(de) Direkte Aktion #217 – Ein Schlag auf die Rübe

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Fri May 31 17:43:41 CEST 2013


Der Bio-Hof „Teltower Rübchen“ musste einlenken. Der exklusive Rückblick in einen 
Arbeitskampf ---- Ausbeutung in der Biobranche. Ein schreiender Widerspruch zwischen 
hässlicher Praxis und hehren Zielen, das alte Lied vom Mittel und vom Zweck. Die FAU 
Berlin hatte unlängst Gelegenheit, sich näher damit auseinanderzusetzen: Im Mai 2012 kam 
Conchita L. zur Rechtsberatung des Allgemeinen Syndikats Berlin der FAU. Conchita hatte 
ein ganz spezielles Problem: ihr Ausbilder, der Besitzer des Hofes „Teltower Rübchen“ 
wollte ihr den Lohn in Naturalien auszahlen. In einem ersten Brief an den Unternehmer 
legte die FAU Berlin diesem die Rechtslage, auch was die Pünktlichkeit der Lohnzahlung 
angeht, dar.

Der Besitzer des Hofes versicherte auch sofort, dass der Lohn nunmehr pünktlich ausgezahlt 
werde; von einer Bezahlung in Naturalien war nun keine Rede mehr. Bei einem weiteren 
Gespräch mit Conchita L. stellte sich heraus, dass in dem Ausbildungsbetrieb noch einiges 
im Argen liegt. Ausbildungsinhalte wurden z.B. nicht oder nur unzureichend vermittelt, die 
Ausbildungsvergütung lag weit unter dem gängigen Tarif der IG BAU und die sanitären 
Einrichtungen ließen sehr zu wünschen übrig. Daher bildete die FAU Berlin eine 
Arbeitsgruppe, die dem Bauern Beine machen sollte.

DIE VORARBEITEN

Die Arbeitsgruppe entschied, nichts übers Knie zu brechen und erst einmal eine gründliche 
Recherche zu dem Hof zu betreiben. So wurde ein Betriebsspiegel erstellt, in den alle 
verfügbaren Informationen über den Hof eingearbeitet wurden: Seien es nun Lieferanten, 
Kunden, die Zahl der Beschäftigten oder die Namen der Bio-Verbände, in denen der Boss 
Mitglied ist. Nachdem dies getan war, war recht schnell klar, wie die FAU Berlin an den 
Konflikt herangehen wollte: Die übrigen Beschäftigten sollten mit einbezogen werden, es 
sollte ein Forderungskatalog aufgestellt werden, von dem alle Beschäftigten etwas haben. 
Dazu ging es zunächst an eine verdeckte Organizing-Kampagne. Diese beinhaltete etliche 
Gespräche mit den einzelnen Beschäftigten, teils auf dem Feld, teils auf Märkten oder bei 
ihnen zuhause. Auch Anwälte wurden zu Rate gezogen, um beschäftigungsspezifische Fragen zu 
klären; schließlich mussten Dolmetscher und Dolmetscherinnen gefunden werden. Die AG 
steckte sehr viel Kraft, Energie und Zeit in den Versuch, die restlichen Beschäftigten mit 
ins Boot zu holen. Letztendlich scheiterte dieser Versuch, was jedoch nicht daran lag, 
dass die Beschäftigten mit der Situation auf dem Hof zufrieden wären. Nein, Grund zur 
Klage hatten sie genug. Nur die Angst vor einem offenen Konflikt, gepaart mit einer sehr 
speziellen arbeitsrechtlichen Situation, war zu groß. Nunmehr hieß es für die FAU, den 
Konflikt allein im Namen ihres Mitglieds zu führen und zu hoffen, dass das Beispiel eines 
gewonnenen Kampfes Einfluss auf die anderen Beschäftigten haben würde. Zwischenzeitlich 
hatten sich einige andere Probleme im Zusammenhang mit der Ausbildung ergeben und 
Vertreter der FAU Berlin hatten mehrfach Gespräche mit dem Unternehmer geführt bzw. Briefe 
geschrieben: Dem Inhaber des Hofes war zu diesem Zeitpunkt klar, dass sich die FAU Berlin 
mit seinem Betrieb beschäftigt.



DIE FAU BERLIN INFORMIERT VOR DEM KREUZBERGER BIO-MARKT AM CHAMISSOPLATZ (FOTO: DENNIS 
REESE) DER KONFLIKT
http://www.direkteaktion.org/217/ein-schlag-auf-die-rube/#c22ab7535130b5f8eda71f425b0cbee8

