren typischerweise das Partizipationssystem
in der parlamentarischen Demokratie und befürworten stattdessen
Systeme, die eine permanente, politische Beteiligung der Einzelnen
an ihrem Umfeld ermöglichen. Auch hier wurden bereits konkrete
Ideen erarbeitet und wenn alles gut läuft,
habt ihr vielleicht bald Material in den
Händen, um euer Kreuz allabendlich jen-
seits des Wahlzettels zu setzen. Die nächste
Gruppe beschäftigte sich mit Aktionstagen
zum 3. Oktober, um das Thema des deut-
schen Nationalismus und Nationalmythos
nicht aus den Augen zu verlieren. Nationa-
lismus steht dem anarchistischen Grund-
prinzip der ,,Freie[n] Menschen in freien
Vereinbarungen" konträr gegenüber. Hier
sind eine Demonstration, verschiedene
Aktionen und ein antinationaler Kongress
geplant. Außerdem ging es in einer vierten
Gruppe um ein Vorhaben der Anarchisti-
schen Föderation Rhein Ruhr (AFRR), in
ihrer Region eine dreimonatige Anarchie-
kampagne mit zahlreichen Infoveranstal-
tungen durchzuführen.

Im Anschluss an diesen Block konnten sich
die Beteiligten aus dem deutschsprachigen Raum erst einmal zurück-
lehnen und den Inputs zu Aufständen anderswo lauschen. Zunächst
berichteten die Gäste von der FAO über den Prozess, in Slowenien
eine anarchistische Föderation aufzubauen. Ein Prozess, der bereits
vor dem erfolgreichen Aufstand in Slowenien gegen die amtieren-
de Regierung begann und durch diesen Fahrt aufnahm. So konnten
wir einem spannenden zweiteiligen Vortrag folgen, der uns zum
einen die Föderation und zum anderen den Aufstand in Zielen und
Methoden näherbrachte. Gleich anschließend fuhren die Karakök-
Autonomen, eine Gruppe aus Zürich und der Türkei, fort, über die
aktuellen Ereignisse rund um den Taksim-Platz in Istanbul und im
ganzen Land zu berichten. Die Türkei verfügt über eine für resteu-
ropäische Verhältnisse sehr schwer nachzuvollziehende politische
Landschaft voller Widersprüche, in der es einer anarchistischen Be-
wegung schwerfällt sich zu behaupten, selbst wenn die Methoden des
aktuellen Aufstands häufig anarchistische sind. Dazu empfiehlt sich
der Artikel Die Aufstände in Taksim in Gaidao 31.

Eigentlich schon viel zu überfordert mit den vielen Informationen
umzugehen, stürzten wir uns in den nächsten wichtigen Themen-
block: Geschlecht und FdA. Hier teilten wir uns in Gruppen auf und
es ging um die Frage, inwieweit und in welcher Form das Geschlecht
eine Rolle im Gruppengefüge spielt. Die Diskussionen verliefen an-
hand vorher formulierter Fragestellungen. Die Diskussionen in den
einzelnen Gruppen waren zum Teil sehr unterschiedlich, da auch die
Situation in den Gruppen stark divergiert, weshalb hier auch nicht
viel dazu gesagt werden kann. In der anschließenden gemeinsamen
Diskussion entstand die Idee eines Fragenkatalogs zur Durchführung
einer wissenschaftlichen Erhebung innerhalb der FdA-Gruppen, da
mitunter sachliche Fakten fehlten. Der offizielle Teil des Tages klang
dann mit einer kontroversen, aber freundschaftlichen Diskussion
über Sexismus aus. Zum Beispiel ging es darum, inwieweit in Theorie
und Praxis biologisches Geschlecht und geschlechtsspezifisch kon-
notiertes Verhalten zu trennen seien.

Sonntag

Am Sonntagmorgen wurden die Referate der FdA neu besetzt. Die-
se sind zur Zeit das Internationale Referat, das Organisationsreferat,
das Referat Website, das Referat Mailingliste, das Öffentlichkeitsre-
ferat und das Finanzreferat. Die Referate werden von Einzelperso-
nen aus verschiedenen Gruppen betreut und es fanden sich genügend
Freiwillige, um sie weiter zu besetzen.

