(de) Direct Action #219 - Der große Bruder schaut dich an

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Tue Oct 22 10:22:12 CEST 2013


Telekom zielt auf die Norm +++ E-Mails werden unsicher +++ EU will eigenes Internet +++ 
BND liest weniger mit +++ Apothekenzentrum gibt Daten weiter ---- Telekom greift Daten ab 
---- Die Deutsche Telekom überwacht automatisch sämtlichen Festnetz- und 
Mobilfunk-Verkehr. So heißt es in der Wirtschaftswoche, dass es eine Einsatzgruppe mit der 
Bezeichnung GBS-MIS innerhalb der Telekom gibt. Diese besteht aus mehreren 
Computersystemen. Die Computersysteme werten, so heißt es, die Verbindungsdaten 
automatisch aus und schlagen Alarm bei größeren Abweichungen "von der Norm des 
Durchschnittstelefonierers". So will die Telekom Betrügern und Hackern auf die Spur 
kommen, die im vergangenen 1,9 Millionen Euro Schaden anrichteten.

Doch auch andere Telekomkunden könnten somit im nächsten Jahr ins Visier der 
GBS-MIS-Einsatzgruppen kommen, nämlich solche, die "deutlich mehr telefonieren" als ihre 
aktuelle Flatrate vorsieht. Diese Kunden könnten dann in eine teurere Flatrate wechseln. 
In jedem Fall dürften auch die Behörden von dieser Technologie profitieren.

E-Mail kein sicheres Kommunikationsmittel

Zwei E-Mail-Dienste, die einen verschlüsselten Service angeboten haben, gingen vom Netz. 
Den Kunden der Mail-Services Silent Circle und Lavabit blühte unangenehme Überraschung, 
nämlich dass ihre sämtlichen Nachrichten gelöscht worden waren. Dass beide E-Mail-Dienste 
plötzlich vom Netz gingen, begründeten die Sprecher der Unternehmen damit, der 
US-Regierung zuvorzukommen, die möglicherweise die Herausgabe von Kundendaten erzwingen 
könnte. Während der Sprecher von Silent Circle, dessen Unternehmen sich auf das so 
genannte Smartphone spezialisierte, betonte, dass man darauf vertraut hatte, dass man 
Textnachrichten, Sprach- und Videoanrufe schützen könne, waren E-Mails schon immer 
unsicherer, da sie Standard-Internetprotokolle nutzten. Der Gründer des Lavabit-Dienstes 
betonte: "Wenn ihr dasselbe über E-Mail wüsstet wie ich, würdet ihr es nicht nutzen." 
Beide Anbieter betonten: es gebe weder eine zuverlässige Möglichkeit, den Inhalt einer 
E-Mail zu verschlüsseln, noch eine für die Metadaten. So könne fast jede Regierung 
Provider zwingen, Informationen herauszugeben. Als Alternativen empfiehlt sich der 
E-Mail-Dienst Hushmail, der einen relativ sicheren E-Mail-Service bietet. Auch der 
selbsternannte Hacker Kim Dotcom hat vor einen neuen E-Mail-Dienst mit Sitz in Island 
anzubieten.

Europäisches Internet

Im Zuge des NSA-Skandals hat nun das europäische Parlament in Brüssel darüber diskutiert, 
ob ein unabhängiges Internet und eigener Europäischer Dienst sinnvoll und gewünscht seien. 
"Vor dem Hintergrund der Datenskandale macht es nicht nur ökonomisch Sinn, wenn wir beim 
Internet unsere Abhängigkeit von Amerika verringern", sagte der österreichische 
EU-Kommissar Johannes Hahn der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der EU-Kommissar 
für Regionalpolitik und Strukturhilfen, der mehr als ein Drittel des EU-Haushalts 
verwaltet, will für das Vorhaben Gelder aus dem Straßenbau abziehen. Es gibt zwar keine 
genauen Pläne wie das Ziel erreicht werden soll, doch kann unter dem Eindruck der 
weltweiten Krise und der wirtschaftlichen Konkurrenz davon ausgegangen werden, dass sich 
Europa unabhängig machen wird. Ob dies der Datensicherheit des normalen Internetnutzers in 
Europa dient, kann bezweifelt werden: auch deutsche Behörden haben die Daten der NSA 
verwandt und es kann davon ausgegangen werden, dass das Interesse nicht abgenommen hat.

Der BND darf abhören

Nach dem so genannten G-10-Gesetz über Eingriffe in das Brief-, Post- und 
Fernmeldegeheimnis darf der BND bis zu 20 Prozent der Kommunikation zwischen der 
Bundesrepublik und dem Ausland auf verdächtige Inhalte prüfen. Allerdings gibt der BND die 
abgehörten Fälle mit rückläufigen Zahlen an: von 6,8 Millionen im Jahr 2009 auf 2,9 
Millionen 2011 und rund 800.000 im vergangenen Jahr. Ob der BND hier auf Daten der NSA 
zurückgegriffen hat, bleibt Spekulation. Insgesamt hatte der BND 2012 einen Etat von etwa 
500 Millionen Euro, wovon er 100 Millionen für ein eigenes Überwachungssystem ausgeben 
wollte. Nach Bekanntwerden des NSA-Skandals dementierte er dieses. Genehmigt wurden 
allerdings 50 Millionen Euro für ein solches Projekt.

Apothekenzentrum gibt Daten weiter

Das Apothekenzentrum VSA, welches Teil der Unternehmensgruppe VSA ist, handelt im großen 
Stil mit Kundendaten, wie der Spiegel berichtet. Das Unternehmen ist größtenteils in 
Süddeutschland angesiedelt, der Hauptsitz befindet sich in München. Das Apothekenzentrum 
verkauft Patientendaten in unzureichend verschlüsselter Form an Firmen wie an den in mehr 
als hundert Ländern aktiven US-Konzern IMS Health. Das amerikanische Unternehmen 
beobachtete den Verlauf von 300 Millionen Patienten von denen auch 42 Millionen 
verschiedene gesetzlich Versicherte in Deutschland sind. Die Daten lassen sich bis in das 
Jahr 1992 zurückverfolgen. Der Handel mit Rezeptdaten ist per se legal, allerdings müsse 
dieser verschlüsselt stattfinden. Zwar haben die weitergegebenen Daten einen 64-stelligen 
Code, allerdings ist dieser nur die minimal veränderte Versichertennummer und ließe sich 
schnell zurückrechnen. Zusätzlich werden auch Alter und Geschlecht mit verkauft, und somit 
ist der Rückschluss auf einen Patienten ein Leichtes.

Zusammengestellt von Anton Rühle


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