(de) FDA/IFA - Gǎi Dào Mai Der 1. - Arbeit, Arbeit, Arbeit - Nicht guter Lohn für gute Arbeit – sondern Abschaffung der Lohnarbeit!

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Wed May 29 12:31:54 CEST 2013


Freie Arbeiter*innen Union (FAU) Hannover ---- Erst „Arbeit, Arbeit, Arbeit“, nun „Guter 
Lohn für gute Arbeit“ und dazu „Bündnisse für Arbeit“ allenthalben - das sind die 
Antworten der DGB Gewerkschaften auf Prekarisierung und die Zumutungen von 
Arbeitslosigkeit, Niedriglohn und faktischem Arbeitszwang. ---- Wie diese Arbeit gestaltet 
ist, wem sie nützt und warum wir überhaupt lohnarbeiten sollen, wird kaum diskutiert. 
Gleichzeitig wird Arbeitszwang zunehmend unbarmherziger durchgesetzt. Das System von 
Hartz4 mit der Verpflichtung fast jede Arbeit anzunehmen, wird mit einer Vielzahl von 
kleinen und großen Schikanen und Drangsalierungen begleitet.
Die administrativen Maßnahmen werden flankiert von unverhohlener medialer Hetze nicht nur 
in BILD und Co.

Auch die bürgerlichen Medien haben längst diejenigen als „Problem“ identifiziert, die 
angeblich keine Lust haben, die sich der täglichen Arbeitshetze entziehen wollen oder für 
die es in der Arbeitswelt sowieso nichts mehr zu gewinnen gibt.

Alles so schön flexibel und effizient

In der modernen Arbeitswelt verschwimmen zunehmend die Gren-
zen zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Arbeitsplatz und Woh-
nung, zwischen Job und (Weiter-)Bildung. Flexibilität, Effizienz, Leis-
tungsfähigkeit und -bereitschaft sind die Eckpfeiler der Propaganda.

Aus eigener Erfahrung wissen wir: Flexibilität heißt eben auch Zu-
mutung – mehr arbeiten, weniger verdienen, immer verfügbar sein.

Effizienz geht Hand in Hand mit dem Ausgrenzen von denjenigen,
die die Anforderungen der kapitalistischen Wirtschaft nicht erfüllen
können. Und der Ruf nach Leistung, die sich wieder lohnen müsse,
dient vor allem denjenigen, die auf der Gewinnerseite der aktuellen
Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung stehen. Die Bewertung von
Menschen nach Leistungsgesichtspunkten wird immer mehr zum
Nützlichkeitsdenken: Wer nichts leistet, ist nichts wert.

Uns wird die Pflicht auferlegt, den eigenen Körper und seine Gesund-
heit in Schuss zu halten. Nicht aus Eigeninteresse für ein langes und
gutes Leben, sondern um dem Arbeitsmarkt möglichst umfassend zur
Verfügung zu stehen. Krankheit und mangelnde Leistungsfähigkeit
werden als individuelles Versagen dargestellt. Schlechte Ernährung,
Depressionen, Übergewicht werden nicht als Begleiterscheinun-
gen von Armut, Hoffnungslosigkeit und somit sozialer Ungleichheit
wahrgenommen, sondern gelten als Disziplinlosigkeit und Charak-
terschwäche.

Wir werden angehalten zu lebenslanger Fort- und Weiterbildung –
aber nur soweit das Wissen ökonomisch verwertbar ist. Bildung wird
so kaum mehr unter der Prämisse von sozialer Teilhabe, Demokrati-
sierungsmöglichkeit oder gesellschaftlicher Emanzipation diskutiert.

Privatisierte Gewinne - vergesellschaftete Kosten

Die Unternehmensgewinne werden durch Lohnsenkungen, Kürzun-
gen von Sozialleistungen und Ausbeutung im Niedriglohnsektor re-
alisiert. Umweltzerstörung, die Gefährdung unserer Gesundheit und
ein mieses Leben auf der anderen Seite der Welt werden dabei in Kauf
genommen. Das ist Umverteilung von unten nach oben, mit privati-
sierten Gewinnen und vergesellschafteten Kosten. Die Ausbeutung,
die wir täglich erleben, wenn Lebensmittel und Wohnraum immer
mehr kosten, weil wir weniger verdienen. Wozu Produktivitätsstei-
gerung und technischer Fortschritt, wenn ihre Resultate nicht allen
zur Verfügung stehen?

Nachdem die Erhaltung der industriellen Kernarbeitsplätze Hauptziel
der Politik des DGB war, entdeckt er nun die Leiharbeit als Agitations-
feld. Nicht weil dort – teilweise mit Tarifvertragssegen von ver.di und
IG Metall – Lohndumping betrieben wird, sondern weil immer mehr
Arbeitsplätze nur noch als Leih- und Zeitarbeit entstehen. Hinzu kommt
eine Strategie des Machterhalts mit dem Versuch, sich missliebige Ge-
werkschaften vom Hals zu halten. Gemeinsame Bestrebungen des DGB
und der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA)
haben das Ziel, das Streikrecht durch ein Gesetz einzugrenzen. Künftig
soll es nur noch der mitgliederstärksten Gewerkschaft erlaubt sein, in
einem Betrieb Tarifverträge abzuschließen. Das ist nichts anderes als
ein Angriff auf gewerkschaftliche und politische Grundrechte und auf
kämpferische Gewerkschaften, wie die GdL.

Selbstbestimmtes Leben statt Arbeit um jeden Preis

Wir wollen nicht Arbeit um jeden Preis. Wir wollen ein selbstbe-
stimmtes Leben, das nicht von 40, 50 oder mehr Stunden Wochenar-
beitszeit geprägt ist. Wir wollen eine Diskussion über Alternativen zu
Arbeitszwang und Lohnarbeit. Wir wollen mit der radikalen Kritik
am Mythos von der guten Lohnarbeit die Zumutungen der Arbeits-
welt bekämpfen und die kapitalistische Verwertungslogik angreifen.
Wir wollen dem kapitalistischen Modell, in dem Menschen nach
Nützlichkeitsgesichtspunkten beurteilt werden die Legitimations-
grundlage entziehen.

In der Praxis bedeutet das: Wir müssen uns wehren, wenn Stamm­
belegschaften, LeiharbeiterInnen und Erwerbslose gegeneinander
ausgespielt werden. Das kann heißen, gemeinsame Forderungen zu
stellen, wenn in bestimmten Branchen die Arbeitskräfte knapp wer-
den. Unterstützen wir unsere KollegInnen, wenn sie sich für besse-
re Arbeitsbedingungen bei Vorgesetzten einsetzen. Wehren wir uns
gegen die Erneuerung von geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung,
wonach Frauen die unbezahlte Familienarbeit erledigen. Treten wir
der rassistischen Hetze a la Sarrazin entgegen. Zeigen wir Interesse
dafür, wie Produkte hergestellt werden und kaufen nur die unter kor-
rekten Bedingungen produzierten.

Große Veränderungen fangen klein an

Setzen wir dem kapitalistischen Arbeitsethos etwas entgegen: So-
lidarische Bündnisse mit Prekarisierten, Erwerbslosen und Ausge-
grenzten. Selbstorganisierung in den Betrieben und darüberhinaus,
um sich gegen die Zumutungen gemeinsam zur Wehr zu setzen. Un-
terstützung und Mitarbeit in Initiativen, die mit ihrer praktischen
Arbeit der Verwertungslogik eine antikapitalistische, antirassisti-
sche und solidarische Praxis entgegensetzen.

Der Text stammt aus dem Aufruf der FAU Hannover zum 1. Mai 2011


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