Mittlerweile war es September geworden. Die Forderungen waren formuliert, ein Zeitplan und 
eine Eskalationsstrategie für den Konflikt waren entworfen. Dem Besitzer des Hofes wurden 
die Forderungen schriftlich mitgeteilt und ein erstes Verhandlungsgespräch vereinbart. 
Dieses sollte Mitte Oktober 2012 stattfinden. Axel. S., der Inhaber des Hofes, erschien 
jedoch nicht zum vereinbarten Termin. Die AG beschloss daraufhin, die erste Stufe des 
Konfliktes zu eröffnen: Diese bestand darin, mit dem Ausbildungsträger (Demeter) erstmals 
Dritte über den Konflikt zu informieren, um so Druck auf den Betreiber des Hofes 
aufzubauen. Ziel war es, wie auch bei den weiteren Schritten, den Boss dazu zu bewegen, 
Verhandlungen mit der FAU Berlin aufzunehmen. Der Ausbildungsträger war indes nicht 
bereit, in den Konflikt einzugreifen, obwohl er nach den Ausbildungsrichtlinien zu einer 
Schlichtung verpflichtet gewesen wäre – die FAU hatte somit freie Hand, in ihrer 
Eskalationsstrategie fortzufahren. In einem zweiten Schritt wurden nun die Verbände wie 
Bioland aber auch Politiker, darunter MdB Behm (Die Grünen), die Linkspartei Teltow und 
die Grünen Teltow kontaktiert und über die Missstände auf dem Hof aufgeklärt – vermittelt 
wurde auch, dass sich die FAU Berlin auf einen Arbeitskampf vorbereitet. Die verschiedenen 
Politiker und Fraktionen der Stadt Teltow wurden angeschrieben, da der Besitzer des Hofes 
als Mitglied der Grünen auch kommunalpolitisch aktiv und Mitglied der 
Stadtverordnetenversammlung ist. Dieser Schritt war dazu gedacht, auf Axel S. Druck 
auszuüben; es ging nicht darum, über die Politik eine Lösung des Konfliktes zu erreichen. 
Des Weiteren wurden alle Abnehmer der Produkte des Hofes über die Zustände in dem Betrieb 
informiert. Schon dieses Vorgehen zeigte einige Wirkung, da der Besitzer des Hofes 
„Teltower Rübchen“ die FAU aufforderte, dies zu unterlassen und eine Gegendarstellung zu 
verbreiten. Darauf ist die AG natürlich nicht eingegangen. Zu Verhandlungen war der Boss 
indes immer noch nicht bereit.

Die AG begann daher am 17. November, den Konflikt unter dem Motto „Für Ausbildung statt 
Ausbeutung! – Bio geht nur fair“ öffentlich zu machen. Um ein möglichst breites und 
interessiertes Publikum zu erreichen, wurde hierfür die „Messe für nachhaltiges 
Wirtschaften: Heldenmarkt“ gewählt: Es wurden erstmals Flugblätter verteilt und mit Kunden 
des Hofes, die auch einen Messestand hatten, Gespräche geführt. Seit November informierten 
FAU-Mitglieder jede Woche auf Wochenmärkten das interessierte Publikum über den Konflikt 
auf dem Hof „Teltower Rübchen“. Die FAU Berlin wies den Inhaber des Hofes mehrfach darauf 
hin, dass sie einer Verhandlungslösung aufgeschlossen gegenüberstehe. Ende Dezember kam es 
dann zu einem Verhandlungstermin mit dem Besitzer des Hofes. Bei diesem Treffen kam es 
zwar zu keiner Einigung, Teilerfolge konnten aber erreicht werden.

DIE ERGEBNISSE

Ab Januar 2013 hat der Besitzer des Hofes „Teltower Rübchen“ die Ausbildungsvergütung 
einseitig um 65% erhöht – eine deutliche Verbesserung, die allerdings noch unter dem 
gültigen Tarif liegt. Die FAU Berlin hat daher keine Vereinbarung mit dem Betrieb 
unterschrieben. Darüber hinaus wurde eine Verkürzung der regulären betrieblichen 
Arbeitszeit erreicht und zwar von 52,5 Stunden auf 47 Stunden pro Woche. Der FAU Berlin 
wurde Zugang zum Hof zugesichert, um in regelmäßigen Abständen die Vorkehrungen zum 
Arbeitsschutz zu überprüfen. Die sanitären Zustände auf dem Hof sollen mittelfristig 
verbessert werden. Als Zwischenlösung werden zwei Dixiklos angeschafft. Auch hier wird der 
FAU Berlin das Recht zur Prüfung eingeräumt.

Allerdings wurde dem Betrieb zum März 2013 seitens des Ausbildungsträgers die 
Zusammenarbeit aufgekündigt, so dass das Ausbildungsverhältnis nicht mehr besteht. Damit 
besteht für die FAU Berlin aktuell keine Handlungsgrundlage mehr. Die Nachzahlung 
entgangener Lohnzahlungen wird nun rechtlich angestrengt. Denn allzu einfach sollte kein 
Unternehmer davon kommen, selbst wenn er sich so weltverbesserisch gibt wie der 
Grünen-Politiker Axel S., der das „Teltower Rübchen“ leitet. Für die FAU Berlin stellt 
sich nun die Frage, wie sich die übrigen Beschäftigten verhalten werden, wenn die neue 
Saison beginnt. Zunächst werden sie über die Ergebnisse des Konfliktes informiert werden.

Die AG konnte eine Menge auf dem Hof bewegen, auch wenn sie die selbst gesetzten Ziele 
nicht ganz erreichen konnte. Es gelang nicht, alle Beschäftigten mit ins Boot zu holen, 
auch gelang es nicht, eine Vereinbarung über die Ausbildungsvergütung zu treffen, die 
mindestens den Tarif der IG BAU garantiert. Andererseits muss aber auch festgestellt 
werden, dass der Inhaber des Hofes „Teltower Rübchen“ die FAU Berlin als 
Verhandlungspartner anerkennen musste und es zu recht ordentlichen Teilergebnissen kam. 
Durch die monatelange Kampagne konnte auch das Thema der Arbeitsbedingungen in Biobranche 
einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden – wobei das Spannungsfeld zwischen 
biologischen und sozialen Normen deutlich zutage tritt.

Markus Weise


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