(de) FdA-IFA, Gai Dào #34 - Die Escuelita -- Ein neues Projekt der zapatistischen Gemeinden Von: John Singer

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Sun Nov 17 17:16:49 CET 2013


Vom 11. bis 17. August fand im Bundesstaat Chiapas, Mexiko, die ,,Escuelita" statt. Der 
Einladung der Zapatist*innen waren rund 1.700 Interessierte aus nahezu allen Teilen der 
Welt gefolgt, um von der seit fast 20 Jahren bestehenden Bewegung zu lernen, was Freiheit 
heißt. Aus der Überlegung heraus, dass diese Schule nicht nur für die Teilnehmenden 
interessant war, sondern auch Anstoß und Ideengeberin für eine Diskussion sein kann, 
entschloss ich mich einen Artikel darüber zu schreiben. Dieser teilt sich in zwei Teile, 
was ich hier ankündige, damit ihr den für euch vielleicht interessanten Teil schneller 
anpeilen könnt. Der erste ist eine subjektive Beschreibung, wie ich die Teilnahme 
empfunden habe und wie im Groben der Ablauf war, so dass ihr euch ein Bild davon machen 
könnt - und euch außerdem überlegen könnt, ob das für euch vielleicht sogar auch 
interessant wäre, da die kleine Schule im Dezember 2013 und Januar 2014 nochmal 
stattfinden wird, worüber ihr euch auf enlacezapatista.

ezln.org.mx informieren könnt. Der zweite Teil widmet sich dann der
versuchten Einordnung und Interpretation der Einladung zur Schule.

Zu dieser ersten Runde konnten sich alle Eingeladenen nun am Sonn-
tag, dem 11. August, als "Schüler*innen" des ersten Niveaus "Der
Kleinen Schule der Freiheit laut den Zapatist*innen" einschreiben
und ihre vier Bücher entgegennehmen, die zugleich Grundlage des
Unterrichts sein sollten: "Autonome Regierung I und II", "Autonomer
Widerstand" und "Frauen in der autonomen Regierung". Mit diesen
vier Büchern wurden je 300 der 1.700 Schüler*innen in eines der fünf
Caracoles (1) geschickt, während die restlichen 200 für die kommen-
den Tage im CIDECI, oder auch der Universidad de la Tierra, in San
Cristóbal blieben und einen etwas anderen Ablauf als der Rest von
uns hatten. Der Ablauf, der im Folgenden beschrieben wird, enthält
vor allem meine ganz persönliche Erfahrung, während ich jedoch
versuche Informationen mit einfließen zu lassen, die ich in nachfol-
genden Gesprächen mit anderen Teilnehmenden gesammelt habe.

Insgesamt hatte ich bei diesen das Gefühl, dass der grundlegende Ab-
lauf schon ähnlich war, wenn jedoch auch in seiner Konkretheit vari-
ierte und natürlich auch in seiner Wahrnehmung und Interpretation.

