(de) Gai Dào Sonderausgabe #6 - Zeit für Plan A Was ist die Föderation deutsch-sprachiger Anarchist*innen? Von: Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA)

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Tue Oct 1 11:26:04 CEST 2013


Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) ist ein Zusammenschluss von 
anarchistischen Gruppen, lokalen Föderationen und Netzwerken, sowie einigen 
Einzelpersonen, in deren Region keine anarchistischen Gruppen existieren. Zurzeit finden 
sich FdA-Mitglieder hauptsächlich im Osten, Westen und Südwesten Deutschlands, sowie der 
deutschsprachigen Schweiz. Generell steht die FdA allen interessierten Personen und 
Zusammenhängen im deutschsprachigen Raum, d. h. Deutschland, Österreich und der Schweiz 
offen, die die Prinzipien der FdA unterstützen. ---- Wieso deutschsprachig? ---- 
Deutschsprachig meint in diesem Fall den geografischen Sprachraum, also Deutschland, 
Österreich und den nördlichen Teil der Schweiz.

Denn obwohl der Anarchismus seit jeher eine internationale
Bewegung war und ist, existieren dennoch Nationalstaaten und
verschiedene Sprachräume, was sich auch in der anarchistischen Or-
ganisation wiederspiegelt. Das bedeutet, das wir uns zunächst prag-
matisch in einem bestimmten Gebiet organisieren, in dem eine solche
Organisation Sinn macht, also im Falle der FdA im Raum derselben
Muttersprache.

Die Praxis hat gezeigt, dass bspw. bestimmte Projekte oder Kampag-
nen sprachraumübergreifend möglich sind, eine permanente Arbeit
durch verschiedene Sprachkompetenzen jedoch massiv erschwert
oder nur von einigen privilegierten Menschen mit entsprechenden
Fähigkeiten geleistet wird. Dennoch denken wir natürlich nicht, dass
unsere Arbeit - ebensowenig wie die Gesellschaft, die wir uns wün-
schen - an Sprach- oder Nationalgrenzen stehenbleiben kann und
muss. Neben uns existieren weitere anarchistische Föderationen und
Zusammenschlüsse in Europa und dem Rest der Welt, die sich nach
ähnlichen Gesichtspunkten organisieren.

Dennoch wollen wir nicht an diesem Status Quo stehen bleiben, son-
dern Mittel und Wege entwickeln Sprachdifferenzen zu kompensie-
ren und bestenfalls zu überwinden. Dabei ist uns bewusst, das un-
terschiedliche Sprachkompetenzen nicht nur am Gegenüber, sondern
auch an uns selbst liegen.

Wieso überhaupt organisieren?

Ganz allgemein denken wir, dass es eine Vielzahl von Gründen gibt,
sich in einem politischen Zusammenhang zu organisieren. Zunächst
ist es eine persönliche Bereicherung und Stütze, die Kontinuität be-
sitzt. Eine Gruppe, die sich regelmäßig trifft entwickelt Vertrauen
untereinander, was einen respektvollen und ehrlichen Umgang mit-
einander ermöglicht. Gleichzeitig ist eine Gruppe weit handlungsfä-
higer als eine, oder mehrere versprengte Einzelpersonen. Kontinuier-
liche Arbeit oder das Realisieren größerer Projekte fällt dadurch viel
leichter, wenn anfallende Aufgaben oder benötigte Ressourcen auf
möglichst vielen Schultern verteilt werden.

Darüber hinaus werden die meisten von uns, die in politischen Ba-
sisgruppen aktiv sind, irgendwann an deren Grenzen stoßen. Viele
Projekte können nicht realisiert werden, weil etwa die Infrastruktur,
die finanziellen Mittel oder die personellen Kapazitäten fehlen. Da-
neben kann sich auf Dauer eine gewisse Frustration breit machen,
wenn die eigene Arbeit vor Ort stagniert, keine sichtbaren Ergebnisse
nach sich zieht oder man sich allgemein als kleine Gruppe verloren
oder handlungsunfähig fühlt. Dabei gibt es eine Vielzahl von Grup-
pen, Projekten und Menschen, die ähnliche Vorstellungen von einer
zukünftigen Welt und dem Weg dorthin haben. Für uns erscheint es
daher logisch, dass diese Gruppen und Menschen sich austauschen,
vernetzen und zusammenschließen, sei es aus pragmatischen Grün-
den um Informationen, Ressourcen und Kontakte zu bündeln, aber
auch um sich inhaltlich und thematisch auszutauschen und zu dis-
kutieren.

Und wieso überregional?

Die meisten von uns, die in politischen Basisgruppen aktiv sind wer-
den irgendwann an deren Grenzen stoßen. Viele Projekte können
nicht realisiert werden, weil etwa die Infrastruktur, die finanziellen
Mittel oder die personellen Kapazitäten fehlen. Daneben kann sich
auf Dauer eine gewisse Frustration breit machen, wenn die eigene
Arbeit vor Ort stagniert, keine sichtbaren Ergebnisse nach sich zieht
oder man sich allgemein als kleine Gruppe verloren oder handlungs-
unfähig fühlt. Dabei gibt es eine Vielzahl von Gruppen, Projekten
und Menschen, die ähnliche Vorstellungen von einer zukünftigen
Welt und dem Weg dorthin haben. Für uns erscheint es daher
logisch, dass diese Gruppen und Menschen sich
austauschen, vernetzen und zusammenschließen, sei es
aus pragmatischen Gründen um Informationen, Ressourcen
und Kontakte zu bündeln, aber auch um sich inhaltlich
und thematisch auszutauschen und zu diskutie-
ren.

