(de) DIREKTE AKTION #218 - Struggle - Nachrichten von der Klassenfront - Neues aus der Türkei, Brasilien, Griechenland und Serbien - Struggle -- TÜRKEI ÜBERALL IST TAKSIM - ÜBERALL IST WIDERSTAND
a-infos-de at ainfos.ca
a-infos-de at ainfos.ca
Sat Sep 7 07:34:19 CEST 2013
Die Aufhänger waren Bäume, der Auslöser waren sie nicht. Als am 31. Mai im Istanbuler
Gezi-Park ein Polizeieinsatz beim Protest gegen dortige Abrissmaßnahmen gewaltsam
eskalierte, entlud sich der Missmut gegen die konservative Regierung von Ministerpräsident
Erdogan in landesweiten Demonstrationen von zeitweise Hunderttausenden TeilnehmerInnen.
Dabei kam es häufig zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei, die Tränengas und
Wasserwerfer einsetzte: Bisher wurden über 8000 Menschen verletzt und ca. 3300 inhaftiert,
und es gibt sogar Tote! Die Zahl schwankt zwischen vier und fünf. Das auf dem Symbolort
des Protests, dem Istanbuler Taksim-Platz, errichtete Protestcamp wurde am 11. Juni von
der Staatsgewalt brutal geräumt. Einigerorts erscheinen nun vereinzelt stille
Protestierende, gegen die die Polizei nicht vorgehen kann.
Die Unmutsliste gegen Erdogan ist lang: Neben dem unpopulären Alkoholverbot steht da vor
allem eine Rückbesinnung auf traditionelle Familienwerte, wie etwa, Zitat: ,,Jede
türkische Familie möge mindestens drei, besser noch fünf Kinder haben", ein geplantes
Abtreibungsverbot oder die geplante Verfassungsänderung, die es Erdogan ermöglichen soll,
zusätzlich das Amt des Staatspräsidenten zu bekleiden. Die DemonstrantInnen diffamierte er
indes als ,,Terroristen", die nur die öffentliche Ordnung zu untergraben suchten. Ein
größerer politischer, wenn auch kurzer Streik ereignete sich bereits am 5. Juni, die
Gewerkschaft des öffentlichen Diensts behält sich aber weitere Maßnahmen vor. Auch in
Deutschland kommt es vielerorts immer wieder zu teils großen Solidaritätsprotesten
BRASILIEN GROSSE SPIELE, ABER KAUM GELD FÜR BROTVor der Kulisse des FIFA-Confed-Cups
erlebt Brasilien die größten Proteste seit Ende der Militärdiktatur 1985 - bei einer
Beteiligung in rund 438 Städten gingen bis zu 2 Mio. Menschen auf die Straße (20. Juni).
Alles begann am 17. Juni in Folge einer Ticketpreiserhöhung für den Nahverkehr in São
Paulo. Diese betrug zwar ,,nur" 20 Centavos, reichte aber aus, um die Bevölkerung auf die
Straße zu treiben. Dass es nicht um Ticketpreise allein geht, klärte sich spätestens, als
die Proteste auch nach Rücknahme der Preissteigerung durch Staatspräsidentin Rousseff
nicht abflauten. Bemängelt werden vor allem hohe Ausgaben für die WM '14 und Olympia '16
in Brasilien bei gleichzeitigen Einsparungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und
Soziales. Brasilien ist, auch wegen vieler Privatisierungsmaßnahmen, ein Land mit den
höchsten Lebenshaltungskosten weltweit - die Inflationsrate beträgt rund sechs Prozent!
Nicht nur wegen internationaler Aufmerksamkeit, sondern auch wegen des Drucks, im nächsten
Jahr wiedergewählt werden zu wollen, lenkte Präsidentin Rousseff ein weiteres Mal ein und
versprach Investitionen in Bildung und Gesundheit
GRIECHENLAND SENDERSCHLIESSUNG BEWIRKT REGIERUNGSKRISE - TAUSENDE IM STREIK
Ganz plötzlich verkündete Samaras' Regierung - ohne interne Absprache - am 11. Juni das
sofortige Aus des staatlichen Rundfunksenders ERT und eine damit verbundene Entlassung von
2900 Angestellten. Tags darauf traten die JournalistInnen des Landes in einen Streik, am
13. Juni kam es dann zum landesweiten Generalstreik, der sich vor allem im öffentlich
Nahverkehr, in Krankenhäusern und staatlichen Einrichtungen bemerkbar machte und
Zehntausende auf die Straße zog. Die ERT-MitarbeiterInnen besetzten indes das
Rundfunkgebäude und senden seither via Internetstream. Am 17. Juni verkündete dann ein
Gericht, die Schließung sei illegal gewesen, allerdings stehe der Regierung eine
Umstrukturierung (im Klartext: eine beliebige Verkleinerung) des Senders zu. Da Samaras'
Bestrebungen durch das Urteil also nicht wirklich gehemmt wurden, kam es zum Bruch mit der
Demokratischen Linken, nun regieren Konservative und SozialdemokratInnen mit knapper
Mehrheit weiter. KritikerInnen bemängeln nicht nur die abrupten Entlassungen, sondern
werten die versuchte Schließung auch als erheblichen Eingriff in die Pressefreiheit
SERBIEN SABOTAGE IN FIAT-WERK - BELEGSCHAFT BESCHÄDIGT MEHR ALS 30 NEUWAGEN
Kragujevac - In der Nacht vom 24. auf den 25. Mai wurden mit einem scharfen Gegenstand
Sprüche gegen die Werkseigentümer in die Karosserie geritzt - der Schaden beläuft sich
offenbar auf mehrere tausend Euro. Nach Informationen der serbischen IAA-Sektion, ASI ging
die Sabotage von einer Gruppe Arbeiter aus, die gegen schlechte Löhne und fehlende Pausen
protestieren. Neben strafrechtlicher Verfolgung des Vorfalls kam es auch zu einer Hatz
durch die Medien - dabei liegen laut ASI nicht nur Arbeits-, sondern auch
Menschenrechtsverletzungen in dem Werk vor, aus dem nur wenig nach außen dringt und das
schon viele Regierungen als Erfolg verkaufen wollten: Beispielsweise müssten die Arbeiter
Windeln tragen, da sie das Fließband während der Arbeitszeiten nicht verlassen dürften.
Die ASI erklärte im Weiteren ihre volle Unterstützung.
Zusammengestellt von der Redaktion Globales
More information about the A-infos-de
mailing list