Der Unterricht wurde dann also in den Caracoles begonnen, in denen
am Montag die Eröffnung durch Vorträge stattfand. Diese von den
uns als Lehrer*innen Vorgestellten gehaltenen Vortrage stellten im
Grunde die Idee des Zapatismus nochmal vor und erzählten damit für
mich eigentlich wenig Neues. Den Abschluss der Reden bildete eine
halbe Stunde für Fragen, in denen teilweise sehr interessante Dinge
angesprochen wurden, wie zum Beispiel der Umgang mit Müll und
Umwelt oder aber auch der - für manche sehr problematische - Bezug
zum Nationalismus. (2) Leider hatte ich aber auch bei diesen Antwor-
ten das Gefühl, dass die Fragen eher umschifft wurden, als sie direkt
aufzunehmen. Anmerken will ich hier jedoch nochmal besonders,
dass dies nur für meine persönliche Wahrnehmung spricht, die zu
dieser Zeit deutlich durch Übermüdung gekennzeichnet war, da wir
insgesamt 12 Stunden in einem kleinen Colectivo gefahren sind. Nach
den Vorträgen begann dann die Zuteilung der Votane (oder auch Gu-
ardiane). Dieses Konzept stellte das Kernelement der kleinen Schu-
le und ihrer "Lehrmethoden" dar. Die Votane sollten bis zu unserer
Abfahrt aus dem Caracol nun die Begleiter*innen der Schüler*innen
sein. In dieser Funktion sollten sie auf uns aufpassen, uns behüten
und beschützen. Das gestaltete sich bei mir zum Beispiel so, dass mein
Votan mich bei Nacht mit zum Klo begleitete, dass er meine Machete
nahm während wir über schwierige Wege gingen, dass er mit mir im
selben Zimmer schlief (was jedoch, so weit ich gehört habe, wohl bei
allen so war), dass er sich nach meinem Wohlbefinden erkundigte
oder mein Shampoo von der Dusche mitbrachte, als ich es vergessen
hatte. Ich kann also sagen, dass ich mich wirklich sehr gut aufgeho-
ben gefühlt habe und sehr gut angekommen war. Doch die Votane
hatten noch mehr Aufgaben: sie übersetzten für uns aus den indi-
genen Sprachen, wie Tzeltal, Tzotzil, Tolojabal, Chol ins Spanische
und umgekehrt, wenn es notwendig war. Außerdem konnten wir sie
alles fragen, was uns in den Sinn kam und sie würden versuchen es
mit ihrem Wissen zu beantworten oder jemanden zu suchen, der es
beantworten kann. Und wenn sie niemanden finden würden, dann
würde die Frage in der großen Hauptversammlung am Ende nochmal
besprochen werden - doch dazu später. Wie Subcomandante Marcos
es in einem Communiqué zum Ablauf formulierte, sollten sie für uns
nicht nur eine Person sein, sondern alle Zapatist*innen und damit
die ganze Bewegung, da wir eben von dieser lernen wollten. Damit
sollte wahrscheinlich auch schon klar gemacht werden, dass es weni-
ger um persönliche Beziehungen gehen sollte, als eben um das Leben
und Lernen der Zapatist*innen - bewusst in dieser Allgemeinheit. Im
selben Zusammenhang war es auch nicht erwünscht, Geschenke mit
in die Gemeinden zu bringen, da diese dann den Einzelfamilien zu-
fallen, obwohl doch viel mehr bei der Vorbereitung geholfen haben,
die wir niemals kennenlernen würden. Doch zurück zu der Beschrei-
bung des Ablaufes: Am Montag Nachmittag lernten wir nun diese
Votane kennen und wussten dadurch auch in welche Gemeinde wir
gehen würden, da der weitere Unterricht in diesen stattfinden würde.
Die sich nun bildenden Gruppen aus Votanen und Schüler*innen, die
sich nach Gemeinden sortierten, verließen dann - wenn sie vollzäh-
lig waren - das Caracol, um in die jeweilige Richtung aufzubrechen.
Die Wege waren dabei allein von diesem Caracol aus sehr unter-
schiedlich: manche liefen zehn Minuten, andere vier Stunden, wie-
der andere fuhren in LKWs einen Teil der Strecke, um dann zu laufen
und nochmals andere mussten nach LKW und Fußmarsch noch ein
Boot nehmen, um in ihren Gemeinden anzukommen.

In den Gemeinden erwartete uns dann unsere zweite Bezugsperson
für die nächsten Tage: unsere Lehrer*innen, bei deren Familien wir
für die nächsten Tage auch wohnen würden. Während die Votane
fast durchgängig recht jung waren - d.h. vermehrt Menschen um die
16 bis 20 Jahre, waren die Lehrer*innen schon etwas älter, hatten Fa-
milie und sprachen vor allem die indigene Sprache der Region, wobei
manche das Spanische verstanden, es jedoch nicht sprachen, so dass
die Votane hier häufig übersetzen mussten. Mit den Lehrer*innen ka-
men wir dann auch in die Familien, in deren Häusern wir bis Frei-
tag essen, trinken, lachen, lernen, leben und schlafen sollten. Für
letzteres bekamen wir ein eigenes Zimmer, in dem wir gemeinsam
mit unserem Votan unterkamen. Die nächsten Tage gestalteten sich
sehr unterschiedlich für jede*n von uns, weshalb ich versuchen will
durch ein paar kurze Aufzählungen unterschiedlicher Erfahrungen
einen Einblick zu geben, aus was diese drei Tage in der Gemeinde
zum Teil bestanden. Den Vormittag und Mittag verbrachten wir meist
ausschließlich mit dem Votan und unseren Lehrer*innen, mit denen
wir das machten, was sie eben in ihrem Alltag sonst machen: Bohnen
ernten und sortieren; Tortillas zubereiten; die Kaffeefelder von Un-
kraut befreien; Gemeindeaufgaben wie die Instandhaltung der auto-
nomen Schule; Essen zubereiten; Solaranlagen montieren; Mais ern-
ten; Holz suchen, hacken, ins Haus bringen; und vieles mehr, was mir
leider schon wieder entfallen ist. Auffallend fand ich vor allem die
Trennung von ,,männlicher" und ,,weiblicher" Arbeit, was heißt, dass
bestimmte Arbeitssphären deutlich geschlechtlich konnotiert waren,
während einige wenige diese Trennung nicht aufwiesen. Auch wenn
die Männer in Gesprächen versicherten, dass die Arbeitsbereiche in-
einanderfließen, war meine Wahrnehmung, dass die Aufteilung noch
relativ stark vorhanden ist.

