(de) FAU DIREKTE AKTION #216 – Patriarchales Erbe -- Hartz IV ist sicher

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Sat May 18 14:12:47 CEST 2013


Dass es gilt, Arbeit abzuschaffen und man lieber heute schon selbstbestimmt auf der 
Parkbank sitzen und die Eichhörnchen füttern solle, anstatt auf die offizielle Erlaubnis 
dazu mit 67 zu warten, wissen wir nicht erst seit gestern. Dass wir mit dieser Ansicht 
aber scheinbar immer noch eine Minderheitenmeinung vertreten, ergibt immer weniger Sinn. 
Als im September 2012 durch Frau von der Leyen mal wieder bestätigt wurde, dass sich 
Leistung nicht mehr lohnt und die Rente schon lange nicht mehr sicher ist, blieb es beim 
bekannten kurzen Aufschreien, als hätte man es so noch nicht gewusst und als dürfe das so 
auch nicht sein, verifiziert haben wir unsere Empörung aber auch diesmal nicht: Keine 
brennenden Autos am nächsten Morgen, keine Masseneigenkündigungen bei den Verleihbuden und 
auch Riesterverträge wurden neu abgeschlossen.

Mittlerweise darf auch die menschenverachtendste Wahrheit von der deutschen Regierung 
ausgesprochen werden. Für einen immer größer werdenden Teil der Bevölkerung ist es einfach 
nicht vorgesehen, dass er auch bei unbedingter Einsatzbereitschaft jemals über das Niveau 
des von der Regierung nach Gutdünken festgelegten Existenzminimums hinauskommt. Dieser 
wachsende und überwiegend weibliche Teil der Bevölkerung arbeitet nicht für die Rente und 
er arbeitet nicht, um sich vom Lohn seiner Arbeit seinen Anteil am süßen Leben zu sichern. 
Warum arbeitet er dann noch? Er arbeitet, weil es keine Alternative zum Arbeiten gibt, 
zumindest ist es keine Alternative als arbeitssuchend zu gelten und sich den Schikanen des 
Jobcenters auszusetzen. Damit entpuppt sich Hartz IV wieder einmal als perfides 
universales Herrschaftsinstrument zur gesellschaftlichen Disziplinierung. Die Schlichtheit 
dieser Antwort klingt nur leider zu sehr nach Verschwörungstheorie, als dass man sich 
traute, diese Wahrheit permanent zu wiederholen. Seit Jahren wird versucht, Alternativen 
zu Rentensystemen und Lebensarbeitszeitmodellen zu entwickeln, aber mehr als der 
Bundesfreiwilligendienst, Lesepaten in Kitas und public gardening als zusätzliche 
Nahrungsquelle für verarmte Großstadtrentner ist bisher nicht zu verzeichnen. Jedoch, die 
Hoffnung stirbt zuletzt und wenn wir mit 67 nicht mehr erwerbspflichtig sind, bleibt noch 
genügend Zeit, sich weitere Gedanken zu machen.


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