(de) Gai Dao Interview zur Kampagne "Zeit für Plan A" Von: Redaktion Gai Dao

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Thu Oct 3 12:29:24 CEST 2013


1. Stellt euch bitte kurz vor. (Wie kam es zur Initiative AFRR? ---- Welche Gruppen gibt 
es? Wie hat sich die Initiative vom ersten Treffen auf der 2. Libertären Medienmesse bis 
heute entwickelt?) Petra: Zur Initiative AFRR kam es, weil mehrere Leute unabhängig 
voneinander das Bedürfnis nach anarchistischer Organisation hatten. Durch einen Zufall 
kamen diese Leute dann zusammen. Durch einen Kontakt zu den Organisator*innen der 2. 
libertären Medienmesse wurde es möglich ein erstes öffentliches Treffen auf eben dieser 
Messe zu organisieren. ---- Heinz: Und dieses Treffen war riesig. Über 50 Menschen hatten 
sich versammelt, um über die Möglichkeit einer anarchistischen Föderation im Ruhrgebiet zu 
diskutieren. (lacht) Leider konnte dieser Schwung nicht ganz rüber gerettet werden. Aber 
es gibt jetzt immerhin eine Gruppe in Dortmund, eine in Bochum und eine weitere in 
Düsseldorf, die im weitesten Sinne aus diesem Treffen hervorgegangen sind.

Mit der anarchichstischen Gruppe östliches Ruhrgebiet gibt
es darüber hinaus auch schon eine Gruppe, die Mitglied der Föderati-
on deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) ist.

Petra: Grundsätzlich sind wir aber mit dem letzten Jahr sehr zufrie-
den. Den unser anarchistischer Organisierungsversuch ist sicher-
lich der größte und ernstzunehmendste Versuch seit langer Zeit im
Rhein/Ruhr-Gebiet. Der aktuelle Stand sieht so aus, dass sich die lo-
kal bildenden Gruppen in erster Linie auf sich und ihre Arbeit kon-
zentrieren. Was für uns logisch ist, denn diese Initativen müssen sich
ja auch erst einmal festigen. Wir wünschen uns aber alle für die Zu-
kunft eine stärkere Vernetzung und dass die föderative Struktur der
AFRR weiter aufgebaut wird.

2. Warum eigentlich eine Anarchie-Kampagne im Gebiet zwischen
Rhein und (Auf)Ruhr?

Heinz: Nun, wir wissen, dass es im Ruhrgebiet viele Menschen gibt,
die sich entweder als Anarchist*innen verstehen oder aber der anar-
chistischen Idee sehr positiv gegenüberstehen. Aber oft sehen sie in
der anarchistischen Bewegung (noch) keine organisatorische Alter-
native. Deshalb sind sie oft in Gruppen aktiv, wo sie politisch eine
Minderheit darstellen. Wir wollen unter anderem zeigen, dass die
anarchistische Bewegung in unserer Gegend schon jetzt in der Lage
ist, ambitionierte Projekte durchzuziehen.

Petra: Nicht zu vergessen all die anderen Menschen, die bei Anar-
chie nur all zu gerne an ,,Chaos und Gewalt" denken. Ihnen wollen
wir die Idee der Anarchie vor allem inhaltlich näher bringen. Denn
wir wissen aus vielen Gesprächen, dass die meisten Menschen Aus-
beutung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen für
keine gute Idee halten. Die Frage ist halt, wie kommt man zu einer
Gesellschaft, wo das realisiert ist? Das versuchen wir mit unserer
Kampagne zu beantworten.

Bernd: Oder besser: wir versuchen mit dieser Kampagne mit den
Menschen über genau diese Fragen ins Gespräch zu kommen. Ant-
worten haben wir ja oft selbst nicht, sondern sind oft noch Suchende.
Denn unser Weg ist ein Prozess und wir maßen uns nicht an, Ant-
worten auf alle dringenden Fragen geben zu können, den wie könn-
ten wir uns anmaßen, als relativ kleiner Zusammenhang Antworten
für alle Menschen zu finden? Das würde unseren Ideen und Idealen
widersprechen.

3. Und warum gerade jetzt?

Bernd: Ich verstehe die Frage nicht ganz. Aber ich glaube, dass wir
keinen besonderen Grund hatten, es jetzt zu machen. Ich meine, es
gibt keinen anarchsistischen Jahrestag oder irgendein anderes Ereig-
nis, dass wir als Anlass genommen haben.

Petra: Es war so, das einfach irgendjemand die Idee eingebracht hat,
und es dann sofort Leute gab, die gesagt haben: "Ja, das machen wir".
Wir hielten und halten es einfach für einen guten Einfall, die Idee der
Anarchie mal ganz gezielt und konzentriert in der Region zwischen
Rhein und Auf-Ruhr vorzustellen.