Die Nachmittage waren dann für die Lektüre der vier Bücher be-
stimmt, wobei in manchen Gemeinden jede*r Schüler*in für sich ,,stu-
dierte" und in anderen Gemeinden sich alle trafen, um gemeinsam zu
lesen. Integraler Bestandteil dieser Lesestunden war die Möglichkeit,
aufkommende Fragen oder Unklarheiten direkt mit den Votanen und
Lehrer*innen besprechen zu können. Und auch hier galt: Falls diese
sie nicht beantworten konnten, wurden sie notiert, um später in der
Abschlussversammlung gestellt zu werden.

Auch wenn dieser Teil zu der Zeit in den Gemeinden hier in diesem
Bericht relativ kurz erscheint, war er, so denke ich, doch für viele
der prägendste und eindrucksvollste, da wir eben Seite an Seite mit
den zapatistischen Familien leben konnten und einen Eindruck da-
von bekamen, wie Alltagsleben in der angestrebten Autonomie in
Chiapas aussieht. Für mich war dies zumindest eine sehr beeindru-
ckende Begegnung und Erfahrung, da viele Dinge hinter dem theore-
tischen Begriff der Autonomie nun konkreter wurden. Es unterstrich
außerdem gleichzeitig die Verknüpfung von Theorie und Praxis, von
Wort und Tat, die immer wieder von den Zapatist*innen betont wur-
de. Denn das, was wir in den Büchern lasen, konnten wir ein paar
Augenblicke später fühlen und erleben. Zumindest was den Groß-
teil anbelangte - die Verwaltung in den Juntas de Buen Gobierno
war für uns natürlich weniger greifbar. Doch so lasen wir den einen
Nachmittag über die medizinische Versorgung in den Gemeinden
durch Promotores de Salud, autonome Kliniken und Hospitäler, und
schon am nächsten Tag besichtigten wir sie, um den Promotores Fra-
gen nach Medikamenten, Behandlungen und Krankheiten zu stellen.
Oder wir lasen über die Wichtigkeit der autonomen Bildung mit Ver-
wurzelung der Lehrer*innen in den Gemeinden, so gingen wir ein
paar Stunden später in die lokale autonome Schule und stellten den
Promotores de Educación einige Fragen zu Unterrichtsmethoden oder
ließen uns Beispiele dafür geben, wie Schulstoff und Alltagserfah-
rungen der Schüler*innen miteinander verknüpft werden. Der Zapa-
tismus blieb damit für mich erstmals nicht nur geschriebene Theorie
und Geschichte, sondern wurde zur Alltagswelt mit ganz konkreten
Orten, Gesichtern, Entwicklungen und Aktionen. Die täglichen An-
strengungen und Bemühungen hinter über zehn Jahren Aufbau der
Autonomie wurden damit im Ansatz erkennbar, auch wenn es im-
mer noch schwer vorstellbar ist, über was für ein gut organisiertes
Netzwerk diese Bewegung verfügt. Beispiel dafür war allein schon
die Organisation der Escuelita selbst: mit der Vorbereitung von 1.700
Votanen und mindestens 1.500 Familien sowie der Transport all der
Schüler*innen in die Caracoles und von dort in die Gemeinden.