Wie organisiert ihr euch?

Organisation ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug in
unserem Eintreten für eine befreite Gesellschaft. Daraus resultiert
auch unsere Anforderung an eine Organisierung, die Ideale und
Prinzipien dieser angestrebten Gesellschaft bereits in sich zu tragen.
Konkret bedeutet das beispielsweise, das wir keine hierarchiefreie
Gesellschaft mit einer hierarchischen Organisation erreichen kön-
nen und wollen.

Wir organisieren uns föderalistisch, das bedeutet auf Basis von Frei-
willigkeit, gegenseitiger Solidarität und eigener Verpflichtung, mit
größtmöglicher Autonomie der Mitglieder. Für die FdA bedeutet das
praktisch, dass alle Mitgliedsgruppen und -personen ihre jeweilige
lokale Arbeit nach eigenen Wünschen und Vorstellungen gestalten
und durchführen und sich gleichzeitig und gemeinsam als FdA kon-
tinuierlich untereinander austauschen, gegenseitig unterstützen und
gemeinsame Projekte realisieren. Nach demselben Prinzip organi-
sieren wir uns unter und oberhalb der FdA. So ist die Anarchisti-
sche Föderation Berlin beispielsweise bereits ein Zusammenschluss
verschiedener Berliner Gruppen, während die IFA ein Zusammen-
schluss von Föderationen aus verschiedenen Ländern und Sprachräu-
men ist. Die Arbeit innerhalb der FdA funktioniert prinzipiell mit-
tels Deligierter mit imperativem Mandat, d.h. eine Gruppe bespricht
anstehende Th emen, geplante Aktionen oder vorgeschlagene Texte
und schickt eine Person zu einem FdA-Treffen, die dort die zuvor
erarbeitete Position der Gruppe vertritt bzw. den Diskussionsstand
erläutert, falls keine gemeinsame Position gefunden wurde. Bei Ent-
scheidungen oder der Verteilung von Aufgaben ist die Person dafür
verantwortlich, wirklich die Meinung bzw. Entscheidung der Gruppe
wiederzugeben.

Jedoch ist dies nur unsere Minimalanforderung. Da wir informellen
Austausch und persönliches Kennenlernen ebenso wichtig erachten,
wie produktives Arbeiten und darüber hinaus keine Organisation ei-
ner kleinen Gruppe von Deligierter sein wollen, versuchen wir mög-
lichst viele einzelne Mitglieder in die Arbeit, Diskussion und Struk-
tur der FdA einzubinden.

Wie sieht eure Arbeit konkret aus?

Die Föderation bietet eine Plattform für den gemeinsamen Erfah-
rungsaustausch und eine überregionale, kontinuierliche Zu-
sammenarbeit. Wir unterstützen uns gegenseitig bei größeren
Projekten oder Problemen, sei es durch materielle Ressourcen,
speziellem Know-How oder der Vermittlung von Kontakten.
Die relativ große, geografische Verbreitung erleichtert die
Mobilisierung zu verschiedenen Themen
und Aktionen, oder die Verteilung von
Material und ermöglicht bspw. vergleichs-
weise problemlos die Organisation von Rund-
reisen, Infotouren oder anderen koordinierten
Aktionen.

Darüber hinaus versuchen wir unser individuelles
Wissen und unsere Fähigkeiten zusammen zu tra-
gen und weiter zu geben, etwa durch die Sammlung von Tutorials, ver-
schiedenen Ressourcenpools über Referent*innen, Übersetzer*innen
oder bestimmten Adressen und Anlaufstellen oder durch Text-, Mu-
sik- und Bildarchive.

Neben der Praxis diskutieren wir über verschiedene Theorien und
Ansätze und versuchen unser Verständnis des Anarchismus kontinu-
ierlich weiter zu entwickeln und den aktuellen Gegebenheiten anzu-
passen. Dies beinhaltet aktuelle Ereignisse und unsere Stellung dazu,
ebenso wie langfristige Perspektiven und Ziele, oder die permanente
Reflexion über Zustand und Sinn unserer Organisation.

---------------------------------------------
Was ist die Föderation deutschprachiger
Anarchistinnen (FdA)?
19.10. AZ Wuppertal, Markomannenstr. 3, 42105 Wuppertal,
ab: 19.00 Uhr.*
----------------------------------------------

Dazu veröffentlichen wir Texte, Broschüren und Bücher und betei-
ligen uns mit Artikeln oder Redebeiträgen an laufenden Debatt en.
Neben anderen Veröffentlichungen, wie Postern, Aufklebern oder
T-Shirts ist unser größtes publizistisches Projekt unsere monatliche
Zeitschrift, die Gaidao.

