(de) FAU-IAA Direct Action #219 - Struggle - Nachrichten von der Klassenfront -- Neues aus Kolumbien, Südafrika, Ägypten, Portugal und der Türkei

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Wed Oct 23 11:38:51 CEST 2013


KOLUMBIEN - EIN LAND IN AUFRUHR - PROTESTE, STREIKS UND REPRESSIONEN ---- Seit Mitte 
August breitet sich in Kolumbien eine Protestwelle aus: Großdemonstrationen, Blockaden 
wichtiger Transportstraßen durch Campesin(a)s, einhergehend mit landesweiten Streiks, 
nicht nur im Agrarsektor, sondern auch im Transport- und Gesundheitswesen. Ein Bündnis von 
rund 2000 Organisationen geht gegen die bisherige elitäre Klientelpolitik in Stellung. Die 
Regierung zeigt jedoch alles andere als Entgegenkommen: Man wolle nicht unter Druck 
verhandeln. Ebenso wird das politische Ausmaß der Proteste verkannt: man wolle - wenn - 
nur branchenweise ins Gespräch kommen, so Innenminister Carillo. Der Staat setzt 
stattdessen auf massive Polizeipräsenz. Zwischenzeitlich ist von über 50 Verletzten und 
fast 200 Festnahmen die Rede. Kolumbiens Medien berichten dabei kaum über die Proteste 
oder das teils brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte.

SÜDAFRIKA - ALLE REIFEN STEHEN STILL

Am 19. August streikten Gewerkschaftsangaben zufolge landesweit rund 31000 
Automobil-ArbeiterInnen und legten die komplette Branche lahm. BMW, Nissan, Mercedes, VW, 
General Motors, Toyota - die Liste der betroffenen Werke ist lang. Der Konflikt ist 
vordergründig auf Grund zweier Faktoren entfacht: Einerseits geht es um unbezahlte 
Ausfallstunden, andererseits um eine echte Lohnerhöhung. Zwar werden von Arbeitgeberseite 
sechs bis acht Prozent in Aussicht gestellt, doch reichen diese gerade mal für einen 
Inflationsausgleich. Die im Konflikt federführende Metallgewerkschaft NUMSA fordert daher 
14 Prozent mehr. Ein Sprecher sagte, die Streiks würden fortgesetzt, bis endlich ein 
besseres Angebot vorliege. Das Land am Kap ist Afrikas größter Autohersteller, jeder 
Streiktag kostet die Branche umgerechnet rund 45 Mio. Euro.

ÄGYPTEN - GEWERKSCHAFTEN ALS HANDLANGER? - GEGENWEHR AUS DER TEXTILBRANCHE

Gewerkschaften hatten es in Ägypten noch nie leicht. Daran änderte weder die Regierung 
noch der Sturz der Muslimbrüder etwas. Auch von der vom Militär initiierten 
Interimsregierung wird ein neoliberaler Kurs fortgesetzt, Gewerkschaften werden zum 
politischen Spielball. So unterstützten alle drei großen Gewerkschaftsverbände (ETUF, EDLC 
und EFITU) die Protestaufrufe des Militärs, welche die Legitimität des Putsches 
unterstreichen sollten. Zudem wurde der Vorsitzende des unabhängigen Gewerkschaftsverbands 
EFITU, Kamal Abu Eita, als Arbeitsminister in die Regierung berufen und drängt seither auf 
Produktionssteigerungen - was einem Appell zum Stillhalten gleichkommt. Allerdings ist die 
Positionierung der Gewerkschaften intern umstritten. Eine Oppositionelle im 
Exekutivkomitee der EFITU, Fatma Ramadan, mahnt die ArbeiterInnen, es nicht zu 
akzeptieren, dass die religiöse Diktatur schlicht durch eine militärische ersetzt würde. 
Schon Anfang August kam es in vielen Textilbetrieben landesweit zu mehrtägigen Streiks, 
angefangen bei der Nasr Spinning and Weaving Company in der Textilhochburg Mahalla. Von 
den Gewerkschaften enttäuscht, fühlen sich die Streikenden keiner Organisation angehörig.

TÜRKEI - UNBERÜHRTER STOFF

12000 ArbeiterInnen in über 30 Textilfirmen traten am 15. August in einen mehrtägigen 
Streik. Für viele Unternehmen war es das erste Mal, dass sie überhaupt mit so einer 
Situation konfrontiert waren. Die Belegschaften fordern eine Lohnerhöhung von 15 Prozent, 
da das Durchschnittseinkommen von 450 Euro für den Lebensunterhalt nicht ausreicht. Der 
Mindestlohn liegt bei gerade mal 380 Euro. Die Unternehmensseite bietet so lediglich drei 
Prozent Erhöhung, und das unter Vorbehalt, als Begründung dienen hierbei wirtschaftliche 
Krisenzeiten. Dass Arbeits- und Lohnbedingungen in der wirtschaftlich wichtigsten Branche 
des Lande nicht angemessen sind, beweist auch die Fluktuationsrate der Fachkräfte von 37 
Prozent. Die globale Gewerkschaftsvereinigung IndustriAll unterstützt den Konflikt, den 
sie als wegweisend für die weltweite Textilbranche einschätzt.

PORTUGAL - SOLIAKTIONEN BEIM SUPERMARKT MINIPREÇO

Am Abend des 25. Juli kam es in den Städten Porto, Lissabon und Faro zu 
Solidaritätsaktionen für vier Beschäftigte, die im Zuge ihrer Beteiligung am Generalstreik 
vom 27. Juni in andere Filialen strafversetzt wurden. Unter Beteiligung der 
anarchosyndikalistischen AIT-SP wurden Hunderte Flugblätter an KundInnen, PassantInnen und 
Beschäftigte anderer Betriebe verteilt. Auf ihnen wurde zum Boykott der Supermarktkette 
aufgerufen und die sofortige Rückversetzung der betroffenen ArbeiterInnen gefordert. In 
Porto gelang sogar die zweistündige Blockade der Kassen einer Filiale.

Zusammengestellt von Redaktion Globales


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