(de) FAU - Direkte Aktion #217 – Emanzipation & Solidarität -- Zwei Buchbesprechungen

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Sun Jun 30 09:50:45 CEST 2013


Im vergangenen Jahr sind zwei Bücher zur Geschichte der radikalen Linken erschienen, die 
auch für LeserInnen der DA von Interesse sein dürften. ---- DANYLUK BEFREIUNG UND SOZIALE 
EMANZIPATION ---- Da wäre zum einen der Streifzug durch die Geschichte linksradikaler 
Klassenbewegungen von Roman Danyluk, der unter dem Titel Befreiung und soziale 
Emanzipation sich mit den drei wichtigsten Strömungen der Arbeiterbewegung abseits der 
etablierten Sozialdemokratie bzw. des Parteikommunismus beschäftigt: der Rätebewegung, dem 
Operaismus und dem Syndikalismus. Danyluk handelt die drei Bewegungen nacheinander ab, er 
zeichnet ihre theoretischen Grundzüge ebenso nach, wie ihre Praxis, legt ihre Schwächen 
bloß und verweist auf bewahrenswerte bzw. weiterzuentwickelnde Tendenzen in diesen Strömungen.

Herausgekommen ist ein flüssig zu lesendes Einführungsbuch, das sich vorrangig an junge 
Aktive richtet, die sich einen Überblick über die Wurzeln heutiger Gruppen und Strömungen 
der Klassenlinken verschaffen wollen. Er verzichtet daher weitgehend auf Quellenhinweise, 
was sicher der Lesbarkeit dient, es aber auch denjenigen schwer macht, die sich tiefer mit 
der Materie auseinandersetzen wollen.

Was die Lektüre angenehm macht, ist das Fehlen jeglicher Polemik oder Besserwisserei. Dem 
Autor ist seine Sympathie für die behandelten Strömungen anzumerken, was ihn aber auch 
nicht blind macht für deren Schwächen. Mitunter wird die Bedeutung der einzelnen 
Bewegungen überzeichnet – so sind beinahe alle erwähnten Gruppen und Ereignisse als 
„äußerst bemerkenswert“ dargestellt worden. Das mag im Vergleich zu ihren politischen 
Ahnen heutzutage sicher oft der Fall sein, maßgeblichen Einfluss in der Arbeiterbewegung 
konnten sie nur in wenigen Ländern und meist nur für kurze Zeit erlangen. Am Schluss des 
Buches stellt und diskutiert Danyluk vor allem Fragen, deren Beantwortung er für die 
Entwicklung neuer Perspektiven für wichtig hält und die sich um das Verhältnis von 
Produktivkraftentwicklung und sozialer Emanzipation, von Arbeit und Arbeiterklasse sowie 
um Organisationsformen des Klassenkampfes drehen.

RÜBNER DIE SOLIDARITÄT ORGANISIEREN!

Ein ähnliches politisches Spektrum deckt die Forschungsarbeit Hartmut Rübners ab. In 
seinem Buch Die Solidarität organisieren hat er aber weniger die Konzepte, Praxis und 
Resonanz linker Bewegung in Westdeutschland nach 1968 – so der Untertitel des Werkes – 
nachgezeichnet, sondern hauptsächlich die Solidaritätsarbeit linker Gruppen mit 
denjenigen, die ins Räderwerk staatlicher Repression geraten waren. Im Vordergrund stehen 
die Soli-Organisationen, angefangen von den verschiedenen Fraktionen der „Roten Hilfe“, 
die sich im Verlaufe der 1970er Jahre formierten, über die diversen, meist kurzlebigen 
Soli-Komitees bis hin zur libertären „Schwarze Hilfe“.

Rübner gelingt es, Licht in das Organisationsdickicht der radikalen Linken der 1970er 
Jahre zu bringen. Teilweise minutiös zeichnet er die Entstehung, die zahlreichen 
Spaltungen und den Niedergang der kommunistisch-maoistischen wie auch der Sponti-Gruppen 
aus den Zerfallsprodukten der APO nach.