Den Abschluss der kleinen Schule bildete dann die Rückkehr in die
Caracoles am Freitagmorgen, wo es nochmal zu einer Fragestunde an
die Lehrer*innen vom Montag kam. In dieser wurden alle Fragen, die
in den Tagen nicht von den Votanen beantwortet werden konnten,
vorgetragen und beantwortet. Dabei wurden manche sehr kurz abge-
tan und anderen wurde sich länger gewidmet. Generell kann gesagt
werden, dass stark darauf geachtet wurde, ob die Fragen relevant für
ein Verständnis der Autonomie waren, so dass z. B. Fragen nach der
Zahl der Zapatist*innen oder über die persönlichen Kontakte zum
Subcomandante Marcos sehr scherzhaft umgangen wurden. Sehr po-
sitiv ist mir eine Antwort im Gedächtnis geblieben, die ich jedoch
nur aus Erzählungen kenne, da sie in einem anderen Caracol gestellt
wurde: Auf die Frage zu einer dialektischen Beziehung zwischen
ich-weiß-nicht-was, wurde ganz deutlich geantwortet, dass sie zwar
unterschiedliche Dialekte kennen, aber keine Dialektik. Sie blieben
damit ganz klar in dem Bereich, in dem sie antworten konnten. Ge-
gen Freitagabend machten wir uns schließlich auf den Rückweg nach
San Cristóbal, wo am Samstag dann schon wieder alles vorbei war.

Neben all den persönlichen Erfahrungen und Eindrücken innerhalb
der Woche, stellt sich schließlich auch die Frage, warum zur kleinen
Schule eingeladen wurde und auch warum gerade jetzt? Mit dieser
Frage ist es auch eng verbunden, in welcher Beziehung sie eben zu ei-
ner antikapitalistischen Bewegung steht - stehen kann -, in der sich
die Zapatist*innen schließlich verorten. Und damit hängt es schluss-
endlich auch zusammen, warum es diesen Artikel hier gibt und was
sein Zweck abseits eines Erfahrungsberichtes ist.

Während meines Aufenthaltes in der kleinen Schule und noch viel
mehr durch meine direkt vorher gemachten Erfahrungen als Men-
schenrechtsbeobachter war ein erster Gedanke zum ,,Warum?", dass
sie sich selbst ein bisschen aus der Vergessenheit holen wollten, in
die sie durch ein mehrjähriges Schweigen gekommen waren und das
sie erst im Dezember 2012 gebrochen hatten. Diesen Eindruck hatte
ich persönlich dadurch, dass sehr wenige im Menschenrechtszent-
rum Frayba ankamen, um die für manche Gemeinden sehr wichti-
ge Beobachtung durchzuführen. (3) Gleichzeitig zeigt der Krieg nie-
derer Intensität (4) , der von der mexikanischen Regierung geführt
wird, seine Auswirkungen auf ganz unterschiedliche Weise: Spal-
tung von Gemeinden, Bedrohung durch Paramilitärs, Abwerbung
von Zapatist*innen usw. Manche Gemeinden sehen sich dadurch
in starke Bedrohungsszenarien verwickelt und sind zum Teil auf
internationale Aufmerksamkeit angewiesen. Ich will damit nicht
sagen, dass die Einladung zum Lernen implizit einer Werbung von
Menschenrechtsbeobachter*innen galt - vielmehr nehme ich, aus
sehr subjektiver Interpretation, unter anderem das Ausbleiben von
Beobachter*innen, aber auch die z.B. nicht geführte Diskussion im
deutschsprachigen Raum um die kleine Schule als Anlass, um zu
vermuten, dass die Kämpfe in Chiapas in Vergessenheit zu geraten
drohten. Eng mit diesem Beweggrund verbunden sah ich aber auch
einen Versuch der Demonstration der eigenen Stärke innerhalb der
Gemeinden. Durch die Einladung und folgliche Präsenz von rund
1.500 Besucher*innen in den Gemeinden konnte schließlich auch gut
gegenüber Regierungsanhänger*innen die Kraft der zapatistischen
Bewegung gezeigt werden.