4. Wen wollt ihr mit der Kampagne ansprechen?

Heinz: Es gibt eigentlich gleich drei Zielgruppen. Die erste sind wir
selbst. Denn wie Bernd schon gesagt hat, sind wir selbst noch ,,Su-
chende". D. h. auch wir lernen viel in und durch diese Kampagne. Eine
zweite Zielgruppe sind all die Anarchist*innen, die noch in anderen,
nicht-anarchistischen Gruppen aktiv sind. Ihnen wollen wir zeigen,
dass die Bewegung, bei allen Schwächen, schon eine Alternative als
Selbstorganisierung darstellt. Natürlich erwarten wir nicht, dass sie
deshalb alle bei uns eintreten - aber wir hoffen auf mehr Kontakte,
Kooperationen und ehrlich gesagt auch auf weitere, neue, explizit
anarchistische Gruppen im Rhein/Ruhrgebiet. Die dritte Zielgruppe
sind Menschen, die sich nicht in anarchistischen und linksradikalen
Kreisen bewegen, welche wir versuchen wollen mit unseren Ideen zu
begeistern. Da wollen wir auch ganz klar aufzeigen: Dieses System ist
nicht alternativlos, wie es allzu oft dargestellt wird!

5. Und wie wird die Kampagne genau ablaufen? (Orte, Veranstal-
tungsformen, usw)

Petra: Am Anfang hatten wir sehr viele und sehr kreative Ideen was
die Formen, aber auch was die Orte und so anging. Leider konnten
wir vieles davon dieses Mal noch nicht umsetzen. Noch sind wir
einfach zu wenige und manchmal fehlen uns auch einfach die nö-
tigen Kontakte. So ist am Ende ein Programm übrig geblieben, das
sich meist des klassischen Vortrags mit anschließender Diskussion
bedient. Wir haben aber auch versucht, einige kulturelle Veranstal-
tungen zu organisieren, genauso dürft ihr auf die eine oder andere
Aktion gespannt sein.

6. Könnt ihr etwas mehr über das Veranstaltungsprogramm der
Kampagne verraten?

Bernd: Das wird sehr bunt sein! Es gibt Veranstaltungen zu Gentri-
fizierung, Knast, Genderfragen, zum Anarcho-Syndikalismus, poeti-
sche Abende, etwas zur Situation in Griechenland und vieles, vieles
mehr. So wie es aussieht werden wir nicht alle Veranstaltungen in
unseren gedruckten Materialien stehen. Achtet deshalb bitte auf un-
seren blog zeit-fuer-plan-a.de, welche als Mobilisierungs Seite wäh-
rend der Kampagne dienen wird.

7. Und wie organisiert ihr das alles?

Heinz: Die Antwort ist einfach: Selbst. Wir machen das alles in un-
serer ,,Freizeit", also neben Beruf, Studium, Schule oder Arbeitslosig-
keit. Wir bekommen von niemandem Geld dafür und sind auch sonst
von niemandem abhängig.

Petra: An dieser Stelle müssen wir aber dringens die Föderation
deutschsprachiger Anarchist*innen erwähnen, die uns nicht nur mit
einer Sonderausgabe der Gai Dao, sondern auch mit Flyern, und Pla-
katen und jeder Menge Arbeitskraft dabei unterstützt. Ohne diese di-
rekte Form von Hilfe wäre die Kampage in dieser Form nicht möglich
gewesen.

8. Kann man sich noch aktiv an der Planung/Durchführung betei-
ligen?

Heinz: Die Kampagne als solches steht nun schon. Aber wer weiß,
vielleicht bleibt das ja keine Eintagsfliege und wir wiederholen das
noch mal. Ihr könnt euch schon jetzt mit euren Ideen an uns wenden.
Denn es muss ja nicht sein, dass wir die nächste Kampagne organsie-
ren. Vielleicht macht ihr das ja dann? Und wir stellen nur den Kon-
takt zu euch her ;)

Bernd: Und für die ganz Ungeduldigen: Wenn ihr unbedingt noch
in dieser Kampagne eine Veranstaltung unterbringen wollt, dann
meldet euch ruhig bei uns. In das gedruckte Programm können wir
sie dann zwar nicht mehr aufnehmen, aber wir aktualisieren gerne
unsere Webseite.

9. Gibt es etwas, was man tun kann, um euch zu unterstützen?
Bernd: Ja klar:

Es gibt immer etwas zu tun. Am besten nehmt ihr
dazu Kontakt zu den an der Kampagne beteiligten Gruppen auf und
fragt was ihr konkret tun könnt, oder bietet selbst konkrete Hilfe an.
Und was ihr natürlich alle immer gerne tun könnt, ist Geldscheine
in die Spendenboxen zu werfen, die bei jeder Veranstaltung da sein
werden. Denn noch leben wir im Kapitalismus und wir haben nicht
wenige Kosten.

10. Letzte Worte?

Petra: Es gäbe sicherlich noch sehr viel zu erzählen. Aber an dieser
Stelle möchte ich nur noch auf das Organisierungstreffen am Ende
der Kampagne hinweisen. Wir hoffen, im Rahmen der Kampagne
Menschen oder gar schon bestehende Gruppen für die Anarchis-
tische Föderation Rhein/Ruhr (AFRR) begeistern zu können. Das
Organisierungstreffen soll für verschiedene Aspekte offen sein. So
könnten wir uns einerseits vorstellen, Hilfestellunge für sich gera-
de gründende Gruppen zu bieten, und andererseits würden wir uns
auch darüber freuen, den Prozess der Föderierung in unserer Region
weiter nach vorne zu bringen.


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