Während sich die diversen linksradikalen Organisationen untereinander z.T. sehr heftige 
Auseinandersetzungen lieferten, versuchten die Soli-Gruppen noch lange Zeit Bündnisse bis 
hinein ins linksbürgerliche Lager im Interesse der Gefangenen zu schmieden. Und das 
durchaus erfolgreich – so konnten z.B. im Juni 1976 für den „Antirepressionskongress“ in 
Frankfurt/Main 20.000 Menschen mobilisiert werden.

Der Schwerpunkt der Soliarbeit lag naturgemäß bei der Unterstützung der inhaftierten 
GenossInnen. Dabei standen nicht selten die Gefangenen der verschiedenen bewaffneten 
Gruppen im Zentrum der Soli-Kampagnen, deren Vorgehen aber immer umstritten blieb. Aber 
auch – und das scheint heute weitgehend aus dem Blick geraten zu sein – galten zumindest 
auf dem antiautoritären Flügel die „sozialen Gefangenen“ als unterstützungswürdig, wurde 
in ihnen doch in erster Linie Opfer des kapitalistischen Systems gesehen, die sich 
individuell (statt kollektiv) gegen die Zumutungen des „Schweinesystems“ wehrten. Generell 
waren die sogenannten „Randgruppen“ in den „Problemvierteln“ der Großstädte eine wichtige 
Zielgruppe linksradikaler Basisarbeit – ein Feld, das heutzutage meist den Nazis 
überlassen wird. Hier können wir vermutlich am ehesten von der Praxis der damaligen 
Militanten lernen, auch wenn deren Verhältnis zum „Milieu“ nicht ungetrübt war. Spätestens 
Ende der 1970er Jahre war es damit dann vorbei. Die immer weniger werdenden Militanten 
beschränkten sich auf die Solidarität mit ihren Genossen, die „Außenwelt“ geriet zunehmend 
aus dem Blickfeld.

Erinnerungswert und beispielgebend für heutige Aktive bleibt vor allem die zumindest in 
der Frühzeit ebenso selbstverständliche wie auch richtungsübergreifende Solidarität 
innerhalb der Linken, ihre ausgeprägte Orientierung auf kollektive Selbsthilfe wie ihr 
Bemühen, die engen Grenzen des linksradikalen Milieus zu überwinden.

Anders als Danyluk ist Rübner Wissenschaftler, was man dem Buch auch anmerkt. Akribisch 
hat er vermutlich den Großteil alles verfügbaren Quellenmaterials zusammengetragen und 
ausgewertet. Es gibt einen ausführlichen bibliografischen Anhang (u.a. ein Verzeichnis 
sämtlicher auffindbarer Broschüren der Solidaritätsinitiativen sowie einen Personen- und 
Organisations-Index). Schade nur, dass der Verlag diese Genauigkeit bei der Beschriftung 
der zahlreichen Illustrationen vermissen lassen hat.

Während Danyluks Buch vor allem eine so bisher nicht vorliegende Einführung in die drei 
wichtigsten „Neben“-Strömungen der Arbeiterbewegung gibt, erschließt Rübner erstmalig ein 
wichtiges Feld linkradikaler Praxis nach 1968 für die Forschung – beiden kann man nur 
viele LeserInnen wünschen.

Ludwig Unruh

Danyluk, Roman: Befreiung und soziale Emanzipation. Rätebewegung, Arbeiterautonomie und 
Syndikalismus. Edition AV 2012. 348 Seiten, 18,00 EUR.

Rübner, Hartmut: Die Solidarität organisieren. Konzepte, Praxis, Resonanz linker Bewegung 
in Westdeutschland nach 1968. Plättners Verlag 2012. 304 Seiten, 16,80 EUR.


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