(de) FAU-IAA Direct Action #219 - Das Ende vom Ende? -- Ausgerechnet eine Gewerkschaft bewahrt in Namibia die Leiharbeit vor dem Todesstoß

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Wed Nov 13 13:43:44 CET 2013


Die Freude schien zu früh zu sein. Seit einiger Zeit verfolgt die DA die Debatte um 
Leiharbeit in Namibia. Als die DA Ende Juni als erstes Medium in Deutschland online 
darüber berichtete, dass die Klage des Verleihers African Personal Services (APS) gegen 
den Labour Amendment Act abgewiesen wurde und damit die Leiharbeit im südafrikanischen 
Namibia vor dem Ende sei, hat die Entwicklung noch für sich gesprochen. APS als größter 
Personaldienstleister verlor über 80 Prozent seiner Beschäftigten, immer mehr 
VertragspartnerInnen kündigten schon vor dem Urteil die Verträge über die 
Arbeitnehmerüberlassung auf. Als dann Ende Juni mit dem Urteilspruch endgültig feststand, 
dass die Leiharbeit, wie man sie in Namibia kannte, vorbei sei, jubelten viele über diesen 
Meilenstein. Fortan haben LeiharbeiterInnen nach dem umstrittenen Labour Amendment Act 
dieselben Rechte wie reguläre Arbeitskräfte - equal pay, equal treatment. Der Richter des 
obersten Gerichts, Liebenberg, stellte seinerzeit fest, dass "Regulierung kein Eingriff" 
in die unternehmerische Freiheit sei.

Doch nun hat Anfang August die Einzelhandels-Gewerkschaft NWRWU, die im 
Gewerkschaftsverbund TUCNA eingebunden ist, mit der APS eine Anerkennungsvereinbarung 
abgeschlossen. Ohne nennenswerten Druck macht sich die Gewerkschaft zum Protegé einer 
salonfähigen Leiharbeitsbranche. Konservative feiern dies und beschwören gar, dass die 
Leiharbeit nun frei vom Ruf der Ausbeutung sei. Nun müsse seitens der ArbeiterInnen wieder 
Leistung gezeigt werden. Der Gewerkschaftssekretär Hamunyela bezeichnete das Abkommen gar 
als "Heiratsurkunde". Eine bizarre Hochzeit.

Die junge Welt rekurrierte Ende Juni auf eine Studie des namibischen 
Arbeitsforschungsinstituts LaRRI aus dem Jahr 2006, wonach Leiharbeit zuvor als Bollwerk 
gegen die Gewerkschaften genutzt wurde: Streiks wurden unterlaufen, reguläre Beschäftigung 
wurde verdrängt. LeiharbeiterInnen wurde die gewerkschaftliche Betätigung untersagt. Dass 
nun ausgerechnet eine Gewerkschaft das Schmuddel-Image der Leiharbeit richten will, findet 
zwar unter ganz anderen Vorzeichen statt, erinnert jedoch unweigerlich an die kritisierten 
Tarifverträge des DGB mit Zeitarbeitsfirmen, zu denen es zuletzt wieder Tarifgespräche gab.

Es war klar, dass die überarbeiteten Gesetzestexte die Leiharbeit nicht verbieten würden. 
Dennoch wurde sie grundsätzlich ihrer Dumpinglogik beraubt. Statt sie ihrem Schicksal zu 
überlassen, wird ihr nun zur Konsolidierung verholfen. Den von Verleihern prognostizierten 
Zusammenbruch der Wirtschaft gab es derweil nicht.

Sebastien Nekyia

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