Darauf teilten wir uns erneut in AGs auf. Zum einen wurde über die
Gaidao, die Monatszeitschrift der Föderation, diskutiert, während die
andere Gruppe sich aktuellen Themen in der Internationale der An-
archistischen Föderationen (IFA) bzw. der darüber hinausgehenden
internationalen Zusammenarbeit annahmen.

Die Gaidao-Gruppe sammelte zunächst ein Feedback zur Zeitung an
sich, das überwiegend positiv ausfiel. Das Abdrucken von Aufrufen
wurde als unnötig wahrgenommen, mehrteilige Diskussionen als ge-
wisse Problematik gesehen, für all jene, die nicht regelmäßig lesen.
Manche wünschen sich mehr Bilder und weniger ,,Bleiwüste". Au-
ßerdem wurde bemängelt, dass die Zeitung zur Zeit noch zu selten
öffentlich an Treffpunkten ausliegt. Im Anschluss wurden zahlreiche
Ideen zu Inhalten der Zeitung und sonstigem Veröffentlichungsmate-
rial gesammelt. Hier ging es um den Druck von Postern, Postkarten
und Sonderausgaben zu politischen Ereignissen.

Die IFA-AG diskutierte über die anstehende Ausrichtung der CRIFA-
Treffen. Das nächste CRIFA-Treffen (kleineres regelmäßiges Treffen
der Föderationen) wird im November in Berlin stattfinden. Darüber
hinaus ging es um eine bessere, direkte Zusammenarbeit mit an-
archistischen Gruppen in den Grenzregionen. Hier wurden Kon-
zepte und die Lage an den einzelnen Grenzen genauer erörtert. Der
Wunsch nach direktem Austausch und Zusammenarbeit manifes-
tiert sich bereits in der Einladung anderer Föderationen zu unseren
aktuellen Treffen. Weiterhin soll den anderen Föderationen vorge-
schlagen werden, eine feste Fahrtkostenregelung zu etablieren, die
durch Subventionierung von Fahrkosten durch die IFA zu einem in-
ternationalen Austausch anregt. Thema war außerdem eine direkte
Solidaritätsanfrage aus Argentinien, wo einer Angestellten eines in-
ternational tätigen, deutschen Konzerns mit Sitz in Nürnberg wegen
gewerkschaftlicher Tätigkeit gekündigt wurde. Wir beschlossen hier,
wenn möglich in Zusammenarbeit mit der Freien Arbeiter*innen
Union (FAU), einer anarchosyndikalistischen Gewerkschaft, eine Öf-
fentlichkeitskampagne zu starten.

Letzter Punkt des Treffens vor der großen Feedbackrunde war der
Vortrag der CSAF zur Lage der Roma im Grenzgebiet zwischen der
Tschechischen Republik und der BRD. Diese werden durch Gentri-
fizierungsprozesse in arme Regionen der Peripherie verdrängt und
dort zum Opfer von breit gesellschaftlich getragenem Rassismus. Die
Gaidao berichtete in der Vergangenheit bereits ausführlich über Er-
eignisse wie Progrommärsche oder die Besetzung einer Elendsun-
terkunft durch Roma-Familien, denen die Obdachlosigkeit drohte.
Während dieser Ereignisse hat sich kontinuierlich eine grenzüber-
greifende Zusammenarbeit antirassistischer und anarchistischer Zu-
sammenhänge ausgebildet, die jedoch noch einen stark informellen,
unorganisierten Charakter besitzt. Da sich die Lage in der Region in
naher Zukunft eher verschlechtern wird, haben wir im Anschluss an
den Vortrag beschlossen ein gemeinsames Forum zur transparenten
Kommunikation zu nutzen und möglichst im September eine Konfe-
renz zur Roma-Thematik in der Grenzregion zu organisieren.

Damit endete ein weiteres inspirierendes Treffen auf dem Weg zu ei-
ner vielfältigen, handlungsfähigen anarchistischen Bewegung.

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Der Juli-Rückblick des Libertären Podcasts
Der monatliche Rückblick des Anrchistischen Radios Berlin auf
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In der aktuellen Ausgabe:

o	 Der Hungerstreik in den Gefängnissen an der US-Westküste
o	 Die sozialen Proteste in Bulgarien
o	 Neue Kooperationsform zwischen NSA und Google vorgestellt
o	 Wo herrscht Anarchie
o	 Linktipp

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