(de) FAU DIREKTE AKTION #216 – Schatten der Vergangenheit --- Spaniens Umgang mit dem Erbe Francos

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Thu May 16 11:39:56 CEST 2013


Um den schwierigen Umgang Spaniens mit seiner Geschichte ging es bei der Veranstaltung am 
28. Oktober in Berlin im Kino Babylon Mitte am Rosa-Luxemburg-Platz, das sonst eher durch 
den FAU-Thriller mit mehreren Sequels bekannt ist. Die beiden Grimme-PreisträgerInnen 
Lucia Palacios und Dietmar Post luden zur erstmaligen Vorführung ihres größtenteils durch 
Crowfunding finanzierten, investigativen Films Die Siedler Francos (Bericht in DA 213) 
ein, in dessen Mittelpunkt die Bewohner von Llanos del Caudillo, auf Deutsch - Hochebene 
des Führers - stehen, eines kleinen Dorfes in Kastilien-La Mancha, das während Francos 
Diktatur 1955 im Zuge des Umsiedlungsprojekts vom Instituto Nacional de Colonization 
errichtet wurde, den neuen faschistischen Menschen hervorbringen sollte und das bis heute 
durch seinen Namen den Diktator würdigt.

„DIE WAHRHEIT DER SIEGER“

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion, die mit Emilio Silva, dem Vorsitzenden der 
Vereinigung zum Wiedererlangen des historischen Gedächtnisses, Felipe González, dem 
spanischen Ministerpräsidenten von 1982 – 1996 und mit Carlos Castresana, dem 
Generalstaatsanwalt des obersten spanischen Gerichtshofes interessant besetzt war, wurde 
schnell deutlich, dass in punkto Vergangenheitsbewältigung noch einiges im Argen liegt und 
dass die Spuren von Francos Diktatur auch weiterhin überall in der spanischen Gesellschaft 
zu finden sind. Bezeichnend auch, dass Fernando Suárez von der konservativen Partido 
Popular seine Teilnahme absagte und mit welcher Begründung er dies tat: Die Organisatoren 
würden Franco als Diktator bezeichnen und seine Machtergreifung als Putsch, das wolle er 
nicht unterstützen. Und wie er, würden viele denken, so die einhellige Meinung der 
Gesprächsrunde.

Laut Emilio Silva, der durch die Rekonstruktion des Schicksals seines Großvaters, der 1936 
von Franco-Anhängern verschleppt und erschossen wurde, den Anstoß gab zur Öffnung der 
ersten Massengräber, sei die spanische Gesellschaft nach wie vor zutiefst gespalten. 
Während die Menschen, die an der Errichtung der Diktatur beteiligt gewesen seien, nach 
ihrem Tode als Demokraten in Erinnerung bleiben, seien solche wie sein republikanischer 
Großvater, der freie Wahlen forderte, lange Jahre in Massengräbern verschwunden. Die, die 
ihre Privilegien durch Gewalt erhalten hätten, seien immer noch die herrschende Klasse in 
Spanien. Der Film sei ein Röntgenbild der Spuren, die Franco bis heute in der Gesellschaft 
hinterlassen habe.

Es sei die Wahrheit der Sieger, so Regisseur Dietmar Post im Gespräch.

Die Veranstaltung wurde von play loud! productions in Zusammenarbeit mit der 
Friedrich-Ebert-Stiftung, dem Cervantes Institut und dem Deutschen Spanischlehrerverband 
organisiert und war nur geladenen und namentlich angemeldeten Gästen zugänglich, was zwar 
verständlich ist, da der Film mangels finanzieller Mittel noch nicht endgültig 
fertiggestellt wurde, aber andererseits auch ein Manko, da es so eher zum Vortrag , denn 
zur Diskussion geriet.

Und einzelne Einwürfe, wie beispielweise der Hinweis auf den Wrangel-Kiez, so Dietmar 
Post, seien unberechtigt, weil hier die Dimension nicht stimme.

Die komplette Diskussion ist auf play loud!, der Website von Dietmar Post und Lucia 
Palacios als Filmstream und Audio-Download erhältlich.

So überwältigend die Reaktionen aller waren, die den Film bisher gesehen haben und so 
viele UnterstützerInnen es auch gibt - Carlos Castresana meinte gar, der Film solle am 
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vorgeführt werden - bleibt doch festzustellen, 
dass bislang keine Aussicht besteht, ihn regulär im Kino zu sehen, auch Festivals haben 
abgesagt.

Dietmar Post und Lucia Palacios wollen dem mit ihrer Idee vom „ambulanten Kino“ begegnen, 
sprich: sie werden Filmvorführungen in ausgewählten Städten mit Diskussionsrunden 
organisieren.

Karin Hoog

www.playloud.org/archiveandstore/en


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