(de) FdA-IFA, Sonderausgabe Gai Dào N°6 -- "Freiheit ist heute schon da" -- Ein Genderblick zurück -- Von: Christoph Knüppel

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Sun Oct 6 11:20:20 CEST 2013


Die Diskussion um die männliche Dominanz in politischen Gruppen bleibt auch den 
anarchistischen Kreisen nicht erspart, da sie ebenso davon betroffen sind. Mit der 
Veranstaltung "Freiheit ist heute schon da" wird ein Blick gewagt auf das Liebesverhältnis 
eines Anarchisten zu einer jungen Frau vor hundertzwanzig Jahren. Vielleicht bietet dieser 
historische Blick auf damalige Verhaltensweisen und Denkstrukturen die Möglichkeit, eine 
Kritik an männlichem und weiblichem Verhalten zu entwickeln, die auch den anarchistischen 
Diskurs weiterbringt. ---- "Freiheit ist heute schon da" ---- Gustav Landauers Briefe an 
Clara Tannhauser aus dem Jahr 1892 Die vorliegenden Briefe und Tagebuchaufzeichnungen 
Landauers stammen aus einer Phase, die Landauers amerikanischer Biograph Eugene Lunn "The 
education of an anarchist", die Ausbildung zum Anarchisten, genannt hat. Landauer, gerade 
mal 22 Jahre alt, stand damals
im Übergang vom Studenten zum Schriftsteller und "Antipolitiker"
(wie er sich seit 1897 nannte), im Übergang auch von dem bürgerli-
chen Idyll seiner süddeutschen Heimat zu der von Industriebetrieben
und Klassengegensätzen geprägten Reichshauptstadt Berlin, wo er
die nächsten 25 Jahre seines Lebens zubringen wird. In dieser Phase
verliebt er sich in die 20-jährige Clara Tannhauser aus Buttenhausen,
der Heimat seines Vaters, lässt sich daraufhin im benachbarten Urach
nieder, um seinen Roman "Der Todesprediger" zu vollenden, und ver-
lobt sich "im Stillen" mit ihr. Clara war die Tochter eines jüdischen
Viehhändlers, ihre Eltern waren konservative und gläubige Juden
und durften natürlich nichts von dieser Verbindung wissen. Landau-
er war damals inspiriert von den Schriften Nietzsches und Stirners,
aber auch von der "freien Liebe", die von Sozialdemokrat*innen und
Anarchist*innen gleichermaßen propagiert wurde. Ausgehend von
einzelnen Briefabschnitten wäre zu fragen: Was verstand man damals
unter "freier Liebe"? Welchen Spielraum hatte Landauer, um eine "freie
Liebe" jenseits staatlicher und sozialer Zwänge zu leben, und wie nutz-
te er diesen? Welche Rollenerwartungen richtete Landauer an sich und
seine Geliebte? Und schließlich: Was für eine Funktion nimmt später
in Landauers Anarchismus die Ehe ein, die er gegen seinen Freund
Erich Mühsam verteidigt?
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"Freiheit ist heute schon da" Ein Genderblick zurück

15.11. Augustastraße 58, 58452 Witten, Trotz Allem
Einlass: 19.00 Uhr Beginn: 20.00 Uhr
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