(de) FdA-IFA, Sonderausgabe Gai Dào N°6 -- Das A und O -- Anarchismus und Organisierung -- Von: Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr (AFRR)

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Sat Oct 5 13:58:50 CEST 2013


Du liest in dieser Zeitung oft etwas vom Organisieren des gemeinsamen Kampfes. Doch warum 
ist es wichtig, sich zu organisieren und mit anderen Gleichgesinnten zusammenzuschließen? 
--- Allein machen sie dich ein ---- Grundsätzlich dürfte erstmal klar sein, dass du in 
welchen Belangen auch immer erfolgreicher und effektiver bist, wenn du dich mit anderen 
zusammentust. Egal ob du dein Fahrrad reparieren, den Garten für Gemüseanbau umgraben oder 
eine Blockade gegen einen Naziaufmarsch auf die Beine stellen willst: Zusammen mit anderen 
wird dir das alles viel besser gelingen als alleine. Das letzte Beispiel zeigt, dass es 
vor allem beim sozialen Engagement und dem Kampf für eine herrschaftsfreie Gesellschaft 
besser ist sich zu organisieren.

Doch welche Partei wäre am besten dafür?

Keine. Parteien sind ziemlich zähe, bürokratische und vor allem hi-
erarchische Organisationen. Selbst wenn mensch sich dort mit den
besten Absichten organisiert, so wird mensch spätestens bei Wahlen
erfahren, wie machtgeil Menschen durch diese Form der Organisati-
on werden. Damit eine Partei ihre Ziele überhaupt umsetzen kann,
braucht sie viele Stimmen bei Wahlen. Dadurch beschränkt sich Par-
teiarbeit zunächst mal darauf den Wählern viel zu versprechen, in
der Hoffnung, sie wählen die Partei. Dazu kommen interne Duelle
um die besten Positionen in der Partei und wer als Spitzenkandidat*in
in den Wahlkampf darf. Außerdem gibt es immer wieder Berichte
über Lobbyismus, die zeigen, dass alle, die mal an der Macht waren
oder auch nur daran geschnuppert haben, lieber aufs Geld achten als
auf ehrenwerte Ziele. Macht macht nun mal krank. Die Grünen sind
ein sehr schönes Beispiel dafür, wie eine früher recht radikale Partei
zum Laufburschen für die Herrschenden wurde und ihre vorherigen
Ziele aufgab und ihre Versprechen nicht einlösen konnte oder woll-
te. Generell muss mensch sagen, dass das parlamentarische System
nicht wirklich dafür geeignet ist, emanzipatorische Änderungen in
der Gesellschaft zu ermöglichen. Demokratie ist letztendlich auch
nur eine weitere Form der Herrschaft und Machtausübung. Eine Be-
teiligung der Menschen am politischen Geschehen ist nur durch die
Wahlen erwünscht und außerdem: Wahlen ändern nichts, sonst wä-
ren sie verboten!

Und was ist mit außerparlamentarischen NGOs?

Die sogenannten NGOs (Non-Goverment-Organizations, also Nicht-
regierungsorganisationen) sind auch sehr kritisch zu betrachten.
NGOs verfolgen eigentlich immer reformistische Ziele und es fehlt
eine radikale Kritik des Bestehenden, dass heißt, sie wollen beispiels-
weise den Kapitalismus nicht abschaffen, sondern "verbessern" und
"menschlicher" machen. Dazu betreiben NGOs Lobbyarbeit und su-
chen gezielt den Kontakt zu den Herrschenden und ihren Instituti-
onen. Sie versuchen Plätze in Gremien zu ergattern, um an einem
Tisch mit der Regierung zu sitzen. Sie wollen also in gewisser Weise
an der Macht teilhaben. Außerdem sind auch NGOs hierarchisch or-
ganisiert. Sie werden von Funktionär*innen geführt und der Kontakt
zur Basis, also zu den eigentlichen Unterstützer*innen, bleibt auf der
Strecke. Die Arbeit der NGOs geht nicht von unten aus, sondern eben
von den Funktionär*innen, welche fast schon "auf Du" sind mit Re-
gierungsmitgliedern. NGOs zeichnen sich also dadurch aus, dass sie
am politischen System teilnehmen, anstatt es zu bekämpfen und ech-
te Alternativen zu schaffen.
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Organisierungstreffen

14.12. Wallbaumweg 108, 44894 Bochum,
Bahnhof Langendreer, ab: 14.00 UHR
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Wie organisiert sich denn die anarchistische Bewegung?

Die Frage nach der Organisation von Menschen im Kampf für eine
herrschaftsfreie Gesellschaft ist eine grundlegende Frage des Anar-
chismus. Es gibt Anarchist*innen, die lieber in kleinen sogenann-
ten Bezugs- oder Affinitätsgruppen agieren. Dadurch gibt es eine
recht hohe Flexibilität und es können leicht kleine spontane Ak-
tionen durchgeführt werden. Andere
Anarchist*innen versuchen beispielswei-
se auch Föderationen zu bilden, um Grup-
pen zu vernetzen und gegenseitige Hilfe
und Unterstützung zu erleichtern. Dafür
braucht mensch natürlich eine gewisse
Struktur. Egal ob in kleinen Bezugsgrup-
pen oder großen Föderationen: Es ist
wichtig, dass Entscheidungen von allen
getroffen werden und alle Menschen die
gleichen Chancen haben sich einzubin-
den. Wir brauchen also eine horizon-
tale Organisationsstruktur und keine
Funktionär*innen oder Anführer*innen.
Doch auch ohne solche formellen Führungspositionen können Hi-
erarchien entstehen. Wissenslücken zwischen den Menschen soll-
ten durch Bildungsarbeit geschlossen werden. Vor allem muss auch
das eigene Verhalten hinterfragt werden und der Respekt anderen
gegenüber immer aufrechterhalten werden. Diese Dinge müssen
gemeinsam von den Gruppen bearbeitet werden, denn sonst droht
eine schleichende Hierarchisierung.
Außerdem kann es bei größeren Orga-
nisationen passieren, dass die Arbeit
der Leute nur noch darin besteht, die
Organisation selbst am Leben zu hal-
ten. Wohin gegen kleine Bezugs- und
Affinitätsgruppen sich oft in einer Ver-
einzelung wiederfinden und oft weniger
Kontinuität aufweisen. Eine der Stärken
der anarchistischen Bewegung ist also
die enorme Vielfältigkeit - inhaltlich
ebenso wie praktisch.


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