Obgleich offiziell "unsere" Zeitschrift, versteht sie sich trotzdem als
autonomes Projekt. Sie ist nicht alleiniges Organ unserer Ideen und
Ansichten, sondern vielmehr ein offenes Forum, in dem über die Ge-
genwart berichtet und über die Zukunft diskutiert wird. Seit 2011 er-
scheint sie regelmäßig. War sie zu Beginn ein reines Online-Medium,
so haben ein vielfältiges, positives Feedback und der Wunsch einiger
Redakteur*innen dazu geführt, dass sie seit Beginn des Jahres 2013
nun auch gedruckt erscheint und regulär abonnierbar ist.

Unser Arbeitsfeld ist, ebenso wie die Wahl unserer Mittel und Ak-
tionsformen, unspezifisch, aber nicht beliebig. Alle Mitglieder tra-
gen Themen, mit denen sie sich aktuell beschäft igen oder zukünft ig
beschäftigen wollen in die Föderation, woraufhin diskutiert wird, in
wie weit eine Beteiligung oder Unterstützung möglich ist.

Im deutschsprachigen Raum versuchen wir uns mit verschiede-
nen emanzipatorischen Strukturen und Projekten zu vernetzen,
um miteinander über verschiedene Themen zu diskutieren und
gegenseitige Unterstützung in verschiedenen Kämpfen zu
leisten. Wir unterstützen überregionale Mo-
bilisierungen zu Demonstrationen und
Solidaritätsaktionen und beteiligen uns
in vielfältiger Form an Kämpfen und Pro-
testen (nicht nur) der radikalen Linken.

Wir engagieren uns mittlerweile wieder verstärkt
auf internationaler Ebene in der IFA und setzen
die Solidaritätsaktionen, die in diesem Rahmen
initiiert werden, in unserem Wirkungsgebiet um.

Daneben arbeiten wir punktuell mit anarchistischen Strukturen aus
angrenzenden Ländern zusammen und versuchen diese Zusammen-
arbeit weiter auszubauen und zu intensivieren. Neben praktischen
Aktionen arbeiten wir auf dieser Ebene an strukturellen Problemen
der internationalen Zusammenarbeit, wie verschiedenen Sprach-
kompetenzen oder dem Zugang zu materiellen Ressourcen und ver-
suchen Lösungsansätze zu entwickeln und zu erproben.

Wie kann ich Mitglied werden?

Jede*r, der oder die Interesse daran hat, in der FdA mitzuwirken,
kann uns gerne jederzeit kontaktieren, entweder via E-Mail (fda-
organisation at riseup.net) oder auch gerne persönlich, d. h. über jede
Gruppe, Netzwerk oder Föderation, die Teil der FdA ist. Spezielle Vo-
raussetzungen oder Bedingungen, um bei uns mitzumachen, gibt es
nicht, abgesehen davon, dass du natürlich die Ideen des Anarchismus
und unsere Prinzipien, Projekte und Vorstellungen gut und unter-
stützenswert finden solltest. Falls du in einer Stadt/Region lebst, in
der es bereits FdA-Mitglieder gibt, würden wir dich mit diesen in
Kontakt bringen, falls dies nicht sowieso schon geschehen ist. Die
Menschen vor Ort würden sich dann je nach Bedürfnis ein, oder
mehrere Male ganz ungezwungen mit dir treffen, damit ihr euch
gegenseitig kennenlernen könnt, du alle Fragen, die du so rund um

die FdA hast, loswerden kannst und beide Seiten schlussendlich
entscheiden, ob eine Mitgliedschaft für alle Sinn macht. Praktisch würde
die Mitgliedschaft in der FdA in diesem Fall über den Eintritt in die
jeweilige Gruppe funktionieren. Das hat den Hintergedanken, dass
wir die Erfahrung gemacht haben, dass ein Zusammenschluss von
mehrheitlichen Einzelpersonen in dieser geografischen Größe wenig
Sinn macht. Viele Menschen haben einfach nicht die Kapazitäten, um
sich alleine ausreichend in der FdA einzubringen, ständig auf dem
neuesten Stand zu sein, zu den Treffen zu fahren, an Projekten
mitzuarbeiten, gerade wenn sie lokal noch in anderen Projekten einge-
bunden sind, oder sowieso wenig Zeit durch Lohnarbeit, Familie oder
Ausbildung haben. Darüber hinaus sind Diskussionen und Entschei-
dungsprozesse weit zeitaufwendiger und teilweise gar nicht durch-
führbar, wenn sie von Dutzenden oder Hunderten Individuen zentral
geführt werden, als vorher in lokalen Zusammenhängen.

Falls du aus einer Region kommst, in der es keine FdA-Mitglieder
gibt, oder du aus irgendwelchen Gründen nicht Teil einer lokalen
Gruppe werden kannst oder willst, ist das natürlich kein prinzipiel-
ler Hinderungsgrund. Wenn dies auf dich zutrifft, melde dich einfach
bei uns, wir finden dann gemeinsam eine Lösung.


More information about the A-infos-de mailing list