Neben diesen Überlegungen brachte mich Leonidas O. in persön-
lichen Gesprächen noch auf einen weitgreifenden Gedanken, der
seitdem einige Überlegungen in mir hervorgebracht hat und den er
auch in einem Artikel im RoarMag herausarbeitet. (5) In einer Zeit,
in der seit Jahren anhaltende Protestwellen stattfinden, die zum Teil
auch grundsätzliche Systemfragen stellen und die Leonidas als eine
der stärksten Wellen seit  68 charakterisierte, könnte diese Schule
auch als Vorschlag innerhalb der antikapitalistischen Proteste gele-
sen werden. Als Vorschlag die Organisation der Autonomie als ein
Konzept aufzunehmen und zu diskutieren. Eine Verbesserung der
Lebenssituation nicht nur zu fordern, sondern auf horizontaler Ebene
gemeinsam zu organisieren; abseits alter politischer Pfade von Par-
teien und Parlamenten, die sich ein Mal mehr nur als Verwalter der
Kapitals beweisen und die unsere Forderungen nach einem selbst-
bestimmten Leben deshalb nie erfüllen können, sondern nur bis zur
Unkenntlichkeit entstellt in ihre Wahlprogramme aufnehmen. Die
Kleine Schule schlug damit auf die beste nur erdenkliche Weise vor,
die eigene Organisation aufzunehmen: nämlich dadurch, dass sie
zeigte, dass es im Hier und Jetzt möglich ist. Dass damit angefan-
gen werden kann und dass es Möglichkeiten geben kann. Sie sagte
nicht, dass es einfach ist, denn sie berichtete auch von zahlreichen
Irrtümern, die korrigiert werden mussten und werden. Aber sie sagt,
dass es keinesfalls unmöglich ist, sich auf den Weg zu begeben und
zögernd, aber bestimmt selbst laufen zu lernen.


1) Als Caracoles werden die fünf Verwaltungszentren der zapatistischen Bewegung 
bezeichnet. In jedem Caracol ist deshalb der Sitz der Junta de Buen Gobierno angesiedelt, 
der für die jeweilige Region die oberste Entscheidungsinstanz darstellt. Die Junta de Buen 
Gobierno setzt sich in jedem Caracol etwas anders zusammen, da jede Zone für sich 
unabhängig ist, generell werden aus jeder Region des Einzugsbereiches des Caracoles 
Beauftragte entsandt, die dann in der Junta tätig sind, in der dann im Rotationsprinzip 
gearbeitet wird. Neben der Junta de Buhen Gobierno konzentrieren sich in den 
unterschiedlichen Caracoles auch andere Verwaltungsaufgaben oder Ressourcen.

2) Hierfür ein kurzes Beispiel: Bei unserer Ankunft sollten wir salutierend die 
mexikanische Nationalhymne singen und auch die Losung ,,Nie wieder ein Mexiko ohne uns!", 
was kaum als anti-nationalistisch bezeichnet werden kann. Gleichzeitig will ich dazu 
jedoch anmerken, dass ein indigener Nationalismus in Zentralamerika auch anders betrachtet 
werden sollte, als ein deutscher oder anderer europäischer zum Beispiel. Das heißt nicht 
ihn wegzureden oder gar zu positivieren, nur will ich Reflektionen darüber eröffnen, was 
Nationalismus in unterschiedlichen Bewegungen und Regionen bedeuten kann.

3) Das Menschenrechtszentrum Frayba in San Cristóbal de las Casas, Chiapas, entsendet jede 
Woche Beobachter*innen in indigene Gemeinden. Diese Beobachtung wird von Teilen der 
Gemeinden selbst angefordert, da sie sich in Konfliktsituationen befinden, in der 
schließlich Frayba und die Gemeinde entscheiden, dass eine Beobachtung möglich und 
notwendig ist. Aufgabe der Menschenrechtsbeobachter*innen ist es in den Gemeinden dann 
anwesend zu sein und durch die Präsenz eine weitere Eskalati-
on des bestehenden Konfliktes zu verhindern. Für die Arbeit als Beobachter*in hält im 
deutschsprachigen Raum Carea e.V. aus Berlin weitere Informationen bereit und bereitet 
auch auf einen solchen Einsatz vor. Weitere Informationen dafür unter carea-menschenrechte.de

4) Als ,,Krieg niederer Intensität" wird im Groben ein Konflikt bezeichnet, in dem es kaum 
noch offene Kampfhandlungen zwischen den Konfliktparteien gibt, sondern der Konflikt 
vielmehr über wirtschaftliche, soziale und politische Felder geführt wird. Im konkreten 
Fall Chiapas sieht dies so aus, dass der mexikanische Staat nur noch selten die 
zapatistischen Gemeinden direkt angreift, sondern zunehmend auf verschiedene Strategien 
ausgewichen ist, um im gesamten Gebiet ein Klima von Angst, Unsicherheit, Misstrauen und 
Bedrohung aufrechtzuerhalten, was langfristig die soziale Basis der EZLN zermürben soll.

5) http://roarmag.org/2013/08/the-escuelita-zapatista-and-its-proposal-to-the-movements/


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