(de) DIREKTE AKTION 218 - Funktionäre, die über Leichen gehen --- Ein Kommentar von Michael Schulze von Glaßer
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Mon Sep 2 09:25:41 CEST 2013
Sind die Gewerkschafter der IG Metall nicht die wahren, skrupellosen Kapitalisten, vor
denen wir uns immer gefürchtet haben? Wenn es um Arbeitsplätze geht, lassen die Metaller -
zumindest die Funktionäre - jeden internationalistischen Klassengedanken hinter sich: "Für
Deutschland wäre es eine Katastrophe, wenn nach dem Stopp des ,Euro Hawk' die Politik
jetzt einen Komplettausstieg aus dem unbemannten Fliegen beschließen würde", äußerte etwa
der Beauftragte der IG Metall für die EADS-Rüstungstochter Cassidian, Bernhard Stiedl, zum
aktuellen Drohnen-Desaster des Verteidigungsministeriums. Wo KritikerInnen der teuren
"Euro Hawk"-Aufklärungsdrohne davor warnen, solche unbemannten Systeme würden die
Hemmschwelle für militärische Interventionen - wie schon am US-Drohnenkrieg in Pakistan zu
sehen ist - herabsetzen, sorgt sich die IG Metall um die Arbeitsplätze in den
Rüstungsbetrieben.
Ja, die IG Metall ist die Vertreterin der ArbeiterInnen in den Betrieben und von ihnen
beauftragt, für ihren Arbeitsplatz und eine anständige Arbeitssituation zu sorgen, doch
geht die Tätigkeit der IG Metall mittlerweile weit darüber hinaus: Sie könnte auch für die
Arbeitsplätze kämpfen und sich beispielsweise gleichzeitig für Konversion der
Rüstungsbetriebe hin zu einer zivilen Produktion bemühen. Stattdessen besteht die
Gewerkschaft darauf, Drohnen für die Bundeswehr, Panzer für Exporte in alle Welt und
überhaupt mehr Rüstungsprodukte herzustellen. Schon 2011 hat die IG Metall in einer Studie
für mehr Rüstungsexporte plädiert. Um deutsche Arbeitsplätze zu sichern sollten auch
,,Wachstumsmärkte außerhalb Europas" mit Waffen beliefert werden. Als wären Waffen der
einzige Weg um Arbeitsplätze zu sichern.
Die IG Metall fährt eine kriegerische und nationalistische Politik, die selbst den
skrupellosesten Kapitalisten zu übertrumpfen vermag. Kurzfristig mögen die Metaller die
Arbeitsplätze ihrer Mitglieder damit sichern können. Langfristig funktioniert der
nationale Arbeitskampf in einem internationalen kapitalistischen Markt aber nicht. Die IG
Metall muss die nationale Ebene verlassen und sich internationalistisch organisieren. Wenn
die Gewerkschaft dies nicht bald selbst erkennt kann man nur noch zynisch sagen, dass sie
sich nicht beschweren soll, wenn sie irgendwann selbst einmal eine Bombe auf den Kopf
bekommt: Der Hersteller der Bombe wollte ja auch nur seine Arbeitsplätze sichern.
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